Wie Goldpreis, Zins und Geldmenge zusammenhängen

7. Dezember 2013 | Kategorie: Gäste

von Prof. Thorsten Polleit

Volkswirte versuchen häufig, die „richtige Höhe“ des Notenbankzinses zu ermitteln. Ein Verfahren dazu ist das Errechnen des sogenannten „Taylor-Zinses“…

Der Taylor-Zins zeigt, vereinfacht gesprochen, wie hoch der Notenbankzins sein muss, damit das Wirtschaftswachstum der Volkswirtschaft angemessen und die Inflation nicht zu hoch ausfällt.

Obwohl dieses Verfahren erhebliche Mängel hat, zeigt es jedoch unmissverständlich, dass in den Vereinigten Staaten von Amerika die Leitzinsen im Grunde seit Jahren viel zu niedrig sind.

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Die US-Geldpolitik ist chronisch zu locker, vor allem seit etwa Ende der 80er Jahre, als Alan Greenspan das Amt des Vorsitzenden des Offenmarktaus-schusses der US-Zentralbank übernahm.

Blasenwirtschaft

Die Folgen dieser Geldpolitik sind hinlänglich bekannt: eine ganze Reihe von „Finanzmarktblasen“ hat es gegeben, die mitunter zu schweren Wirtschaftskrisen geführt haben. Hierzu zählen zum Beispiel der „New Economy-Hype“ ab Mitte der 90er Jahre, gefolgt vom Aktienmarkt-Crash 2000/2001; aber auch die Asien-Krise in 1997 als eine internationale Folge der lockeren US-Geldpolitik.

Jüngstes Beispiel ist die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise als Folge eines geplatzten Häuserpreis-Booms, die Mitte 2007 begann und die vor allem durch die Niedrigzinspolitik der US-Zentralbank in Gang gesetzt wurde und weltweite Ausmaße angenommen hat.

Im Zuge der fortgesetzten Politik der tiefen Zinsen steigen die Preise an: Ob Aktienkurse, Konsumgüterpreise und Häuserpreise, sie alle steigen im Trendverlauf in die Höhe, in der Regel unter ausgeprägten Schwankungen.

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Die Politik der tiefen Zinsen führt zu Preisverzerrungen auf breiter Front. Insbesondere auf den Finanzmärkten werden dadurch die Preise für Aktien, Anleihen und Derivate aufgebläht.

Zinsabhängigkeit

Das trendmäßige Absinken der Langfristzinsen der letzten Jahre ist einherge-gangen mit einem markanten Ansteigen des Goldpreises. Vor allem fallende Zinsen hatten das Investieren in Gold attraktiv(er) gemacht.

tp13Denn ist der Zins niedrig, so entgehen dem Halter von Gold nur geringe Zinserträge – die er ja andernfalls, mit dem Halten von zum Beispiel festverzinslichen Papieren verdienen könnte.

Die jüngst wiedergekehrten Zinssteigerungserwartungen belasten daher auch die Edelmetallpreise. Nicht nur wird das Halten von Gold teurer angesichts (wenn auch nur leicht) höherer Zinsen… (Seite 2)

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3 Kommentare auf "Wie Goldpreis, Zins und Geldmenge zusammenhängen"

  1. EuroTanic sagt:

    Heute lächeln wir über Menschen, die in geraumer Vorzeit Knochen auf den Boden warfen um daraus die Zukunft vorauszusagen. Ähnliches werden unsere Nachfahren tun, wenn sie auf uns zurückschauen, wie wir aus dahin geworfenen, krakeligen Linien die Zukunft voraussagen wollen.

    • bluestar sagt:

      @EuroTanic
      Das werden unsere Nachfahren mit absoluter Sicherheit tun.
      Darüber hinaus werden Sie die heutigen Generationen verdammen, welche egoistischer wie die Affen im Zoo für ein angenehmes Leben und natürlich für das Wirtschaftswachstum als Heiligkeit und einzigen Wertmaßstab des Lebens, alle Ressourcen des Planeten Erde schonungslos aufbrauchen, die Erde auf Ewigkeit verdrecken , vermüllen, verstrahlen und dabei noch das Klima dauerhaft nachteilig verändern.

