Wie zu besten Zeiten…

7. Juli 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Mack & Weise

23 Quartale in Folge stiegen die amerikanischen Börsen. Seien Sie versichert, sagen einige Experten, diesmal sei alles anders. Dieser Spruch ist übrigens der teuerste Spruch der Welt. Muss man sich Sorgen machen? Kaum, denn alles ist im Griff. Oder sollte man sich wegen der Einhelligkeit über die künftige Entwicklung doch etwa Sorgen machen?

Die internationalen Aktienmärkte konnten im ersten Halbjahr 2014 ihren Aufwärtstrend unter Führung der US-Märkte weiter fortsetzten, wenn auch mit deutlich gebremster Dynamik. Prognostizierte die Ökonomenzunft der US-Wirtschaft in ihren Wachstumsausblicken für 2014 einen im Vergleich zum Jahr 2013 besonders kräftigen Konjunkturaufschwung (bis zu +3,4% p. a.), zeichnete bereits die erste US-BIP-Wachstums-Schnellschätzung für das erste Quartal im April mit -0,1% p. a. ein gegenteiliges Bild – trotz der wiederum gigantischen Schuldenausweitung!

Obwohl schon die erste Revision der US-BIP-Daten im Mai durch die Statistikbehörde BLS mit -1,0% p. a. eine deutliche Schwäche der US-Wirtschaft signalisierte, muss nach der letzten Revision auf -2,9% p. a. vermutet werden, dass die US-Konjunktur im Frühjahr mehr als nur wegen des kalten Winters ausgerutscht ist.

USA-Quartalsveränderung_Schulden_und_BIP

Die Rekordjagd an den Aktienmärkten wurde dann von den extrem niedrigen Zinsen und anderen Faktoren wie z. B. Firmenübernahmen und Aktienrückkäufen getriebenen. Gerade dort spielt wieder die Musik, wie zu besten „alten“ Zeiten!

Innerhalb nur allein des letzten Quartals wurden weltweit Übernahmen und Fusionen (M&A) im Volumen von knapp einer Billion USD angekündigt bzw. getätigt, und wecken dadurch wieder Erinnerungen an das „große Fressen“ in den (Vorkrisen-)Jahren 2006 und 2007! Genauso beachtlich sind aber auch die Aktivitäten der börsennotierten Unternehmen, möglichst viele eigene Aktien vom Markt zu nehmen.

Aktienrückkäufe von S&P 500-Unternehmen

Allein die 500 größten Gesellschaften in den USA, die sich 2013 den Rückkauf von Aktien im Rekordwert von 755 Mrd. USD (+58% ggü. 2012!) genehmigen ließen, nahmen im 1. Quartal 2014 bereits für 155 Mrd. USD eigene Aktien vom Markt – das höchste Quartalsvolumen seit 2007. Der resultierende Effekt ist für die Unternehmen jedenfalls auf den ersten Blick ein sehr positiver, denn reduziert sich die Anzahl der ausstehenden Aktien, dann kann trotz stagnierender bzw. sogar fallender Gewinne der Gewinn pro Aktie … steigen!

Da sich aber weder die angekündigten bzw. getätigten Übernahmen und Fusionen, noch die Aktienrückkäufe aus der „prall gefüllten Portokasse“ bezahlen lassen, ist dementsprechend auch die Verschuldung der Unternehmen in den letzten Jahren enorm angestiegen.

So sind beispielsweise die US-Unternehmen mit insgesamt 13,9 Billionen USD (Stand: 1.Q 2014) heute nicht nur rund 18% höher verschuldet als noch Ende 2009, sie sind so hoch verschuldet wie noch nie zuvor!

Spätestens aber, wenn die aktuell extrem niedrigen Zinsen für Unternehmensanleihen einmal wieder steigen, wird sich zeigen, dass man mit diesen Maßnahmen keinerlei Wert schafft, sondern einzig nur eines erhöht … das Risiko für die Aktionäre… (Seite 2)



 

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