Wird Bargeld bald abgeschafft?

5. April 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

„Die Freiheit ist ein stürmisches Meer. Ängstliche Naturen bevorzugen die Stille des Despotismus“. (Thomas Jefferson, dritter Präsident der Vereinigten Staaten und Verfasser der Unabhängigkeitserklärung)

Schweden ist bereits auf dem Weg dorthin. Doch auch in europäischen Krisenländern wie Frankreich, Spanien oder Italien ist ein Trend unübersehbar: Die Politik arbeitet daran, das Bargeld immer mehr zurück zu drängen. Noch sind die Signale in diese Richtung sehr verhalten, doch das kann sich schnell ändern.

Robert Halver von der Baader Bank hat in dieser Woche die Erwartung geäußert, im Zuge der Schuldenkrise werde das Bargeld in Europa vollständig abgeschafft. Der Grund: Nur auf diesem Wege könnten Negativzinsen dauerhaft durchgesetzt werden. Außerdem sei die Abschaffung des Bargeldes ein gigantisches Konjunkturprogramm:

„Als Folge davon werden die Bürger ihr Geld ausgeben. Das wiederum wird die Konjunktur massiv beleben. Dann bedarf es auch keiner anderen Maßnahmen, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen“.

Ein prominenter Gegner des Bargeldes ist auch Kenneth Rogoff, früherer Chefökonom des Internationalen Währungsfonds. Bargeld sei das entscheidende Hindernis, den Zentralbank-Zins weiter zu senken. Seine Beseitigung wäre eine einfache und elegante Lösung dieses Problems.

Wir hören schon den Applaus der Daueroptimisten. Wir schaffen das lästige Bargeld ab – und haben nie wieder Sorgen mit der Konjunktur. Das Paradies auf Erden!

Bevor wir in den Applaus einfallen, wollen wir einige Dinge zu denken geben.

Erstens:

Sieht man sich die drei großen Währungsräume Euro, Dollar und Yen an, dann stellt man fest, dass in keinem dieser Währungsräume Erfahrungen mit einem Bargeldverbot vorliegen. Die theoretische Erwartung, ein Bargeldverbot werde die Konjunktur befeuern ist daher genauso eine Theorie, wie die (längst widerlegte) Theorie der Notenbanken, mehr Schulden würden die Schuldenkrise lösen.

Zweitens:

Da ein Bargeldverbot der ungezügelten Geldvermehrung endgültig und dauerhaft alle Schleusen öffnet, kann nicht ausgeschlossen werden, dass dies im Verbund mit negativen Zinsen das genaue Gegenteil von dem bewirkt, was man eigentlich erreichen möchte: Um bei weiter deutlich anwachsender Geldmenge ihre (negative) Zinslast zu reduzieren, könnten Unternehmen und Privatpersonen dazu übergehen, den Geldverkehr einzuschränken anstatt ihn auszuweiten.

Drittens:

Wenn Menschen nicht mehr selbst darüber entscheiden dürfen, ob sie mit Bargeld oder mit elektronischem Geld bezahlen möchten, dann könnten sie dies als Eingriff in die persönliche Freiheit begreifen und sich dagegen wehren. Flächendeckend dürfte ein Bargeldverbot daher nur in Verbindung mit staatlichen Zwangsmaßnahmen durchzusetzen sein. Das führt uns zu der Frage: Wollen wir Freiheit oder wollen wir staatliche Repressionen?

Viertens:

Ein Bargeldverbot führt zwangsläufig dazu, dass ausnahmslos alle (!) Finanztransaktionen lückenlos überwacht werden können. Realistisch betrachtet: Sind wir tatsächlich derart von „Terroristen“ „Geldwäschern“ und „Drogenschmugglern“ bedroht, dass wir die Freiheit der Menschen auf dem Altar der Gefahrenabwehr opfern müssen? Müssen wir dafür den Preis bezahlen, dass jeder von uns zu jeder Zeit und ganz nach Belieben von der Geldversorgung abgeschnitten werden kann? „Konto gesperrt“, könnte die lapidare Nachricht lauten, sobald sich jemand nicht systemkonform verhält.

Und wer entscheidet darüber, wer sich nicht systemkonform verhält? Die Regierung etwa, ganz nach Lust und Laune?

Wer eine Weile darüber nachdenkt, dem fällt es wie Schuppen von den Augen und er erkennt: Die Abschaffung des Bargeldes ist eine Horrorvorstellung, die (vielleicht) dazu geeignet wäre, den Irrsinn, den wir uns mit unserem ungedeckten Schuldgeldsystem leisten, noch eine Weile fortzuführen.

Eine dauerhafte Lösung ist es jedoch ganz sicher nicht.

