Wie man arm stirbt

16. Juli 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Das Problem mit den Wächtern des Kapitalismus ist, dass sie keinen Respekt für ihn haben. Die Märkte gibt es seit zumindest 2.000 Jahren. Seitdem haben sie sich in viele Richtungen entwickelt, mit ausgefeilten Techniken…elaborierten Systemen und komplizierten Instrumenten, für die man studiert haben muss, um sie zu verstehen…

Aber trotz all der Gehirnkraft, welche investiert wurde, um sie zu verstehen, überraschen Märkte immer noch, sie verwirren jeden. Es gibt immer noch keine Formel für die Prognose von Marktbewegungen. Und selbst die klügsten und erfahrensten Trader liegen oft falsch. Man sollte doch denken, dass Janet Yellen und andere Zentralbanker einen Schritt zurücktreten würden und in Ehrfurcht erstarren.

Wie Astronomen, die den Himmel betrachten, sollten sie die schwarzen Löcher und explodierende Supernovae studieren. Oder zumindest nach Zeichen intelligenten Lebens suchen. Stattdessen ignorieren Yellen und die anderen die Mechanismen, welche Angebot und Nachfrage ausgleichen; sie wollen die Leute dazu zwingen, mehr nachzufragen. Sie haben kein Interesse daran, Preise zu entdecken; sie wollen die eigenen Preise festsetzen.

Und sie könnten sich nicht weniger um das kümmern, was der Markt zu sagen hat – sie hören nur ihre eigenen Stimmen. Mehr Bewacher als Wächter, glauben sie, dass sie die Märkte verbessern können…kontrollieren können…sie nach ihrer eigenen Pfeife tanzen lassen.

Näher an eine neue Spekulationsblase

„Keine Notwendigkeit für Zinserhöhungen zur Begrenzung des Risikos“, so Yellen laut der Financial Times. Jemand muss ihr gesagt haben, dass sich die Preise von Häusern, Kunst, Anleihen, Aktien und anderen Vermögensanlagen mehr einem Status der Spekulationsblase nähern. Am oberen Ende erzielen Villen erneut Rekordpreise. Bilder bringen in Auktionen Millionen ein. Und US-Aktien stehen auf einem nie gesehenen Niveau. Währenddessen sind die Schulden höher als 2007, und die US-Unternehmen leihen sich Rekord-Beträge – mehr als das Gewinnwachstum beträgt.

Zum Beispiel hat sich die Bank of America dieses Jahr 7,6 Mrd. Dollar geliehen. Oracle hat sich 10 Mrd. Dollar geliehen. Und Cisco lieh sich 8 Mrd. Dollar. Und James Grant berichtet, dass der iShares Nasdaq Biotechnology ETF – wenn man genau misst – ein KGV von 2.000 hat. Alan Greenspan meinte, er würde eine Blase erst erkennen, wenn sie vor seinem Gesicht explodieren würde. Stattdessen würden er und seine Kollegen mit ihrer Wunderarbeit ans Werk gehen, wenn der Schaden da sei. Yellen sucht noch nicht einmal nach Blasen.

Sie denkt, dass sie und die anderen Wächter eine Politik durchführen können, welche das Risiko herausnimmt. Deshalb spielen Spekulationsblasen keine Rolle. Wie bitte? Das ist dieselbe Frau, die Präsidentin der San Francisco Fed war, als die letzte Blase vor 6 Jahren platzte. Sie sah nichts kommen. Sie hörte nichts. Sie lernte nichts. Sie hat keine Ahnung, wie Märkte funktionieren. Aber sie ist sicher, dass sie diese managen kann.

Ein verrücktes System

Himmel und Hölle sind voll mit Menschen, die dachten, dass sie die Risiken aus den Märkten nehmen können. Einige gingen Pleite. Einige pusteten sich das Hirn weg. Einige, wie Jesse Livermore, taten beides. Livermore machte ein Vermögen – und verlor es. Er verlor sein erstes Vermögen mit dem Baumwollhandel im Jahr 1907. 1929 kam er durch die Panik, offensichtlich ohne Verluste. Später verlor er sein Geld auf eine Weise, die er niemals voll verstand. Einige verlieren ihr Geld, weil sie dumm sind. Einige verlieren es, weil sie nicht aufpassen…oder weil sie zu sehr aufpassen. Einige sind zu vorsichtig. Andere zu wenig. Einige sind arrogant. Andere werden durch Furchtsamkeit ruiniert. Andere durch Stolz.

