Wie man eine Bank abwickelt

20. Februar 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Es sei alternativlos, Banken zu retten, meinen Politiker. Es sei gefährlich, Banken bankrottgehen zu lassen, warnen Branchenvertreter. Es sei machbar, eine Bank abzuwickeln, sagt JP Morgan. Nur zu!

Hey, sollte die EZB irgendwelche Ratschläge benötigen.. Das Thema ist wieder hoch aktuell. Aufbereitet von Genossen Rott aus gleichnamigem Bankhaus 🙂

Neben der Intransparenz ist die Angst eines der wirkungsvollsten Mittel der Politik. Mit der Angst vor Krieg und Armut wird derzeit der Euro über Wasser gehalten. Mit der Angst vor einem Zusammenbruch des Weltfinanzsystems stützen Regierungen aus Steuermitteln und mit neuen Schulden insolvente Banken. ..

Da es sich bei der Stützung des Bankensektors lediglich um eine Verteilung der Kosten handelt – die Verluste verschwinden nicht – drängt sich eine Frage auf. Warum sollte es besser für das System sein, wenn diejenigen die Kosten einer Insolvenz tragen, die weder an dem kaputten Unternehmen beteiligt sind, noch diesem Geld geliehen haben?

Zur Begründung wird seitens der Politik gerne der Dominoeffekt angeführt. Wenn eine Bank pleite gehe, falle schnell die nächste um, und kurz danach breche unvermeidlich der dritte Weltkrieg aus. Das klingt seltsam, vor allem wenn man, woher auch immer, die Gelder für die Deckung von Verlusten dennoch bereitstellt. Die Katastrophe scheint eine Abneigung gegen bestimmte Zahler zu haben und zeigt damit geradezu menschliche Züge.

Dennoch ist diese Verlagerung der Haftung grotesk und weder marktwirtschaftlich noch „sozial“, stellt sie doch das Risiko-Ertrags-Gefüge auf den Kopf. Manch (vermeintlicher) Journalist hat diese Verzerrung dennoch verinnerlicht. Anders ist es nicht zu erklären, dass das so genannte „burden sharing“ den Lesern als revolutionärer Akt verkauft wird. Darunter versteht man die Beteiligung der Haftung der Eigner und Kreditgeber im Falle einer Insolvenz. Warum die Bürger diese Last mit den Geldgebern teilen sollen, erfährt man nicht. Es gibt bekanntlich kein „Dividend-Sharing“ oder „Coupon Sharing“ so lange eine Firma noch zahlungfähig ist.

Als Argument für die Befreiung der Investoren wird stets die Vermeidung eines Systemkollapses genannt. Ja, das wäre wirklich schlimm, hört man, da seien Herr und Frau Kuballa mit ein paar hundert Euro für die Bankenrettung doch gut bedient. Sie wollen doch nicht eine Pleite der Armselig-Bank AG und damit womöglich einen Krieg riskieren! Eine überaus perfide Argumentation, die in ähnlicher Art und Weise auch beim Thema Eurozone Anwendung findet.

Nun ist die Abwicklung einer Bank prinzipiell keine sonderlich komplexe Angelegenheit. Das sieht interessanterweise auch JP Morgan Chase so. Per Gesetz wurden in den USA die „systemrelevanten“ Banken dazu verpflichtet, ihre Strategie zur Vermeidung eines Bankrotts aber auch einen Plan zur eigenen Abwicklung im Fall der Fälle vorzulegen. Diese Unterlagen wurden teilweise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Eine lesbare Darstellung dieser Planung stellte die US Großbank zur Verfügung.

Die Ziele der kontrollierten Abwicklung sind nachvollziehbar und sollten selbstverständlich sein. In den letzten Jahren ist dies leider in Vergessenheit geraten.

  • Ensure that shareholders and creditors, rather than taxpayers, bear all losses and costs
  • Ensure that management responsible for the failure is replaced
  • Clawback features exist to recover compensation from directors and senior executive officers responsible for the failure
  • Ensure that resolution occurs without a lengthy period of government control and in an orderly fashion
  • Minimize the value-destruction and widespread contagion effects inherent in fire sales or disorderly liquidation

Wenig überraschend ist die generelle Vorgehensweise. In einem ersten Schritt wird die Bank einer Konkursverwaltung unterstellt. Alle notwendigen Bereiche der Bank arbeiten in dieser Konstellation („Bridge Company“) normal weiter…

Dann werden die Assets der alten Bank neu bewertet und auf realistische Preise heruntergeschrieben. Die neu bewerteten Assets werden dann auf die Bridge Company übertragen. Aus der Neubewertung ergeben sich die Verluste für die Kapitalgeber. Das Eigenkapital wird abgeschrieben, in der Regel wird es auch zu Verlusten der vorrangigen Kreditgeber kommen.

