pOPELige Milliarden

9. Juni 2009 | Kategorie: Kommentare

Nun ist er wieder fort, Heiland Obama. Ob er übers Wasser gehen konnte, wissen wir immer noch nicht, aber die Spekulationen darüber reißen nicht ab, solange jedenfalls sein Teleprompter funktioniert. Obama ist weg, und die Alltäglichkeiten des Lebens kehren zurück. Man sich jetzt wieder ausgiebig über Opel, General Motors und Arcandor unterhalten…

Nun ist er wieder fort, Heiland Obama. Ob er übers Wasser gehen konnte, wissen wir immer noch nicht, aber die Spekulationen darüber reißen nicht ab, solange jedenfalls sein Teleprompter funktioniert. Obama ist weg, und die Alltäglichkeiten des Lebens kehren zurück. Man sich jetzt wieder ausgiebig über Opel, General Motors und Arcandor unterhalten…

Gibt es ein Leben nach Arcandor?

Oh! Schwierige Frage. Dort, wo Karstadt in den letzten Jahren das soziale Zentrum manch einer Stadt geworden ist, scheint die Befürchtung der Bürgermeister berechtigt zu sein. Wo kauft man künftig ein? Wo ratscht man über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens? Vor welchem Eingang übernachten in der kalten Jahreszeit die Obdachlosen? Wir sind Karstadt. Nein Herr Eick, diese Idee hatte ich. Ich sollte sie schützen lassen, muss mich aber dazu beeilen. In wenigen Tagen soll angeblich Schluss sein. Deutschland als karstadtfreie Zone? Und das mitten im Wahlkampf. Der Konzern zahlt jetzt schon keine Mieten mehr.

Man darf sich fragen, welche Rolle Herr Eick bei Arcandor spielt. Seit er seinen warmen Sessel als Finanzchef der Telekom mit dem von Arcandor getauscht hat, wickelt er eigentlich nur noch ab. Mit seinen gute Kontakten nach Berlin hat er vielleicht gute Chancen auf staatliche Hilfe. Ist er Abwickler? Geldbeschaffer? Marionette? Nachdem wir erfahren haben, das Thomas Middelhoff das Unternehmen „fast besenrein“ übergeben hat, ergab eine zweite Prüfung, dass Arcandor vollkommen verschmutzt war. Und auch an der Börse diskutiert man über Schmutz, der mit Middelhoff`schen Besen bewegt worden sein könnte. Sicherlich ist es an der Grenze der Böswilligkeit auch noch zu vermuten, dass persönliche Interessen eine Rolle gespielt haben könnten.

Arcandor hat damals unter Middelhoff und mitten in der Not seine Immobilien für 4,5 Mrd. Euro an Highstreet verkauft. Dahinter stecken zu 51% Whitehall (Goldman Sachs) und PREEF (Konsortium um die Deutsche Bank). Die Mietverträge haben eine Laufzeit von 15 Jahren. Kostenpunkt: 280 Mio. Euro jährlich. Zudem zahlt Arcandor jährlich 42,6 Mio. Euro für fünf Standorte, die Eigentum eines vom Bankhaus Sal. Oppenheim aufgelegten Fond sind. Einer der größten Fonds-Zeichner ist Thomas Middelhoff selbst.

Am Warenhaus in Potsdam haben er und sein Frau zusammen sogar gut 23 Prozent gezeichnet! Während Middelhoff den Karstadt-Mitarbeitern schon in seiner Amtszeit erhebliche Beiträge zur Sanierung des Konzerns abverlangt hatte, blieben die Mieten bislang unangetastet. (Quelle )

pOPELige Milliarden

Erinnern Sie sich, als Opel damals nach läppische 500 Millionen Euro Hilfe bettelte? Man gab sie dem Autobauer nicht. Dafür steht der Staat nur mit rund 17 Milliarden gerade. Ja, es ist Wahlkampf, und einer der teuersten dazu. General Motors bekommt jetzt auch noch 6,5 Milliarden Euro für Lizenzen und ein paar weitere Milliarden für Pensionsfonds. Und… und… und…. Da war die „versehentliche“ Forderung, 334 Mio. Euro ins Steuerparadies Cayman Islands zu überweisen, wie eine Bitte um eine warme Brotsuppe. Es schlägt dem Fass den Boden aus. Welchen Boden eigentlich? Da gibt es keinen mehr.