Was auch immer ihre Schwäche ist, der Markt findet sie. Er ermutigt einen, dass man sich immer tiefer eingräbt…und dann füllt er das Loch! Die Investoren werden die andere Seite des Trades übernehmen. Sie werden die Fehler und Schwächen und kleinen Frakturen in Ihrer Theorie finden. Das Wall Street Journal berichtet, dass es den Tradern wegen der Geldpolitik der Fed gut geht. Sie kaufen vor einer Fed-Sitzung Aktien und verkaufen sie eine Woche später, und kaufen sie dann eine Woche später erneut.
Das System ist von fundamentaler Analyse aus betrachtet verrückt. Unternehmen werden wegen Fed-Ankündigungen nicht mehr oder weniger wertvoll. Aber es funktioniert! Ein Portfolio, das auf diese Weise gemanagt wird, hätte seit 1994 einen Gewinn von 650% eingebracht. Der S&P 500 brachte nur etwa die Hälfte davon ein. Die Investoren haben immer noch Vertrauen in Madam Yellen. Sie kaufen Aktien und Anleihen, in der Annahme, dass sie diese höher treiben wird. Aber früher oder später werden sie sich gegen sie stellen. Sie werden beginnen, ihre Lieblings-Vermögensanlagen zu verkaufen…und wenn Madam Yellen dann immer noch auf ihrem Posten ist, werden sie sie ruinieren… (Seite 2)


 

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6 Kommentare auf "Wie man arm stirbt"

  1. bluestar sagt:

    Das Problem ist, dass eine verschwindend kleine Clique menschlichen Abschaums von dieser kranken Entwicklung profitiert und über ein kluges und bestens organisiertes System von Lakaien und Vasallen unkontrollierte Macht über alle wichtigen Bereiche der Gesellschaft ausübt. Parlamente und Regierungen sind nur Feigenblätter und Schaltstationen.
    Wir werden froh sein nur enteignet zu werden aber zumindest unser Leben zu behalten.
    Faktisch pleite, drängt das System immer mehr nach militärischer Konfrontation und diktatorischer Gewalt. Die Fakten der letzten 12 Monate sind erdrückend.
    Ich rechne übrigens in Kürze mit selbst inszenierten ( und deshalb nie aufgeklärten) Dramen wie 9/11 und Maidan-Mord um eine nächste Stufe der inneren und äußeren Gewalt vor der manipulierten Masse zu rechtfertigen.

  2. FDominicus sagt:

    @bluestar. Ich glaube eher, das gesamte System korrumpiert. Ich denke es fängt immer gleich an und läuft auch sehr ähnlich ab. Es gibt eine wie auch immer gearteten Zusammenbruch (meist durch Kriege), danach kann es sich die „Gesellschaft“ nicht leisten so viele Staatsangestellet zu haben. Es ist zwar nie ein Minimum aber immerhin so wenig, daß der Aufschwung anfangen kann.

    Während dieses Aufschwungs kommen immer mehr Vorschläge der Politiker für „Verbesserungen“, konkret mal auf D bezogen das Argument, man kann doch Schulden machen, da die Enkel von den „Investitionen“ auch etwa hätten. Für diese Vorschläge muß man „natürlich“ mehr Geld haben, damit zieht man die Daumenschrauben an. In D wurde das geschickt über die Steuerprogression geregelt. Am Anfang von D braucht man das 6-10 fache oder so des Durchschnittseinkommen um maximal zahlen zu müssen, heute sind wir bei dem 2-fachen gelandet. Aber auch das kann durch Produktivitätssteigerungen doch beeindruckend ausgeglichen werden. Das „Geld“ reicht aber immer noch nicht und die „Verbesserungen“ hören nicht auf. Somit bläht sich der gesamte Staatsapparat immer mehr auf, das geht solange gut, wie die Produktivität steigt und diese Nichtproduktiven noch tragen kann.

    Das es aber nie „genug“ ist, ist der Weg damit vorgezeichnet. Und wir kommen speziell auf diese Punkte von Ihnen zurück: „Faktisch pleite, drängt das System immer mehr nach militärischer Konfrontation und diktatorischer Gewalt. Die Fakten der letzten 12 Monate sind erdrückend.“

    Ich finde zwar nicht das speziell die letzten 12 Monat erdrückend sind, ich persönlich finde es progressiv steigend seit 2008….

  3. Michael sagt:

    Ökonomen. Im Mittel haben alle genug um das Leben zu genießen. Wie im Mittelalter, wenn die Kornkammern im Schloss gefüllt sind und dem Rest so gut wie nichts blieb wanderte der Hofsvolkswirt herum und berichtete im Mittel sind wir alle satt. Jene die nicht satt wurden gaben sich die Schuld, denn im Mittel sollten sie glücklich sein und nach getaner Arbeit den Tag genießen. Irgendwann später liefen deren viele verbreiteten sie Geschichten die auf mannigfaltige Art und Wiese verpackt die Nachricht transportieren im Mittel seid ihr alle reich und es fehlt euch an nichts. Sie erzählten Lügengeschichten und berichteten von Heldentaten Einzelner die Berge von Gold ihr eigen nannten nachdem sie riesenhafte Echsenwesen bezwangen, vermutlich haben die Typen einfach jemanden das Gold geraubt und sind dabei auf eine Eidechse oder Blindschleiche getreten.

