„Wir sind hier alle verrückt“

24. März 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Der Dow hat nun schon fünf Wochen in Folge im Plus abgeschlossen. Damit liegt der Index vom Jahresanfang aus betrachtet wieder im Plus. Nun, dies ist ein Showdown, oder? Entweder wir … oder die große Masse der Investoren – einer von beiden liegt falsch…

In den nächsten Wochen werden wir herausfinden, wer.

Alles ist Unsinn

Warten Sie eine Minute…

Unser alter Freund Rob Marstrand, der bei OfWealth.com schreibt, erklärt, warum die große Masse der Investoren wenig damit zu tun hat. Offenbar haben Unternehmen nichts Besseres mit ihrem Geld zu tun, als ihre eigenen Aktien zu kaufen:

„Es ist ein schmutziges kleines Geheimnis des US-Aktienmarkts. Corporate-America zahlt mehr Geld an die Aktionäre aus als es tatsächlich Gewinne macht. Das heißt, es bleibt nichts mehr übrig, um in Wachstum zu investieren. Es bedeutet auch, dass die Schuldenstände steigen; und auch das Risiko…“

Einer Bloomberg-Analyse zufolge werden diese Unternehmen heuer 590 Milliarden Dollar in Rückkäufe stecken, wenn das Volumen des ersten Quartals beibehalten wird. Das wäre sogar mehr als beim letzten Rekord bei den Rückkäufen – das war im Jahr 2007 der Fall, kurz vor dem letzten Absturz. Einfach ausgedrückt: Unternehmen geben Rekordbargeldbeträge für Rückkäufe aus – und zwar genau zur falschen Zeit (wie üblich): „Wenn Aktien extrem teuer sind.“

Es ist eine Alice im Wunderland-Welt. Alles ist Unsinn. Die Aktien steigen. Das sollte bedeuten, dass sich Dinge für die Wirtschaft nach oben entwickeln. Das sollte bedeuten, dass Unternehmen viel Kapital zur Verfügung haben, um neue Investititonen zu tätigen – für neue Maschinen, für neue Fabriken, für neue Produkte, und für mehr Vertrieb.

Und wenn es für die Unternehmen nach oben geht, sollte es bedeuten, dass die Dinge sich auch positiv für die Mitarbeiter entwickeln. Mehr Jobs. Höhere Gehälter. Und da die Aktienkurse von Rekordhöhen nicht weit entfernt sind, nach der fünfwöchigen Klettertour, sollte es eigentlich bedeuten, dass die Dinge insgesamt nicht schlecht aussehen, oder?

Ratten!

Wir sind hier alle verrückt … Die Zeit ist die ultimative menschliche Ressource. Und das ultimative Maß dafür, wie wohlhabend eine Gesellschaft ist, wie viel Sie pro Stunde bezahlt. Hier kommt ein weiterer bedrückender Bericht für Millennials von der konservativen Website Red Alert Politik:

„Im Vergleich zum nationalen Durchschnitt, sind Sie schlechter dran als die meisten Menschen Ihres Alters in der Vergangenheit.“

Die jüngsten Millennials sind am schlimmsten dran. Im Jahr 1979 lag das Durchschnittseinkommen der 20 bis 24 Jahre alten Amerikaner um 10,1 Prozent unter dem nationalen Durchschnitt. Heute liegt es 31,5% unter dem Durchschnitt.“

Nicht, dass wir im Namen der Jungen hier jammern wollen. Sie werden ihr Jammern an der Wahlurne bemerkbar machen. Die jüngsten Wähler werden für den ältesten Kandidaten votieren: Bernie Sanders. Aber was uns heute unterhält, ist der Unsinn des gesamten Systems.

„Wir sind hier alle verrückt“, sagt die Wonderland-Cheshire-Katze … vielleicht antizipiert sie ja nur die Fed unter Janet Yellen. Eigentlich ist das ganze System nicht nur verrückt. Es ist auch korrupt und verlogen.

