Wir fressen uns zu Tode…

12. Juni 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

„Der kräftigste Penis und die kräftigsten Zähne werden durch den Tod entmachtet.“ So lautet ein afrikanisches Sprichwort. Wer sein Gebiss und alles drumherum noch etwas länger behalten möchte, der könnte einmal hier reinschauen…

In den Sommermonaten Juni, Juli und August tut sich an der Börse meist nicht allzu viel. Wirklich interessant wird es erst wieder im September. Doch bis dahin ist noch viel Zeit. Anstatt den Sommer vor dem Bildschirm zu verbringen, und sich über die zahlreichen Fehlsignale zu ärgern, könnte man die Zeit also auch einmal für andere Dinge nutzen.

In dieser Woche war dazu eine gute Gelegenheit: Im Bayerischen Fernsehen wurde der oscarnominierte Dokumentarfilm „Food Inc.“ ausgestrahlt. Der Film zeigt, was im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte aus unserer so genannten „Ernährung“ geworden ist.

Überspitzt formuliert könnte man es so sagen: Einigermaßen schonungslos führen uns die Autoren vor Augen, welchen Müll wir essen und wie wir diesen Müll herstellen. Branchenvertreter werden uns das so freilich niemals sagen: Ein ganzer Industriezweig lebt davon, dass diese Tatsachen im Dunkeln bleiben. Oder wie es in der deutschen Übersetzung des Beitrags heißt:

„Wir sollen die Wahrheit über das, was wir essen, nicht kennen. Vielleicht würden wir es sonst nicht mehr essen wollen.“ Das ist Erkenntnis des investigativen US-Journalisten Eric Schlosser, der an dem Beitrag maßgeblich mitgewirkt hat.

Bild Food JPG

Meiner persönlichen Einschätzung nach ist die Dokumentation außerordentlich wertvoll, weil sie deutlich macht, dass eine Reform unseres Wirtschaftssystems überfällig ist – und weil offensichtlich wird, dass diese Reform nur dann Erfolg haben kann, wenn sie weit über den Finanzsektor hinausgeht.

Außerordentlich erhellend ist der Beitrag übrigens mit Blick auf das Freihandelsabkommen TTIP.

Hier finden Sie die vollständige englischsprachige Version.

Bei Youtube ist die deutsche Übersetzung der Dokumentation in sieben Teilen verfügbar.

Mein persönliches Fazit:

Viele von uns werden sich diebisch freuen, wenn es im Restaurant oder beim Lebensmitteleinkauf im Supermarkt wieder mal so richtig schön „billig“ war. Leider gibt es im Leben selten etwas umsonst. So ist das auch hier.

Die wahren Kosten unserer minderwertigen Nahrung werden uns erst später präsentiert: Weil uns unser Essen krank macht, sind wir gezwungen, das bei den Lebensmitteln eingesparte Geld später der Pharmaindustrie in den Rachen zu werfen.

Wem das völlig verrückt vorkommt, der könnte Recht haben…

Mit der Börse hat der Film übrigens weitaus mehr zu tun als es auf den ersten Blick erscheint: Wer den Beitrag gesehen hat, der wird sich künftig zweimal überlegen, ob er sich Aktien von Konzernen wie Monsanto, McDonalds oder Nestlé künftig noch einmal ins Depot legen wird…

Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief


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5 Kommentare auf "Wir fressen uns zu Tode…"

  1. Dominik sagt:

    Das Problem ist aber leider auch, dass nicht jeder sich das teurere Essen noch leisten kann. Sowohl Studenten, die nur nebenher arbeiten können (wie ich), Hartz 4 Empfänger, Rentner, ggf. Alleinerziehende.

    Ich hab die Doku auch gesehen und finde sie super, aber einfach zu sagen: „kauft das teurere Biozeug“ ist zu einfach. Denn das Biozeug ist oft deutlich teurer.

    Zumal auch die Wegwerf-Kultur, gerade bei Essen, ziemlich ekelhaft ist. Laut Statistiken könnte man die ganze Erde mit dem, was produziert wird, ernähren – aber vieles wird weggeworfen, oft weil es gerade einen Tag abgelaufen ist. Und jeder weiß, dass diese Ablaufdaten oft ziemlich daneben sind – je nachdem kann man vieles davon noch Tage oder gar Wochen später essen, wenn es richtig gelagert wird. Kommt natürlich auf das Produkt an sich an. Wobei auch hier wieder Konservierungsstoffe verwendet werden, die nicht unbedingt immer gesund sind. Frankreich hat ja gerade ein Verbot für das wegwerfen von Essen beschlossen.

    Es gibt auch, gerade zur aktuellen Lage in Kalifornien, eine gute Doku über Wasser. Die Doku heißt „Abgefüllt“. Was man dort sieht, ist auch ziemlich erschreckend – das Nestle eine der bösen Firmen ist, dürfte wohl mittlerweile vielen bekannt sein.

  2. Geldböller sagt:

    „Wer den Beitrag gesehen hat, der wird sich künftig zweimal überlegen, ob er sich Aktien von Konzernen wie Monsanto, McDonalds oder Nestlé künftig noch einmal ins Depot legen wird…“

    Die Gier der meisten Aktionäre ist so unermesslich, das wäre denen egal. Hauptsache Profit.

  3. busybus sagt:

    Die deutsche Playlist wird nur ohne den letzten Teil ausgeführt. War im vorherigen schon von Urheberrechten die Rede, um die in Groß-gegen-Klein-Kriegen gerungen wird, so werden diese dem Betrachter hier noch an einer anderen Front erlebbar. Diese wird durchlässig mit http://www.vpnbook.com/ (Video-Ladezeit erforderlich).

  4. palina sagt:

    das beste Motorenöl fürs Auto und die schönsten Felgen. Da wird investiert. Aber für das wertvollste Gut was wir haben, die Gesundheit, kann es gar nicht billig genug sein. Jeder zählt die Kalorien, aber keiner die Schadstoffe, die diese Füllstoffe enthalten. Wir müssen die Bauern unterstützen, die sich darum bemühen die Böden naturgemäß zu bearbeiten und die Tiere naturgemäß aufwachsen zu lassen. Das EU Bio Siegel kann man eher als Bio light betrachten. Leider hat es auch Einzug in die Bio Läden gefunden. Regionale und saisionale Produkte sollten auf der Einkaufsliste stehen. Ich kaufe schon seit 40 Jahren bewusst ein. Leider verschwanden die letzten Jahre immer mehr Kleinbauern. Stelle auch fest, dass es immer schwieriger wird richtig gute Produkte zu erhalten. Mit Wasser ist es das Gleiche. Es gibt viele Bauern, die sich zu einer solidarischen Landwirtschaft zusammen geschlossen haben. Das untersütze ich natürlich und beziehe auch da meine Lebensmittel.
    Wie das Verhalten der „Gebraucher“ ist zeigt dieses schöne Beispiel
    https://www.youtube.com/watch?v=pgCD-4Q-4Wo
    Ja, es ist viel Arbeit sich zu informieren. Lohnt sich aber, da es unsere Erde, die Menschen und die Tiere betrifft.
    Ein sonniges Wochenende

  5. Cource sagt:

    Zu spät zu spät wir sind alle schon den Pakt mit dem Teufel eingegangen – das Bewusstsein hat schon lange die Kontrolle über unsere fressgwohnheiten verloren – nur die wenigen Asketen, die in der Lage sind von ausschließlich Veganer Rohkost ( stellt uns die Natur kostenlos und ohne Anbau zur Verfügung ) zu leben haben eine Chance ohne Krankheiten ihr Leben zu genießen

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