Wilde Streiks und steigende Preise

9. Juli 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Vor zwei Wochen riefen Gazetten das Ende des Streiks in den südafrikanischen Platinminen aus. Die nun aufflammenden wilden Streiks sorgen für eine Rückkehr der Unsicherheit. Die Preise fliehen schon nach Norden …

Zum Ende der offiziellen Streiks am Kap titelte eine deutsche Wartezimmerauslage unlängst:

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Die Preise für Platin und Palladium gaben wie bei derartigen Nachrichten üblich in der Tat spontan nach. Wenige Tage später jedoch schlossen die Preise bereits wieder deutlich. Palladium und Platin erreichten rasch neue Jahreshöchststände. Die Euphorie angesichts der Nachrichten vom Kap war deutlich verfrüht, denn an der angespannten Situation durch das größte Angebotsdefizit seit einigen Dekaden hat sich durch die Beendigung des Streiks nur wenig geändert.

Bis die Minen wieder die volle Produktion bereitstellen, dürfte es eine Weile dauern, aber viel bedeutender ist die selbst bei voller Kapazitätsauslastung nicht ausreichende Produktion um das Defizit zu schließen. Da die Verknappung sowohl Platin als auch Palladium betrifft hilft auch die mögliche Substituierbarkeit in vielen Prozessen nicht weiter. Ohnehin wird ein groß angelegte industrieller Produktionsprozess nicht mal eben so in ein paar Tagen umgestellt.

Die „offizielle Beendigung“ des monatelangen Streiks als Ende der Unruhe zu verkünden zeugt von einer naiven Einschätzung der sozialen Situation in Südafrika. Das Land ist und bleibt ein Pulverfass, in dem es früher oder später wohl leider zu massiven gesellschaftlichen Verwerfungen kommen dürfte. Sich darauf zu verlassen, dass eine Aussage oder auch eine Unterschrift langfristig irgendjemanden interessiert ist mutig. So kommt es immer wieder abseits der offiziellen Pfade zu so genannten wilden Streiks (wildcat strikes). Diese Streiks werden durch die Arbeiter selbst organisiert oder entfachen sich spontan. Die Gewerkschaften haben zumindest offiziell die Finger nicht im Spiel. An der Problematik neuer Stillstände, Förderausfälle und möglicher Schäden an den Anlagen ändert dies freilich nichts.

Gut zwei Wochen nach dem offiziellen Ende des Streiks gehen die Streiks mancherorts weiter.

(7.7.2014, WSJ) Platinum and palladium prices rose Monday as the South African mining industry was shaken by a new labor dispute.

A wildcat strike by 2,000 miners at Impala Platinum Holdings Ltd.’s (IMP.JO) Marula mine came just days after the end of a five-month industry stoppage, and demonstrated the continued risks to supply and fragile state of the mining industry in the world’s top platinum producer.

So ist die Lage, von einer spontanten Befriedung sollte niemand ausgehen…


Das Defizit bei Platin und Palladium stört sich an derlei Dingen nicht. Schon Ende 2013 waren die Aussichten für Käufer mau. Seither hat sich die Lage weiter verschärft.

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So wundert es nicht, wenn der Preis des Metalls an einem Mehrjahreshoch knabbert. Dieses Preisniveau wurde zuletzt 2011 und davor 2001 erreicht.

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Das Allzeithoch für den Preis einer Unze Palladium liegt auf Monatsschlusskursbasis bei 1045 US-Dollar. So gut die Aussichten derzeit sein mögen, man sollte nicht vergessen, dass sowohl Platin als auch Palladium keine Anlagen für schwache Nerven und schwache Hände sind. Von der Versuchung Investitionen zu hebeln kann man daher wie üblich den meisten Mitmenschen nur abraten.

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