    In einer dunklen nebeligen gar gruslig anmutenden Nacht wurden einige Menschen stutzig denn es gab ihresgleichen viele und denen mangelte es doch an so manchem, denn es plagte alle der Hunger. Zwei Ökonomen kamen vorbei sahen das Leid, tranken Wien, aßen aus dem prall gefüllten Rucksack und bekundeten – im Mittel geht es uns allen gut – seht her – woran sollt’s denn mangeln.

    Dann hängten sie einen Ökonomen an der Eiche, von der sie des nächtens die Laute der Weisen Eule vernahmen, einfach auf, schnitten ihn runter, schnallten den Leichnam auf den Rücken des übrig gebliebenen Ökonomen und stellten fest, ‚Im Mittel seid ihr beide Zombis‘. Lessons learned auf die harte Tour. Damals ging es noch zünftig zu und im Mittel sind alle Ökonomen Zombies bis heute.

    In dem Sinne – Forget economics and make business.

    Mal was anderes als sonst – Goodall’s Story of Music Part 1 of 6. …
    https://www.youtube.com/watch?v=I0Y6NPahlDE

    • Michael sagt:

      Dass die Menschen den Inhalt des Rucksacks unter sich aufteilten ist klar, denn der eine der beiden Geschichtenerzähler braucht ihn nicht mehr und der andere hat seinen Kollegen auf den Buckel geschnallt. Egal. Hauptsache alle sind satt… In dem Sinne …

  4. bluestar sagt:

    @FDominicus
    Dieser aufgeblähte Staatsapparat erdrosselt wie ein wucherndes Geschwür die Gesellschaft. Unersättliche finanzielle Gier, Umverteilungswahn, Diktaturtendenzen. Menschen werden dauerhaft manipuliert und zu bedingungslosen Steuerzahlern, infantilen Befehls-und Almosenempfänger erzogen. Wer sich dagegen wehrt, bekommt die allumfassende Macht dieses Apparates zu spüren. Die Masse verhält sich mittlerweile psychologisch abhängig wie kleine Kinder, jedoch ohne Freiheitsdrang und Stolz. Anders kann ich mir die Zustimmung zu den GROKO-Blockparteien und deren destruktiver Politik nicht erklären.
    Aber letztendlich sichert dieser Apparat genau die Macht der wenigen Profiteure dieser Verhältnisse. Unmündige Steuerzahler, Jasager und korrumpierte Almosenempfänger, das sind ideale Bedingungen für den Machterhalt, da können sogar Märkte manipuliert werden.
    Sehr interessant finde ich Ihre Aussage „ich persönlich finde es progressiv steigend seit 2008″… Was finanzielle Repressionen, Manipulation und Marktverwerfungen angeht bin ich
    voll bei Ihnen. Bei Freiheitseinschränkungen, Diktatur, Faustrecht und Gewalt sehe ich 9/11 als Startphase in eine neue Ära, empfinde jedoch die inszenierten Geschehnisse in der Ukraine als weiteren Treibsatz, vielleicht auch weil nun Europa direkt betroffen ist und unsere Politiker- Vasallen trotz sehr kritischer Stimmen aus der Wirtschaft bedingungslos nach der US-Pfeife tanzen und Deutschland massiv schädigen.

  5. Argonautiker sagt:

    Hält es eigentlich jemand für möglich, daß das Bestreben der BRICS Staaten, nun auch „Konkurrenz“ Gebilde zur amerikanischen FED, und europäischen EZB zu erzeugen, vielleicht alles eine Inszenierung aus einer Feder ist? Beziehungsweise aus einer sich immer einiger werdenden Hochfinanz.

    Als ich folgenden Artikel las, überkam mich dieser Gedanke.
    http://www.contra-magazin.com/2014/07/brics-aufbau-eigener-finanzstrukturen/#comment-1448

    Eigentlich hatte ich gehofft, daß die BRICS vielleicht irgendwie etwas grundlegend anders machen würden, aber das sieht irgendwie nicht so aus.

    Denn wenn man genau hinschaut, dann handelt es sich alles irgendwie um das Gleiche, oder zu mindest um sehr ähnliche Gebilde. FED, EZB, und nun wird über die BRICS auch „Verzentralbankisiert“. So, als wolle die Hochfinanz aus Sicherheitsgründen von einem zentralistischen System auf ein dezentraleres System wechseln, und sich auf drei Beine, anstatt auf Eines positionieren.

    Gruß aus Bremen

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