  2. 4fairconomy sagt:

    Zweierlei:
    – E s ist bezüglich der Geldmengenproblematik völlig egal, welcher Träger als Geld dient, ob nun Cellulose, irgend ein Metall oder eben bits und bytes auf einer Festplatte. Das Problem ist die Regelung der Geldschöpfung. Aktuell im jetzigen System ist das Problem die Geldschöpfung bei den Geschäftsbanken. Deshalb gibt es Initiativen, welche die Geldschöpfung wieder zum Monopol der Notenbank machen wollen (Monetative, Vollgeldreform nach Huber). Natürlich verleitet Papier- und noch mehr elektronisches Geld – zur unkontrollierten Geldmengenausweitung. Es ist halt ähnlich wie mit jeder angenehm wirkenden Substanz mit Suchtpotential… Nicht deren Verbot ist zielführend, sondern der richtige Umgang damit.

    – Im heutigen System sind die Zinsen an die Geldmenge gekoppelt. D.h. um niedrige Zinsen zu erreichen z.B. zur Vorbeugung einer Deflation, muss die Geldmenge übermässig im Vergleich zur Wirtschaftsleistung aufgebläht werden. Nicht die niedrigen Zinsen sind Ursache für die Blasenbildungen, sondern die Geldmenge. Diese muss stets zunehmen, damit die Kapitalerträge bezahlbar bleiben ohne, dass es zu einer Deflation kommt. Deshalb muss auch die Wirtschaft stets wachsen: zur möglichst realen Bezahlung stets positiver Zinsen bzw. zur Schaffung der realen Grundlage eines steten Geldmengenwachstums bzw. Vermögenswachstums nach dem Zinseszinsprinzip. Denn dieses Vermögenswachstums ist Voraussetzung für Investitionen. So sind Umverteilung nach oben und Wachstumszwang fest im heutigen Wirtschaftssystem verankert.

    Würde eine Metallwährung Abhilfe schaffen? Es würden einfach andere Probleme auftreten, weil bei einer Metallwährung die Geldschöpfung bzw. Bestimmung der Geldmenge sich nicht an die Bedürfnisse der Wirtschaft anpassen könnte. Deshalb wären z.B. Deflation, nicht marktgerechte Zinsen usw. ebenfalls Erscheinungen, welche eine solche Währung rasch unpopulär machen würde…

    Not-wendig ist eine Entkoppelung der Steuerung der Geldmenge und des Zinses durch die Notenbank. Die Geldmenge hat sich an die Güterproduktion zu richten. Die Güterproduktion an die Bedürfnisse der Menschen. D.h. die Geldmenge hat sich an die Bedürfnisse der Menschen nach Güter (und nicht Vermögensbildung!) zu richten (die Vermögensbildung hat in Relation zum effektiven Güterbedarf zu bleiben – und zwar einem Güterbedarf, entsprechend dem, der durch eigene (!) Leistung auch erarbeitet werden kann). Da der Güterbedarf der Menschen nicht exponentiell sondern asymptotisch gegen eine Sättigungslinie (welche durchaus einem linearen Wachstum entsprechen kann) wächst, kann und soll die Geldmenge nicht exponentiell wachsen. D.h., eine Exponentialfunktion der Vermögensvermehrung ist schlicht nicht mit einer Wirtschaft vereinbar, welche sich nach den Bedürfnissen der Menschen orientiert.

    Wenn die Geldmenge nicht exponentiell wachsen soll bzw. sich dem Güterbedarf anpassen soll, dann muss die Deflationsbekämpfung bzw. -verhinderung auf andere Weise erfolgen, als durch eine Geldmengenausweitung. Natürlich kann man auch der Auffassung sein, eine Deflation sei eine natürliche Erscheinung und sollte durch keinerlei Eingriffe verhindert werden. Dagegen zu argumentieren würde hier zu weit führen und ist letztlich nutzlos. Nur so viel: Befürworter einer Deflation sollen mal das Experiment, eine Deflation „laufen“ zu lassen, erleben. Für die nächsten Jahrzehnten wird es dann keine Regierung mehr geben, welche eine solche Wirtschaftspolitik wird wiederholen wollen oder können (Volksaufstand). Eine Deflation ist kein natürlicher „Reinigungsprozess“ sondern beruht auf eine Fehlfunktion des Geldsystems.

    Deshalb sind Reformen des Geldsystems not-wendig, welche eine Deflation verhindern, ohne, dass dabei die Geldmenge zunehmen muss.

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