Wie man finanziellen Selbstmord begeht

25. November 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Die Aktien stehen auf Rekordniveau. Auch Kunstwerke erzielen derzeit Höchstpreise. „Ich bin langfristig bullish für den Kunstmarkt“, so Rajiv Chaudhri, Präsident von Sunsara Capital LLC in New York und ein Kunstsammler.

„Die Preise werden weiter steigen. Derzeit wird so viel privater Reichtum geschaffen. Kunst ist die ultimative Vermögensanlage.“ Mr. Chaudhri liegt in mehreren Punkten falsch… Zunächst einmal werden keine privaten Vermögen geschaffen; das wird von den Zentralbanken fabriziert. Dann ist Kunst nicht die ultimative Vermögensanlage, sondern wahrscheinlich eine schlechte und nicht zuverlässige.

Und dann funktioniert der Kunstmarkt nicht so, wie er sich das vorstellt. Wenn das Geld ausbleibt, dann werden die Käufer bestraft werden: Sie werden dann an ihren Käufen festhalten müssen.

Ozeane der Liquidität

Dennoch hat Mr. Chaudhri bei einer Sache Recht: Es gibt viel Geld derzeit. Ja, die Reichen sind in den letzten paar Jahren in den USA erheblich reicher geworden. Die Oberen 1% besitzen nun 35% des gesamten Reichtum Amerikas.

Die unteren 80% besitzen nur 11% davon. Wo kam das ganze Geld her? Ich habe Schätzungen über die Auswirkungen von QE auf die Bilanzen der Vermögenden der Länder gesehen. In den letzten fünf Jahren soll QE zwischen 2,5 und 9 Billionen Dollar hinzugefügt haben.

Jetzt, wo sie so viel Geld in den Taschen haben, können die Reichen für Kunstwerke von Jeff Koons bieten…sich Apartments in Manhattan kaufen…oder was immer sie wollen. Aber das lässt die Frage offen: Wo kam das Geld her? Sie kennen die Antwort bereits: Von den Zentralbanken. Und Sie wissen auch, wo diese es herhaben:

Aus dem Nichts.

Die Zentralbanken haben Ozeane der Liquidität geschaffen. Wie Wasser muss das irgendwohin fließen. In diesem Fall floss das in Aktien, Immobilien, Kunst… und viele andere Dinge. Und jetzt ist das QE Programm in den USA offiziell auf „Pause“ – und die Japaner und Europäer übernehmen.

Trendsetter Haruhiko Kuroda ist der neue Vorsitzende der Bank of Japan. Er ist sogar noch tollkühner und geistig zurückgeblieben als der Premierminister Shinzō Abe.

Kuroda hat gesagt, dass die Zentralbank nun bis zu 80 Billionen Yen (rund 700 Mrd. Dollar) pro Jahr Wertpapiere kaufen möchte. Und ein Teil davon sind direkte Käufe von japanischen REITs und ETFs.

Die Japaner sind die Trendsetter – zumindest in der Welt der selbstmörderischen Finanzpolitik. Deshalb wird es wahrscheinlich nicht lange dauern, bis auch die Fed wieder in Geschäft des Gelddruckens einsteigen wird.

Am wahrscheinlichsten ist es, dass die Fed warten wird, bis der Aktienmarkt schwächelt. Dann könnte auch sie beginnen, direkt Aktien zu kaufen.

Der US-Aktienmarkt wird fallen, weil immer weniger neu geschaffenes Geld ihn oben hält. Die 3,6 Billionen Dollar QE haben den S&P 500 seit dem Krisentief am 9. März 2009 um 200% steigen lassen.

Aber QE ist, wie ich sagte, jetzt „auf Pause“. Und die Gelddruck-Operationen in Japan und Europa werden wahrscheinlich nicht genug bringen, als dass in den USA der Wasserspiegel hoch bleibt. Stattdessen wird die Liquidität austrocknen – erst schrittweise …und dann plötzlich. (Seite 2)


 

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4 Kommentare auf "Wie man finanziellen Selbstmord begeht"

  1. Michael sagt:

    Ruh in Fried durch Suizid. Aber Japan hat noch ein Weilchen bis zu einer Angleichung der JPY an den Dollar der 60er. Der Kurs war schon mal 360 (auf jeden Fall) in den frühen 60ern. Da ist noch viel Platz noch oben. Der Stand 99 gegen den USD war bei 150.

    http://www.pieria.co.uk/articles/the_land_of_the_setting_sun
    In Japan handelt es sich jetzt nicht um einen Chancenraum für die Jugend. Die Welt geht noch lange nicht unter. Bis halt CrackUp Boom, dann wird’s fei lustig.

    Es ist zwar nicht über das Land of The Setting Sun, aber House of the Rising.
    https://www.youtube.com/watch?v=sXYIxJScSik

  2. Slavisa sagt:

    Wie bereits oft erwähnt: Dies ist momentan Vermögenstransfer erster Klasse, und zwar von unten nach oben. Noch ein paar Jahre in diesem Ton und die verbleibende Mittelschicht ist ebenfalls ausradiert.

    • Frank Meyer sagt:

      Stört diese Mittelschicht nicht nur? Auf dem Weg zur Planwirtschaft und zum Zentralstaat Europa stehen die Mittelständler nur im Weg. Ihre Steuern kann man doch auch drucken. Oder?

      • Sehr geehrter Herr Meyer,

        ich lese da eine gewisse Ironie heraus, oder irre ich mich? 🙂

        Ja, die Notenpresse scheint die ultimative Lösung zu sein. Schade nur, das dies kein nachhaltiger Weg ist, um funktionierende Volkswirtschaften aufrechtzuerhalten.

        Eine zentrale Regierung kann manchmal gut sein, Planwirtschaft jedoch nie. Immerhin würde man damit den Bürokratieapparat, der die Bürger jährlich Milliarden kostet, schmälern.

        Herzliche Grüße, alles Gute,

        Slavisa

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