Willkommen im Geldsozialismus…

15. Januar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Über Bundespräsidenten darf man aus strafrechtlichen Gründen keine Witze machen. Kein Witz! Das Beschädigen des Amts übernimmt der Chef selbst. Da schaue ich doch mal zur EZB. Kennen Sie den…?

Die EZB hat neulich Banken rund 500 Milliarden Euro für drei Jahre und ein Prozent Zins verliehen. „Kauft Euch was Schönes! stand auf der Grußkarte. Jetzt fielen sie über spanische und italienische Anleihen her. Sie waren so gierig, dass ihre Nachfrage die Zinsen sinken ließ. Vertrauen ist zurück! Ende der Eurokrise! Basta!

Von den 500 Milliarden bleibt bestimmt auch etwas beim DAX hängen, sagen Händler. Seit der spendablen Aktion der EZB am 21. Dezember stieg er um sieben Prozent. Noch stärker stiegen die Kurse der europäischen  Anleihen. Und das war Absicht, stützt es gleichzeitig Banken, die diese Papiere in Billionenhöhe in ihren Büchern halten. Mit der Aussicht auf dauerhaft niedrige Zinsen und einer Rundumversorgung mit frischem Geld spielt für den DAX eine drohende Rezession keine Rolle mehr.

Bundesanleihen sind unterdessen so ausgelutscht wie Omas Zähne. Sie werfen weniger ab als die offizielle Inflationsrate aus der Statistikabteilung für Gutbeterei. Eine Börsenweisheit sagt, wenn es mehr Idioten als Anleihen gibt, ist Vorsicht geboten, besonders, wenn beide Kennzahlen gerade Rekordwerte. Investoren leihen Deutschland Geld ohne Rendite und zahlen eine Gebühr, um das tun zu dürfen.

Kreditgeschenke der EZB zu einem Prozent werden Spaniern und Italienern zu vier Prozent verliehen. Sollte etwas schief gehen, rufen sie in Frankfurt an. Die Banken haben jetzt Planungssicherheit, ein Begriff aus dem Geldsozialismus. Immer bereit!

Über die EZB darf man noch Witze machen, sorgt sie doch selbst mit Geldwitz für Heiterkeit. Ihr Chef Mario Drahgi kennt sich aus, ist er doch Italiener und arbeitete bei Goldman Sachs. Werde ich dafür bestraft? Ich neige zu Selbstjustiz und verurteile mich deshalb selbst zur Flucht aus diesem Kettenbrief der Schulden. Wahrscheinlich bin ich nicht allein, denn die Zahl der Aktionäre steigt wieder. Und Gold steigt auch. Kein Witz!
©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten


 

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15 Kommentare auf "Willkommen im Geldsozialismus…"

  1. Reiner Vogels sagt:

    Das Wort „Geldsozialismus“ gefällt mir. Sozialismus ist ja der Glaube daran, dass alles Gute vom Staat kommt. Wunderbare Zeiten stehen uns bevor:

    Dank Draghi kommt von jetzt ab unser Geld in immer größerem Maße vom Staat. Die EZB ist dabei lediglich die technische Produktionsanstalt für Geld. Wegen lästiger juristischer Probleme muss die EZB leider noch den Weg über die Banken gehen, das heißt diese mit Geld überschütten, so dass sie es dann in Gestalt von Staatsanleihekäufen beim Staat abliefern können. Das ist leider noch so. Daher bleibt etwas von diesem Geld an den Händen der Banker kleben. Anf der anderen Seite hat das auch ein Gutes: Das verlockt die Dummköpfe der Occupy-Bewegung, gegen die „Bankster“ zu demonstrieren, so dass die EZB und die Regierung nicht in die Schusslinie kommen.

    Vielleicht aber fällt den Juristen der EU noch ein Trick ein, wie man die lästigen juristischen Probleme umgehen und gleich die Staaten mit Geld beliefern kann. Vielleicht ist der Zeitpunkt gekommen, wenn die Occupy-Demonstrationen abflauen?

    Was aber macht der Staat mit dem Geld? Er gibt es aus nach seinem Gutdünken, oder auch nach Gutsherrenart.