Schnell mal 35 Milliarden…

Übrigens hat die Staatsanwaltschaft jetzt festgestellt, dass es sich bei der Hypo Fake Estate nicht um Konkursverschleppung handelte. Hatten Sie etwa daran gezweifelt? Nicht doch! Sicherlich war es nur Zufall, dass die Unterschrift unter die erste Garantie in Höhe von 35 Mrd. Euro nach fünf Jahren und wenigen Stunden geschah, und das ungeprüft, wie der Spiegel berichtet. Sicherlich ist es auch Zufall, dass das Problem bei der HRE genau nach fünf Jahren und wenigen Stunden nach oben kochte. Nach fünf Jahren waren die Altaktionäre (HVB) aus der Haftung und wir mittendrin statt nur dabei. Beim Bezahlen von Steuern muss ich oft an BaFin-Chef Jochen Sanio denken, der die HRE „Drecksbank“ nannte.

Wenn der Postmann nicht mehr klingelt

Die Deutsche Post will in den nächsten Jahren 5000 Mitarbeiter dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen und montags nur noch die Hälfte der Briefträger rausschicken. Wo war der Aufschrei? Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte, dass jeder Stein umgedreht werde. Hoffentlich findet man dabei keine Angestellten. Außerdem bestätigte man, dass es keinerlei Einschränkung der Qualität geben werde. Wie tröstlich. Dort wo ich in Frankfurt wohne, kann man heute locker bis 15 Uhr ausschlafen, ohne dass der Postmann klingelnd Zutritt zum Briefkasten wünscht.

Die Erde ist eine Scheibe

Der Witz des Tages ist allerdings der US-Arbeitsmarktbericht. Während die Analysten davon ausgingen, dass 525.000 Leute auf die Straße geworfen werden und damit die Arbeitslosenquote auf 9,2% steigt, haben nur 345.000 Leute den blauen Brief bekommen, die Quote stieg aber auf 9,4 Prozent. Die Bundesanstalt für Arbeit in Deutschland, die von Zynikern auch Wahrheitsministerium genannt wird und wo offenbar auch Harry Potter seinen Dienst schiebt, kennt sich mit statistischen Kniffen offenbar bestens aus. Panorama hat sich die Zahlen mal etwas genauer angeschaut mit dem Ergebnis, dass arbeitsmarktpolitische Mogelpackungen vor allem vor einer Bundestagswahl immer Hochkonjunktur haben.

Naja. Und an diesen offiziellen Daten orientieren sich die Experten. Statistik ist mit Stellschrauben regelrecht verseucht, was dann zwangsläufig zu falschen Ergebnissen führen muss. Die Summe aus Wachstum + Teuerung + Stimmung + Arbeitsmarkt kann nur Unsinn ergeben. Das ist aber nebensächlich, Hauptsache man hat eine Orientierung und präsentiert Sachverstand, auch wenn man die Sache in kleinster Weise verstanden hat. Solange niemand Anstoß daran nimmt, bleibt die Welt eben flach, die Erde eine Scheibe und wir sind alle glücklich.

Das Überraschungsei der letzten Woche

…geht diesmal an unsere Kanzlerin. Sie hat sich mit der EZB und der FED gleichzeitig angelegt. Sie monierte das „Quantitative easing“, also das Drucken von Geld durch die Notenbanken, mit dem Anleihen aufgekauft werden, um so die Zinsen unten zu halten. Nebenbei finanzieren sie auch die Notprogramme der Regierungen. In der Sache hat unsere Kanzlerin recht und mutig ist es auch, sich mit den oberen Geldschöpfern anzulegen. Doch es gibt da dieses Sprichwort: Beiße nicht in die Hand, die Dich füttert.

Schönes Wochenende noch!
Ich probiere gerade mal Twitter aus
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