Warum die Zinsen nie wieder „normal“ werden…
von Bill Bonner

US-Unternehmensgewinne sind nun schon seit drei Quartalen in Folge rückläufig. Das mittlere Haushaltseinkommen in den USA ist niedriger als vor 10 Jahren. Und jetzt hat JPMorgan Chase die Risikoschätzung für eine Rezession auf etwa ein Drittel erhöht. Diese Dinge verwundern nüchterne Investoren: Ist jetzt eine gute Zeit, um mit die höchsten Bewertungen in der Geschichte des US-Aktienmarkts zu zahlen? Offensichtlich denken viele nicht darüber nach… …

Groteske Mutationen

Die US-Aktien stiegen weiter, nachdem die Fed angekündigt hatte, dass sie schonend mit Blick auf eine „Normalisierung“ der Zinsen vorgehen würde. Der Dow liegt nun seit Jahresanfang im positiven Bereich. Hurra!

Investoren – zumindest diejenigen, die den Index passiv abbilden – sind nun auf Jahressicht weder im Plus noch im Minus. Und mit mehr Zentralbank-Stützen schaffen sie es vielleicht, sich auch den Rest des Jahres 2016 gerade so über Wasser zu halten. Viel Glück dabei!

Sie können sich an unsere Vorhersage erinnern: Die Fed wird nie mehr zu einem „normalen“ Zinssatz zurückkehren. Warum nicht? Viele Wall Street-Analysten sagen, dass der Schritt der Fed, die Zinsen auf ein normales Niveau zu bringen – nach sieben Jahren ZIRP (Null-Zinspolitik) – „zu früh“ sei. Wir denken, es war zu spät. Die Fed hat den Zins viel zu lange verfälscht.

Die Geldpolitik hat ein Treibhaus der Spekulation, Fehler und Fehlallokation von Ressourcen geschaffen. Die Finanzpflanzen, die in dieser Umgebung aufwachsen – groteske Mutationen, die große Dosen von Liquidität erfordern – können einen Wechsel der Jahreszeiten nicht überleben. Aber diese Pflanzen sind groß. Und mächtig.

Washington … das Gesundheitswesen… der Immobiliensektor… Wall Street… Sie steuern die US-Regierung, die Bürokratie, und die wichtigsten Wirtschaftssektoren – insbesondere die billionenschwere Rüstungsindustrie. Was sie brauchen – was die gesamte Wirtschaft braucht – ist eine Korrektur. Überschuldung muss aus dem System gespült werden. Das ist exakt das, für was Kreditzyklen, Konkurse und Depressionen da sind.

In der „Normalität“ gibt es Korrekturen. Aber die „feds“ können es nicht geschehen lassen. Sie haben ihre Karrieren und ihre Vermögen vom Mythos abhängig gemacht, dass sie den Kreditzyklus zähmen … und schwere Rückschläge verhindern können. Sie werden jetzt nicht aufgeben und sich geschlagen geben. Sie werden nicht ihre großen Crony-Freunde oder ihre Wahlkampfspender pleite gehen lassen.

Irre Finanzwelt

Ja, die Feds haben eine irre Finanzwelt geschaffen. Sie können es nicht reparieren, weil sie es haben wollen, dass es kaputt bleibt. Was also, wenn es nicht dazu führt, dass es der typischen, normalen Familie besser geht? Darauf kommt es nicht an. Es macht die Feds und die Kumpanen im „Deep State“ reicher. Und das ist exakt das, um was es wirklich geht.

In einer normalen, gesunden Wirtschaft, arbeiten die Menschen, sparen, investieren und bauen wahren Reichtum auf. Aber der heutige Dollar ist anders. Und die Wirtschaft ist auch anders. Es hängt alles vom Kredit ab; die Wirtschaft hängt nicht wirklich von realen Ersparnissen ab. Es werden Schulden aufgebaut, nicht Reichtum.

Statt das Sparen zu fördern – das ist exakt das, was es für echten Fortschritt braucht- wird Sparsamkeit bestraft. In den vergangenen 10 Jahren haben US-Sparer fast 8 Billionen Dollar durch die Null-Zinspolitik verloren. Während Sparer bestraft wurden, wurden Kreditnehmer belohnt.

