Willkommen im 9. Jahr der Wirtschafts- und Finanzkrise!

3. Januar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Speziell ihrer europäischen Spielart, die nach dem milliardenschweren Geplänkel um Banken wie IKB, Bayern- und SachsenLB, WestLB, Hypo Real Estate und Commerzbank in den Jahren 2007 bis 2009 sowie nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers und nach dem Merkel-Steinbrück-Versprechen zur Sicherheit von Bankeinlagen 2008 erst 2010 mit der Eurokrise aus Anlass des Griechenland-Debakels ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte.

Vorläufig, weil die Eurozone im neuen Jahr vor einer Zerreißprobe steht. Dafür dürfte wieder Griechenland ausschlaggebend sein, denn dort wird am 25. Januar erneut gewählt. Die vergangenen Wahlen haben allesamt nichts Entscheidendes gebracht, dagegen könnte die kommende einen Knalleffekt auslösen.

Was hat man sich darunter vorzustellen? Die Antwort mit verschiedenen Möglichkeiten zur Auswahl gab EZB-Chef Mario Draghi just während der vergangenen Tage in einigen Interviews. So warnte er vor dem Zusammenbruch der Eurozone, betonte indes auch, sie werde nicht auseinanderbrechen – ohne zu sagen, für welchen Zeitraum seine Aussage gelten sollte. Einen Plan B lehnte er ab, folglich müssten wir mit dem Kauf von Staatsanleihen durch die EZB rechnen. Nebenbei würden zum wiederholten Mal die noch reichlich vorhandenen maroden Banken gerettet.

Gburek_Online_-_2014-03-14_22.19.28Draghi ermahnt die Euroländer zu mehr Reformen, gibt jedoch zu, die EZB könne wohl kaum eingreifen, falls es damit vereinzelt nicht so recht klappen sollte. Er schwärmt von einem einheitlichen Euro-Kapitalmarkt, ja er sehnt eine Kapitalmarkt-Union herbei. Und um den Ernst seiner Worte zu betonen, deutet er eine neue Zusammensetzung der EZB-Maßnahmen an, damit er auf sinkende Inflationsraten besser als bisher reagieren kann.

Draghi unterstreicht zwar, der Kauf von Staatsanleihen gehöre dazu, und das sogar im Rahmen des EZB-Mandats, aber an eine Staatsfinanzierung sei dabei nicht gedacht – wahrlich die Quadratur des Kreises. Oder positiv interpretiert: die hohe Schule der Gelddiplomatie, wenngleich behaftet mit dem Makel, dass der Euro schon am ersten Tag des neuen Jahres gegen andere Währungen heftig an Wert verloren hat.

Derweil plündern die Griechen ihre Konten, weil sie weder der EZB noch ihrer eigenen Regierung trauen. In Umfragen zum Wahltag am 25. Januar liegt aktuell das Linksbündnis von Alexis Tsipras vorn. Dessen populistische Forderung läuft auf Neuverhandlungen der griechischen Reformen und auf einen Schuldenschnitt hinaus. Dabei soll Deutschland einen erheblichen Teil der Lasten tragen – unter anderem als Wiedergutmachung für den Zweiten Weltkrieg.

Österreichische Schule für Anleger: Austrian Investing zwischen Inflation und Deflation

Um eine Targo-Bank-Werbung abzuwandeln: So geht Politik heute. Wer es nicht wahrhaben will, braucht nur bis Mitte Dezember zurückzublicken. Damals verlängerte der Bundestag mit den Stimmen der Großen Koalition im Handumdrehen ein bis Ende Februar geltendes Hilfsprogramm für Griechenland. Damit sollten die Griechen Zeit erhalten, um allen Auflagen zur Auszahlung einer Kreditrate gerecht zu werden – ein Tropfen auf den heißen Stein. Oder: So gehen GroKo-Geschenke heute.

Bei all diesen Überlegungen fehlt der Hinweis auf den möglichen Grexit, also den – besonders von einigen angelsächsischen Spekulanten herbeigesehnten – Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Warum ist es zuletzt um ihn eher still geworden? Weil er ein heißes Eisen ist: Würden nach den Griechen etwa auch Portugiesen oder Italiener die Flucht aus dem Euro ergreifen, könnte es zu einer Fluchtwelle mit unabsehbaren Folgen kommen. Damit wäre die Eskalation der 2007 begonnenen Krise perfekt.

Aber ist der Grexit wirklich so unwahrscheinlich, wie offiziell getan wird? Nein! Inzwischen gibt es nämlich politische Strömungen, die sich gegen die Bevormundung durch die Euro-Bürokratie und speziell durch die EZB mit ihren schier endlosen Rettungsversuchen zugunsten Griechenlands und weiterer Euroländer richten. Die Initialzündung kam von der Europawahl im vergangenen Mai, außerdem entlud sich der Protest in einer Initiative vor dem Bundesverfassungsgericht.

Aus deutscher Sicht geht es letztlich darum, ob wir unser Grundgesetz für einen Staat namens Europa opfern. Der existiert jedoch nur in den Wunschvorstellungen einiger Wirrköpfe, die nicht einmal in der Lage sind, eine funktionierende Währungsunion auf die Beine zu stellen. Dieses Problem wird uns 2015 stark beschäftigen, sodass Turbulenzen an den Kapitalmärkten programmiert sind. Genaugenommen haben sie schon an diesem Freitag begonnen. Halten Sie sich also finanziell mit einem Großteil Liquidität bereit, um im Jahresverlauf Schnäppchenjagd auf gefallene Aktien zu machen. Es wird sich lohnen. Ich werde mich bei passender Gelegenheit zum Timing äußern.

Manfred Gburek – Homepage




 

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2 Kommentare auf "Willkommen im 9. Jahr der Wirtschafts- und Finanzkrise!"

  1. samy sagt:

    Moin,

    „Aus deutscher Sicht geht es letztlich darum, ob wir unser Grundgesetz für einen Staat namens Europa opfern. Der existiert jedoch nur in den Wunschvorstellungen einiger Wirrköpfe, die nicht einmal in der Lage sind, eine funktionierende Währungsunion auf die Beine zu stellen.“

    Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen. Für die Zitatekiste 🙂 .

    Soviel zu einer Friedenswährung, die dazu führt, dass sich die Völker wieder die Gespenster des WK II um die Ohren hauen. Das gab es beim Drachme nicht.

    Den Griechen möchte man raten: „Schaltet die Geräte ab. Lasst den Euro friedlich einschlafen. “

    VG

  2. Argonautiker sagt:

    Guter Artikel.

    Ja, ja, Lügen haben kurze Beine,…,
    Europa kommt dementsprechend schon auf dem Sack dahergeeiert.

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