Roland Tichy schrieb dazu vor einiger Zeit:

„Erst kommt der Ruin der Staatshaushalte durch die Politik, dann kommen die Erfüllungsgehilfen in den Zentralbanken, am Ende steht das Ende der bürgerlichen Freiheiten“.

Und das sind nur einige wenige Einwände, die gegen ein Bargeldverbot sprechen. Mit einiger Überlegung lassen sich mühelos weitere Aspekte finden.

Ich persönlich glaube daher auch nicht an eine Abschaffung des Bargeldes. Allein die Diskussion darüber zeigt doch schon, wie verfahren und hoffungslos die Lage inzwischen ist.

Und je deutlicher sich die Dinge zuspitzen, schauen Sie während der kommenden Monate einfach nur nach Griechenland, desto mehr wird deutlich werden, dass es uns keinen Schritt weiter bringt, wenn wir lediglich an den Symptomen herumdoktern, anstatt die wirklichen Probleme anzugehen.

Doch hier gibt es inzwischen wirklich hoffnungsvolle Signale:

Dass die Geldsystemdiskussion allmählich Fahrt aufnimmt, das zeigt etwa die diesjährige Vergabe des Deutschen Finanzbuchpreises. Prämiert wurde das jüngste Werk der beiden Volkswirtschaftsprofessoren Hanno Beck und Aloys Prinz mit dem Titel „Die große Geldschmelze – Wie Politik und Notenbanken unser Geld ruinieren“.

Darin gehen die beiden Wissenschaftler mit der Politik der Notenbanken hart ins Gericht. Beck und Prinz kommen zu dem Schluss, dass sich Notenbanken und Politik zu Lasten der Bürger, Sparer und Steuerzahler zu einer unheiligen Allianz verbündet haben. Auf der Strecke bleibe der Wert unseres Geldes.

Bemerkenswerte Randnotiz: Gestiftet wird der mit 10.000 Euro dotierte und bereits zum fünften Mal vergebene Preis von Citigroup Global Markets und der Börse Frankfurt. Das heißt: Auch die Vertreter des Systems erkennen allmählich, wo die eigentlichen Probleme liegen. Das Bargeld gehört definitiv nicht dazu…

Andreas Hoose Antizyklischer Börsenbrief


 

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8 Kommentare auf "Wird Bargeld bald abgeschafft?"

  1. NR sagt:

    Fünftens:
    Die Bundesbank baut gerade ein großes Bargeldzentrum im Ruhrpott. Die scheinen von den Plänen zur Bargeldabschaffung jedenfalls nichts zu ahnen….

    http://www.derwesten.de/wirtschaft/die-bundesbank-baut-ihr-fort-knox-in-dortmund-id9222008.html

  2. rote_pille sagt:

    Was haben diese “Experten” und “Ökonomen” eigentlich für Bücher gelesen, während sie studiert haben? Negativzinsen können nicht dauerhaft durchgesetzt werden! Das widerspricht allen Regeln der Vernunft. Kapieren die nicht, dass man sich einfach noch mehr Gold und andere Sachwerte kaufen wird, so wie es schon heute in großem Umfang geschieht? Wenn sie die Wirtschaft wirklich kurzzeitig stimulieren wollen, müssen sie es direkt in die Realwirtschaft pumpen indem sie Staatsaufträge erteilen. Damit “befreien” sie jedoch die angehäuften Geldmassen und ermöglichen die hyperinflationäre Panik, die man zu erwarten hat wenn man die Ausweitung der Geldmenge so weit vorantreibt.

  3. cubus53 sagt:

    Der Begriff „Bargeldverbot“ ist irreführend. Im Lebensmittelladen oder an der Tankstelle kann nach wie vor damit bezahlt werden. Es geht lediglich um das Abheben von Bargeld und das Bezahlen mit Bargeld in grösseren Mengen ab z.B. 1000 Euro.

    Ich bin mir sicher, dass ein „Bargeldverbot“ kommen wird :

    1) Nur so kann ein Negativzins wirksam durchgesetzt werden.

    2) Nur so können „Rettungsaktionen“ wie auf Zypern wirksam durchgesetzt werden.

    3) Die drohenden Massnahmen 1) und 2) würden einen Bankrun auslösen und die Leute würden ihr Geld zu retten versuchen, indem sie es unters Kopfkissen legen. Damit bliebe dem Staat die genaue Vermögenslage eines jeden Bürgers verborgen. Ausserdem würde ein solcher Bankrun einen finanziellen Kollaps auslösen, denn das auf den Konten virtuell vorhandene Geld ist in Form von Scheinen gar nicht verfügbar.

    Ein „Bargeldverbot“ ist also unausweichlich.

  4. Ich denke das wäre garnicht möglich….da würde die Öffentlichkeit nicht mitmachen. LG Romy

    • cubus53 sagt:

      „Da würde die Öffentlichkeit nicht machen …. “ ?

