Wie Zentralbanken den Goldpreis auf Umwegen hochtreiben

13. August 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Manfred Gburek) Als ich am vergangenen Donnerstag an einem Zeitungsstand vorbeikam und die Schlagzeile der Bild-Zeitung auf Seite eins las, begann ich zu grübeln. „100 Goldbarren zu gewinnen“, stand da, das Stück immerhin 20 Gramm schwer. Grübeln deshalb, weil Schlagzeilen im führenden deutschen Boulevardblatt primär die Masse ansprechen sollen, sonst wäre die Bild-Zeitung ja nicht führend…

Und die Masse macht bei der Geldanlage, speziell an der Börse, nach bisheriger Erfahrung so gut wie immer alles falsch. Auch jetzt? Immerhin entfernte sich der Goldpreis unmittelbar nach der Bild-Aktion von seinem Hoch.

Um es kurz zu machen: Das Ergebnis der Grübelei hat zu keinen wesentlich neuen Erkenntnissen geführt. Warum, liegt auf der Hand:

1. Auch wenn man das Schlagzeilensignal als Warnung ernst nehmen sollte, überwiegen weiterhin die Argumente, die für Gold sprechen (dazu gleich mehr). 2. Die Bild-Redaktion ist gut beraten, Ereignisse wie die jüngste Rekordjagd des Goldpreises umso präsenter auf ihrer Titelseite auszubreiten, je mehr sie der Masse unter die Haut gehen. Und das trifft auf den Preisanstieg des Edelmetalls zu, abgesehen von dessen mythischer Bedeutung allein schon wegen der Gegenbewegung zu den Aktienkursen und insbesondere, weil das Bewusstsein für die nicht mehr zu bewältigende internationale Schuldenkrise endlich auch in der breiten Bevölkerung angekommen ist. Die sagt sich dann halt, dass Gold der beste Schutz vor Staatsschulden und Papiergeld ist.

Wägen wir also ab, was für und was gegen Gold auf dem aktuellen Preisniveau spricht. Zunächst das Für: wie gerade erwähnt die Schuldenkrise, grenzenlose Geldschwemme weltweit im Gegensatz zum begrenzten Goldangebot, sehr tiefe Nominal- und damit negative Realzinsen, per Saldo Käufe der Zentralbanken, speziell chinesische Käufe (offizielle und private), im Trend – abgesehen von temporären Unterbrechungen – fast stetiger Geldzufluss durch börsengehandelte Fonds (vor allem SPDR Gold Trust), Nachholbedarf an Käufen der Versicherer und Pensionskassen.

Nun das Gegen: Liquiditätsbeschaffung durch Goldverkäufe von Anlegern, die damit anderweitige Verluste (zum Beispiel am Aktienmarkt) kompensieren, zwischenzeitliche Mittelrückflüsse börsengehandelter Fonds, auf China übergreifende Weltrezession, stark zunehmende Altgoldverkäufe, politisch motivierte konzertierte Preismanipulation über Terminmärkte, Verkäufe durch Länder mit hohen offiziellen Goldreserven, wie Italien (laut World Gold Council 2451,8 Tonnen/entsprechend 71,4% der Währungsreserven), Portugal (382,5 Tonnen/84,8%) oder Griechenland (111,5 Tonnen/79,5%).

Wie steht es um die Qualität der Für- und Gegen-Argumente? Beim Für dominieren die starken Argumente mit geringfügigen Ausnahmen. Diese betreffen zeitweise die börsengehandelten Fonds und den möglicherweise nur eingeschränkten Goldappetit der Versicherer und Pensionskassen…

Beim Gegen sind die beiden zuerst genannten Argumente relativ stark, wobei sich Mittelrückflüsse der Fonds, wie erwähnt, aufgrund bisheriger Erfahrungen eher nur zeitlich begrenzt negativ auswirken. Altgoldverkäufe sind zwar im Kommen (

im vergangenen Jahr 1657 Tonnen von insgesamt 4253 Tonnen am weltweiten Angebot), ersetzen aber bei stark steigender Nachfrage nur mehr oder weniger das kaum wachsende Angebot der Minen. Preismanipulationen wirken immer nur kurzfristig. Und wenn eines der Länder mit relativ hohen Goldreserven Bestände verkauft, können Sie sicher sein, dass der Deal – anders als bisher vom Internationalen Währungsfonds praktiziert – nicht lange angekündigt wird und dass vor allem potenzielle Käufer unter Führung von China nur darauf warten zuzugreifen. (Seite 2)

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