Willkommen im Blasen-Land!

14. März 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Die Märkte sind ruhig. Die US-Aktienmärkte sind immer noch in der Nähe der Allzeithochs. Gold nähert sich seinem 52-Wochen-Tief. „Was denkst du?“ – das war die Frage eines Interviewers, der uns jüngst telefonisch erreichte.

„Die Bank of America prognostiziert einen großen Bärenmarkt in der zweiten Hälfte des Jahres. Sollten sich Investoren Sorgen machen?“

„Natürlich sollten sie sich Sorgen machen“, antworteten wir. „Aber sie sollten auf keinen Fall bis Ende Juni warten. Sie sollten sich jetzt Sorgen machen. „

Ferner sagten wir dem Interviewer:

„Die Märkte funktionieren nicht nach einem Zeitplan. Sie gehen rauf. Sie gehen runter. Wenn sie in der Nähe der Rekordhochs sind, ist die beste Wette die, dass sie in naher Zukunft niedriger sein werden. Wenn sie in der Nähe von Rekordtiefs sind, ist die beste Wette, dass sie bald noch niedriger sein werden.“

„Die Feds haben in den letzten 30 Jahren massiv Kredite in die Märkte gedrückt. Wenn wir aber immer mehr davon bekommen, ist es wie bei einem Kerl mit einem Alkoholproblem. Die Märkte fangen dann irgendwann zu schwanken an. Sie werden unprognostizierbar, volatil und unzuverlässig.“

„In den letzten drei Jahrzehnten haben wir dreimal die Bewertungshöhen von 1929 gesehen. Das erste mal war es im Jahr 1999 mit der „dot-com-Blase“. Das zweite mal war es im Jahr 2007 mit der Finanz- und Immobilienblase.

Vielschichtige Blase

Jetzt haben wir eine andere Blase – über mehrere Sektoren verteilt: Studentenkredite, Autokredite, Teilbereiche des Immobilienmarkts (es sind schon wieder 100 Millionen Dollar Spekualtionshäuser am Markt) und Tech-Aktien.

„Genau wie 1999 sehen wir eine weitere Tech-Blase. Mit vier führenden Aktien – den sog. FANGs (Facebook, Amazon, Netflix und Google), die ein Volumen von mehr als 1,5 Billionen Dollar an Marktkapitalisierung erreicht haben. Diese Bewertungen ergeben nur in einer Blase „Sinn“. Die Unternehmensgewinne rechtfertigen dieses Niveau jetzt und auch künftig nicht.

„Und jetzt kommt`s – diese Aktien stellten die Hälfte des gesamten Gewinns der US-Börse im vergangenen Jahr dar.“

„Ja, wir sind wieder im Blasen-Land angekommen. Und Blasen sind immer auf der Suche nach einer Nadel.“

„In den nächsten Wochen wird es viele Nadeln geben.“

„Zuerst wird es um die Erhöhung der Schuldenobergrenze gehen. Dann werden wir einen heftigen und bösen Streit über die medizinische Versorgung in den USA sehen. Die republikanische Mehrheit wird wahrscheinlich dank der tiefen Widersprüche zwischen Trump, den Konservativen und den eingefleischten Parteifunktionären in Einzelteile zerfallen.“

„Dann steht auch die Zinserhöhung der Fed an. Und die Steuersenkungen – die die Wirtschaft befeuern sollten – werden höchstwahrscheinlich durch Partisanen-Sumpfkämpfe und ein explodierendes Defizit ausgelöscht werden.

„Hey, ich dachte, Trump’s erster Auftrag sei gewesen, den Sumpf zu entwässern“, kam die Folgefrage. „Was ist damit passiert?“

„Das wird nicht passieren“, antworteten wir. „Das ist nur dann mach- und schaffbar, wenn du die ganze Nation hinter dir versammeln kannst. Und zwar gleich am Anfang der Amtszeit.“

„Du musst dabei extrem schnell sein, die Insider außen vor lassen und direkt mit den Leuten über Dinge sprechen, die wirklich wichtig sind. Am besten macht man so etwas in einer Fernsehansprache an die ganze Nation. In etwa so ähnlich wie de Gaulle das im Jahr 1961 bei seiner legendären Fernsehansprache machte.“

„In Algerien begann damals ein Putsch initiiert durch ein Quartett von pensionierten Generälen. De Gaulle bekam Wind davon, zog seine Uniform an (er war schon weit über 70 und seit vielen Jahren nicht mehr im Militärdienst) und hielt eine vom Fernsehen übertragene Rede an die Nation.“

„Er erklärte die Bedrohung … appellierte an die Franzosen, ihm zu helfen, die République zu schützen … und die Verräter wurden verhaftet. Der Putsch war vorbei.“

„Team Trump hätte im Januar oder Februar ähnlich agieren müssen. Aber die Gelegenheit für echte Veränderungen wurde mit dummen Tweets verschwendet. Folglich ist es auch kaum anzunehmen, dass sie wirklich eine derartig massive Veränderung im Visier hatten.“

QE4 wird kommen

„Also, nach all dem, wird folgendes passieren. Früher oder später – in der ersten oder der zweiten Jahreshälfte – wird eine dieser Nadeln auf die Blase treffen. Zum dritten Mal in diesem Jahrhundert wird die Börse einstürzen. Und zwar schwer. Jetzt wird es schlimmer kommen, als es vorher war, weil die Wirtschaft viel schwächer ist und es viel mehr Schulden gibt.

„Das BIP-Wachstum, zum Beispiel, liegt aktuell nicht einmal bei der Hälfte des Niveaus vor dem Absturz von 2000. Die Staatsschulden haben sich verdreifacht. Die 10-jährige US-Staatsanleihe rentierte damals mit mehr mehr als 6%. Jetzt haben sich die Unternehmen an ein Niveau von weniger als ein Prozent gewöhnt.“

„Die Unternehmensgewinne wuchsen damals um über 7%. Jetzt fallen sie.“

„Diese nächste Krise weist also alle Merkmale eines „Prachtexemplars“ aus. Wir könnten live erleben, wie die Renditen der US-Staatsanleihen negativ werden, weil die Menchen in diesen vermeintlich sicheren Hafen fliehen wollen.Und wir werden sehen, wie sich die Aktienkurse vom heutigen Niveau aus halbieren.“

„Und wir wissen auch, was die Feds dann machen werden. Sie kommen mit QE4 und ein paar anderen Maßnahmen daher, um den Markt wieder nach oben zu treiben.“
Quelle: Kapitalschutz-Akte
Weitere Informationen: Investor Verlag

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