    Jeder, der clever sein will, sollte sich diesen Mechanismus einprägen: Er sollte sehen, selbst auch an die Futtertröge des Staates zu kommen, damit er von seinen größzügigen Gaben etwas abbekommt. Nützliche Tugenden dabei sind: Immer auf die Generallinie
    der Parte(en) – noch formaljuristisch Plural, bald vielleicht auch de jure Singular – achten und untertänigst Gehorsam signalisieren.

    Das ist doch viel einfacher und viel profitabler als ehrliche Arbeit! Autos und Maschinen bauen, Straßen pflastern, den Acker bestellen, Kranke pflegen … – das alles sind Tätigkeiten, mit denen man bisher sein Geld verdienen konnte. Sinnvolle und achtenswerte Tätigkeiten waren und sind es. Sie haben nur den einen Nachteil: Sie sind mühsam und erfordern Disziplin, Fleiß und Engagement. Viel leichter ist es da doch, seinen Bauch mit Staatsknete zu füllen. Auf, auf, an die Tränke! Ehrliche Arbeit war gestern. Heute ist Staatsknete angesagt. Herrliche Zeiten sind das!

  2. samy sagt:

    Die Aktivisten der Occupy Belle Vue Bewegung werden jetzt mit rabattierten Jacken von Jack Wulffskin unterstützt, an Ihnen Perlen Vorwürfe ab, wie Schmutz an einer Lotusblüte.

    Kein Witz!

    🙂

  3. samy sagt:

    Danke, gut kopiert ist besser als schlecht innoviert. 🙂

    Die Wortschöfungen „occupy Belle vue“ und „Jack Wulffskin“ stammen aus zwei veschiedenen Artikeln aus dem Netz und sind nicht von mir, richtig erkannt.

    VG

    Samy

  4. ACHIM sagt:

    Man kann es auch „Geld einsammeln“ nennen:
    http://hgcn.de/pdf/Geld_einsammeln.pdf

  5. Avantgarde sagt:

    Einer kleinen Ergänzung bedürfte der Artikel allerdings noch wie ich finde.

    13.01.12
    „Die Spannungen im europäischen Bankensektor bleiben trotz einer spürbaren Verbesserung am europäischen Anleihenmarkt aussergewöhnlich hoch. Dies zeigen die kurzfristigen Einlagen der Geschäftsbanken bei der Europäischen Zentralbank (EZB), die zum Wochenschluss einen neuen Rekordwert erreichten.

    Die eintägigen Einlagen stiegen auf 489.9 Mrd. Euro gestiegen, wie die EZB mitteilte. Zuletzt hatten die Einlagen am Mittwoch einen Rekord bei 485.9 Mrd. Euro erreicht. In den Tagen zuvor waren sie von einem Rekord zum nächsten geeilt. Die eintägigen Ausleihungen der Banken bei der Notenbank betrugen zuletzt rund 1.5 Mrd. Euro…..“
    http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/bankeinlagen_bei_ezb_steigen_abermals_auf_rekord_1.14313693.html

    Ganz so einfach ist es denn halt doch nicht.

  6. wolfswurt sagt:

    Geldsozialismus?

    Also im Sozialismus bekommt der Bürger sein Geld vom Staat und im Kapitalismus gibt der Bürger sein Geld dem Staat.

    Ist doch einfach, oder?

  7. vegaman sagt:

    Hallo Herr Meyer,

    Sie nennen es Geldsozialismus, ich nenne es unbedingtes Grundeinkommen für eine Kaste.

    Wie auch immer, es mag rechtens sein, aber es ist nicht recht.

    Beste Grüße

    vegaman

  8. FDominicus sagt:

    Pleite Staaten legen Anleihen auf die von Pleite Banken gekauft werden um dann als Sicherheit bei den Zentralbanken zu landen um dann neues Geld zu bekommen um Pleite Anleihen zu kaufen die dann wieder als Sicherheit ….

    Wenn es nur russische Puppen wären, hier handelt es sich um ein Schulden Perpetuum mobile.

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