Seit 1980 hat sich die US-Wirtschaft eine Überschussverschuldung von 50 Billionen Dollar aufgeladen – das ist weit über und jenseits dessen, was die Realwirtschaft nachhaltig stemmen kann. Diese 50 Billionen kamen nicht aus ehrlicher Arbeit und Ersparnissen. Stattdessen wurden sie von Banken aus dünner Luft herbeigezaubert.

Und jetzt muss die produktive Main Street-Wirtschaft Zinsen zahlen … und die Schulden tilgen … effektiv wird wahrer Reichtum von der Realwirtschaft extrahiert und in Richtung Wall Street und anderer begünstigter Industrien umverteilt.

Der Betrug ist so elegant, dass nicht eine Person unter 1000 versteht, wie es funktioniert. Wir haben es seit Jahren studiert, und wir sind immer noch in Ehrfurcht. Aber das Ergebnis ist offensichtlich: Ehrlich arbeitende Menschen kämpfen hart, um ihren Lebensstandard wenigstens zu halten. Der wahre Reichtum geht zur Elite.

Betrügerische Politik

Die einfachen Menschen können es zwar nicht verstehen, aber sie mögen dies überhaupt nicht. Und sie zählen auf Donald J. Trump, etwas dagegen zu tun. Ach, und so gerät selbst der beste Betrug in Schwierigkeiten. Die Schuldenlast erdrückt das Leben der Realwirtschaft. Produktive Sektoren versinken im Schlamm. Produktion verschwindet. Das Geschäftsleben verlangsamt sich. Der Handel verlangsamt sich. Und selbst die Kreditaufnahme verlangsamt sich. Und bald werden die Feds dafür zahlen, dass Menschen sich Geld leihen.

Im Zuge einer sich verlangsamenden Weltwirtschaft passen sich die Zentralbanken an die Welt, die sie geschaffen haben, an. Wie? Mit immer noch verrückterer Politik. „Die Fed muss globale Risiken in Einklang bringen …“, lautet eine Schlagzeile in der Financial Times …

Die Federal Reserve hat ihre Prognosen im Hinblick auf weitere Zinserhöhungen reduziert. Und damit kommt sie immer näher an die Markterwartungen heran, die von zwei weiteren Erhöhungen um je 25 Basispunkte ausgehen. Es gebe eben Risiken für den US-Ausblick, die von globalen, finanziellen und wirtschaftlichen Entwicklungen gekennzeichnet werden.

Sehen Sie, wie es funktioniert? Die Zentralbanken zerstören die reale Wirtschaft mit billigem Geld und extraktiver Politik. Dann müssen sie ihre Politik in Einklang mit einer absackenden Wirtschaft bringen. Sie müssen abschwören, die Zinsen wieder auf normales Niveau anzuheben. Und da ihre Politik nie wirklichen Wohlstand produzieren kann, können sie nie eine Wirtschaft erschaffen, die mit normalen Zinsen leben kann.

Normal?

Vergessen Sie es.

Am Ende wird aber die „Normalität“ doch ein Comeback feiern.. Aber nicht, weil die Fed es will. Stattdessen werden sich die Märkte normalisieren – brutal – über den Leichnahm der Fed hinweggehend … das ist die Art, wie wir es haben wollen.

Quelle: Kapitalschutz Akte
Wir sind hier alle verrückt  (von Bill Bonner)
Warum die Zinsen nie wieder „normal“ werden (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

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Ein Kommentar auf "„Wir sind hier alle verrückt“"

  1. Skyjumper sagt:

    Menno. Es ist kurz vor Ostern. Da will ich meine eigenen düsteren Zukunftsprognosen nicht auch noch bestätigt lesen. Da kauf ich mir lieber eine Zeitung aus Papier und lasse mich beim Lesen mit Milch und Honig übergiessen.
    „Nimmst du die rote oder die blaue Pille?“ Manchmal habe ich das Gefühl die blaue hätte auch was für sich. Steht schließlich schon in der Bibel. „Seelig sind die geistig armen, den ihnen ist das Himmelreich“. In diesem Sinne – Amen.

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