Eine Danksagung an unsere Schuldenväter

15. Dezember 2008 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Während unsere Kanzlerin noch vor wenigen Wochen die Kontinente bereiste, ist sie jetzt auf Krisengipfeln unterwegs. Die Schwierigkeiten haben sich zu Problemen ausgewachsen. Eine gewaltige Blase aus Krediten und heißer Luft zerplatzt gerade. Wo kommt diese Blase her? Wir sollten uns dafür auch bei unseren Vätern und Großvätern bedanken…

Woran wird unser Finanzminister denken, bevor er nachts einschläft? Was dem Wirtschaftsminister Glos mitten in der Nacht durch den Kopf geht, hat er uns ja unlängst einmal erzählt. Er beklagte, dass niemand um eine Expertise aus seinem Ministerium nachfragt. Als Minister würde mich das ja auch schmerzen, wenn das Telefon beharrlich schweigt. Dabei hat sich Herr Glos diese Ruhe doch redlich verdient.

Seine Prognosen waren bislang so treffend wie Dartpfeilübungen eines Elefanten. Ich glaube, Herr Glos ist mindestens so überrascht (Unwort der Jahres 2009 – 2011) wie die meisten anderen Wirtschaftsexperten. Unsere Kanzlerin scheint das auch gemerkelt zu haben. Sie hat ihnen neulich die Leviten gelesen. Trotzdem steht jetzt Frau Merkel da und kassiert die Quittung für unterlassene Hilfeleistung für die deutsche Wirtschaft.

Nein liebe Leser, Ent-Täuschungen sind nur die Reaktion auf eine vorhergegangene Täuschung. Es hat etwas Gutes, wenn die Täuschung endet. Festzuhalten bleibt, dass keiner der sogenannten Fachleute bislang einen wirksamen Plan gegen die Krise hat, außer Geld auszugeben, das man nicht hat. Aus dem Geschrei konnte man lediglich heraushören, dass die Fehler der Vergangenheit jetzt wiederholt werden sollen. Mitten in der Schuldenfalle bekommt der von Schulden Abhängige großen Durst. Greenspan und Lord Keynes sind überall.

Unsere Aufschwünge waren aus Krediten aufgebaut. Damit ließen sich auch Wahlen gewinnen. Auch nächstes Jahr? Man hat sich in den letzten Jahrzehnten zu viele Dinge geleistet und für die Zukunft Zusagen gemacht, die jetzt schon Schritt für Schritt zurückgenommen werden.

Peer Steinbrück neulich..

Wenn jemand sagt,Du musst mit Steuersenkungen klotzen, dann ist meine Frage, wieviel darf es denn sein? 20 Milliarden, 25 Milliarden, 30 Milliarden? Und die soll ich alle als Kredite aufnehmen. Und wer bezahlt die? Die Generationen, die nach uns kommen.

Doch Moment! Wir sind schon die nächste Generation! Und jetzt sollen wir zahlen. Wir können aber nicht und werden es auch nie können. Nicht nur die zukünftigen Generationen werden sich für unsere Hinterlassenschaften bei uns bedanken, wir könnten damit schon jetzt mal anfangen, unseren Vätern und Großvätern Dankeskarten zu schicken, die unsere heutigen Schuldtürme so hoch aufgestapelt haben. Vielleicht erwarten einige von den Baumeistern sogar Dank dafür, sollten sie noch leben. War ne nette Party….! Wo sind jetzt eigentlich die Autoschlüssel?

Ja, ihr lieben Finanzväter, Ihr wolltet, dass es uns einmal besser geht. Mir scheint, es ist Euch gelungen. Wir kaufen inzwischen Dinge, die wir nicht brauchen, tun Sachen, die man nicht tun sollte, indem wir Geld ausgeben, das wir nicht haben. Reichtum in seiner neuen Definition. Wir glauben, dass die Welt eine Bessere geworden ist. Wenn nur diese blöde Finanzkrise gerade nicht wäre. Die uns gelehrten Überzeugungen haben Risse bekommen. Manche schauen sich sogar um und finden in der Geschichte erstaunliche Parallelen.

Es ist nicht dumm, Fehler zu machen. Dumm ist es nur, diese immer zu wiederholen. Und noch viel dümmer ist es, wenn man keine andere Wahl hat, als dummes Zeug zu tun. Was wir gerade machen, ist die Fallhöhe unseres Problems zu vergrößern und auf der Zeitachse nach hinten zu verschieben. Man muss es nur Innovation nennen… Die Götter lachen schon wieder. Man hat ihnen erzählt, dass wir einen Plan haben.

Und so haben sich die Sanitäter auf den Weg gemacht wie Weihnachtsmänner zu frechen Kindern und trotzdem entweicht der Blase weiterhin ungehindert die Luft. Was kann man tun? Regierungen werden wild mit Geld um sich werfen. Notenbanken werden dieses Geld so spottbillig wie in Japan machen. Und dann?

Unterdessen tappt der Autor dieser Zeilen weiter im Dunkeln und bleibt vor allem in Deckung, bis er weiß, wer den Kampf der „Flationen“ gewinnt. Deflation oder Inflation? Mister Market oder die Notenbanken? Die Deflation teilt heftige Schläge aus. Sie trampelt durch die Gegend und reißt einen nach dem anderen um. Notenbanken und Regierungen schlagen mit Geld – und Zinswaffen zurück. Ein fürchterliches Gemetzel.

Die Dinge laufen nicht mehr rund. Viele beschränken sich nur noch auf Dinge, die sie wirklich brauchen. Gehört dazu auch ein zweites Auto oder der ganze Krimskrams, den wir jetzt kaufen sollen? Der/die Liebste wird vielleicht sogar glücklich sein, wenn es statt des 15. Wollpullovers ein paar Kuscheleinheiten gibt, oder ein Goldkettchen. Man weiß ja nie…

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