      Die Leute haben sich in Punkto Eurorettung bis jetzt alles gefallen lassen. In Frankreich wird es bereits praktiziert und soll noch weiter verschärft werden. Irgendwelche Aufschreie habe ich bis jetzt nicht gehört. Ausserdem wird uns das Ganze als „Terrorbekämpfung“ verkauft.

      Will man den Euro retten, dann ist eine Reduktion des Handels mit Bargeld unausweichlich. Dazu ein Beispiel. Herr Draghi will 1,4 Billionen Euro in den Markt pumpen. Wollte er diesen Betrag in 100 -Euro-Scheinen bereitstellen, und gäbe es eine Maschine, die 100 solcher Scheine in einer SEKUNDE druckt, würde das über 4 Jahre lang dauern.

      Unser Geld ist also weder durch Sachwerte gedeckt, nein nicht mal durch bunt bedrucktes Papier !

      • bluestar sagt:

        „Ich denke das wäre garnicht möglich….da würde die Öffentlichkeit nicht mitmachen“
        Wer bitteschön ist in Deutschland die Öffentlichkeit ? Die Masse macht auf jeden Fall jede Sauerei mit, egal ob es ihr schadet oder nicht.
        Wo sind die Proteste gegen TTIP, Insolvenzverschleppung, Kriegspropaganda, Demokratieabbau, gleichgeschaltete Lügenpresse usw. ? Wen stören die Überwachung durch die NSA oder Milliardenkredite ( also Geschenke ) an die Ukraine, während bei uns kein Geld für Infrastruktur da ist ??? Nur eine Minderheit stört sich daran, alles Rechtspopulisten, Verschwörungstheoretiker, Abweichler und Putinversteher. Wer möchte das schon sein ?
        Nein, die Masse frisst alles, was ihr der von der Finanzoligarchie beherrschte Staat vorsetzt,
        sei es noch so schädlich, freiheitsfeindlich und verfault. Für Appetit und Verdauung sind die Massenmedien zuständig, welche hier eine ausgezeichnete Arbeit leisten.

  5. Helmut Josef Weber sagt:

    Bargeldverbot?
    Nun- ich denke, dass es die Eliten der EU-Länder härter treffen wird, denn wie sollen sie die Bestechungsgelder denn dann annehmen?
    Der „Kleine Mann“ weicht auf die Zigarettenwährung oder andere Waren aus, die am Markt leicht handelbar sind.
    Gerade Silbermünzen werden wohl inoffizielles Zahlungsmittel werden, wenn z. B. kleinere Handwerkerleistungen schwarz bezahlt werden.
    Nach dem Motto: “Wollen sie jetzt bezahlen, oder später mit MWST“, wenn ihnen dann auch noch die Minuszinsen vorher vom Konto abgezogen worden sind.
    Der Drogendealer wird vielleicht sogar in Goldmünzen rechnen und in Silber zurückwechseln.
    Der „Sport“ dem Finanzamt ein Schnippchen zu schlagen, vereint ja heute schon schlagartig bzw. ohne viele Worte, die Zahlungsart der Kunden, mit der „Rechnungsstellung“ des Handwerkers.
    „Mit oder ohne Märchensteuer“ wird dann wohl noch öfter gefragt werden, wenn die Heizung wieder läuft.
    Ich kenne das, ich war als Handwerksmeister lange genug selbständig.
    Und der Chef ist die Vertrauensperson, mit der man sofort abrechen will.
    An Tankstellen, Supermarktketten oder vergleichbare Verkaufsstellen, ist doch heute schon die Kartenzahlung sehr beliebt.
    Die Überweisungen, wie Gehalt oder Rente, kommen ja sowieso erst am 30. aufs Konto und werden dann weitergeleitet für Miete, Strom, Wasser, Telefon, Darlehen usw., usw.; da bleibt nicht viel über.
    Und wer dann sein Geld, das dann noch überbleibt, auf dem Konto lässt und nicht sofort größtenteils in handelbare Güter oder Münzen umtauscht, sondern auch noch Minuszinsen bezahlt, dem ist nicht zu helfen.
    Ich denke, dass der Schuss nach hinten losgehen wird, und die Bürger, denen nun auch noch das Ersparte enteignet werden soll, sich noch mehr darum bemühen werden, einen Handwerker zu finden, der in Gold- oder Silbermünzen oder in Handelsware zu bezahlen ist.
    Und diese Bürger werden dann noch stolzer darauf sein, wenn sie dem Finanzamt ein Schnippchen schlagen konnten.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  6. Christopher sagt:

    Es sollte endlich mal dass gemacht werden was die Mehrheit will sonst leben wir in keiner Demokratie. wählt die Linke. Achja soweit ich weis ist am G7 Gipfel eine große Demo gegen TTIP und alles schlechte :DD

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