Mit der Maßgabe einer echten Eigenkapitalquote von 10% wird dann ein Teil des alten Fremdkapitals in Eigenkapital gewandelt. Sympathisch ist die im Vorschlag enthaltene Festlegung auf eine echte Eigenkapitalquote. Diese ist sinnvoller als die Fantasiezahlen, die sich durch eine Risikogewichtung der Assets ergeben.

Natürlich läuft eine Abwicklung in der Realität nicht so glatt ab, wie es ein Diagramm suggeriert. Aber die Ausrichtung auf eine kontrollierte Abwicklung einer Bank und die korrekte Attribution der entstehenden Verluste ist begrüßenswert. Ein Punkt der in der ständigen Rettungsorgie auch in Europa untergeht, sind die unangetasteten Verträge der Angestellten.

Damit sind nicht nur die hochbezahlten Gehaltsempfänger gemeint. Auch die Masse der Angestellten im Finanzsektor profitiert immer noch von Leistungen wie etwa den teils erklecklichen Betriebsrenten oder vergünstigten Versicherungskonditionen. Diese seien prinzipiell jedem gegönnt, allerdings ist es nicht nachvollziehbar, warum derartige Zahlungen über Umwege von Steuerzahlern aufgebracht werden sollen. Das gleiche gilt für die Gehälter, die sich noch lange nicht der realen Lage der Institute angepasst haben. Auf Grund der zahlreichen Altverträge ist die nötige Anpassung ohne Insolvenz teilweise unmöglich.

Die schon jetzt offenbar vollkommen überforderte europäische Bankenaufsicht hat sich unterdessen statt mit einer professionellen Abwicklung maroder Banken lieber mit überflüssigen Stresstests beschäftigt. Wer echte Eigenkapitalquoten ignoriert wird leider auch zukünftig nicht zu sinnvollen Ergebnissen gelangen. Die zurückliegenden Tests waren zwar überaus unterhaltsam aber leider ebenso irreführend wie nutzlos. Das ist schade, denn Abwicklungskandidaten gibt es in Europa zur Genüge. Nicht nur das Problem Dexia ist bis heute ungelöst und wird immer teurer. Auch im restlichen Europa finden sich entsprechende Patienten. Dummerweise hat man zwar in Europa keinen Plan für eine ordentliche Abwicklung, aber wenn man sich an die grundlegenden Regeln hält, klappt es bestimmt auch ohne Übung. Nur Mut!

(Dieser Artikel erschien erstmals am 18.09.2012 auf rottmeyer.de)

 

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4 Kommentare auf "Wie man eine Bank abwickelt"

  1. FDominicus sagt:

    Hier mal ein was-wäre-wenn Eintrag.
    Nehmen wir mal an Banken würden Sichteinlagen der Konten als Anderkonten führen. Wie problematisch wäre dann die Abwicklung der Bank und wer außer EK-Geber und expliziter FK-Halter trüge Verluste?

    Ich kann wirklich nicht sehen, warum dieser Weg nicht gegangen wird. Er bietet jede Flexibilität und jeder Bankkunde kann sich wirklich überlegen ob der der Bank einen Kredit einräumt oder nicht.

    Ein offensichtlicher Vorteil: Geht eine Bank Pleite werden die Gelder einfach an eine andere Bank überwiesen und/oder ausgezahlt. Die Bank geht Pleite oder wird reorganisiert aber das hat keinen Einfluss auf die Sichteinlagenhalter.

    Eine Bank kann dann eben nur mit dem eigenen Geld und dem der Bank eingeräumten Kredit spekulieren.

    Was genau sollte gegen diese Lösung sprechen?

  2. gilga sagt:

    Die Tatsache das von heute auf morgen die Ausweitung der (Kredit)geldmenge extrem eingeschränkt wäre bzw. sogar massiv zurückgefahren werden müsste. Kreditzinsen würden wohl massiv anziehen bzw. gar nicht mehr zu bekommen sein (die Bank müsste ihr Geschäft ja massiv zurückfahren). Das wäre das harte Ende eines ziemlich langen Kreditzyklus…

    • FDominicus sagt:

      Ok und was ist die Alternative?
      „Es gibt keine Möglichkeit, den finalen Zusammenbruch eines Booms zu verhindern, der durch Kreditexpansion erzeugt wurde. Die einzige Alternative lautet: Entweder die Krise entsteht früher durch die freiwillige Beendigung einer Kreditexpansion – oder sie entsteht später als finale und totale Katastrophe für das betreffende Währungssystem. “

      Sollte das die „bessere“ Alternative sein?
      Es wäre sogar möglich unser Bankensystem so zu belassen, es muß „nur“ erlaubt sein, Banken eben auch so aufzubauen. Das Einzige was meines Erachtens dagegen spricht, ist, daß der Staat außen vor ist. Keine Rettungsschirme, keine „Beteiligungen“ und nun ja viel weniger Einfluss auf die Art wie Banken geführt werden…

  3. Michael sagt:

    Ein wahrlich konstruktiver Beitrag.

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