Wie geht’s weiter bei der Deutschen Bank?

13. April 2018 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Nach dem plötzlichen Führungswechsel in der Deutschen Bank stellen sich viele Angestellte und Anleger vor allem eine Frage. Musste der CEO Cryan gehen, weil er beim Aufräumen zu viel Staub aufwirbelte?

Von der Bank, die in Deutschland lange Zeit als Branchenprimus bezeichnet wurde, ist nicht mehr viel übrig geblieben. Angefangen haben die Possen der letzten 25 Jahre mit strategischen Albernheiten wie der später wieder rückgängig gemachten Umbenennung des Privatkundengeschäfts in „Deutsche Bank 24“. Einige werden sich erinnern, wie man mir nichts dir nichts die Zerstörung einer durchaus gut besetzten Marke vorantrieb und der Bank ein Logo verpasste, dass eher an ein Call Center für zentralisierte Haushaltsdienstleistungen aussah. Der Reigen wurde durch zahlreiche nichtssagende englische Begriffe von moneyshelf bis maxblue komplettiert. Die Korrektur folgte auf dem Fuße wurde aber gefolgt von weiteren Peinlichkeiten mit weniger Außenwirkung aber schlimmeren Langzeitfolgen.

Durchgängig zeigt sich ein wirres Herumlavieren zwischen verschiedenen Strategien, wenn man die wilden und oft wechselnden Pläne denn mit der Bezeichnung Strategie adeln möchte. Mehr Investmentbanking! Oh nein, Finger weg von diesem Teufelszeug – jetzt ab ins Privatkundengeschäft! Die Postbank als neues Asset! Die Postbank? Ach, die passt doch gar nicht mehr in das neue Konzept. Und so weiter und so fort.

Ein Blick in die deutsche Presselandschaft ist so trostlos wie einseitig. Das Investmentbanking ist mal wieder das Problem. Man fragt sich wie die Autoren der SZ die Zukunft des Massengeschäfts beurteilen, das man aus welchen Gründen auch immer offenbar als sinnvolleren Zweig erachtet. Dummerweise steht dieser Zweig nicht erst seit einigen Jahren massiv unter Ertragsdruck, es lässt sich schlichtweg kaum noch Geld in diesem Bereich verdienen. Gibt man Negativzinsen der sozialistisch veranlagten Zentralbank an Kunden weiter folgt der Aufschrei – vermutlich auch in der SZ. Digitalisiert man, und dazu wird es kommen ob man will oder nicht, benötigt man bestenfalls noch die Hälfte, eher wohl ein Viertel der aktuellen Mitarbeiter. Leute entlassen? Oh, der Aufschrei auch aus München ist zu hören.

Quelle: SZ Online

Hat man dann die letzte deutsche Investmentbank auch noch geschlossen werden die nächsten Großfinanzierungen und Anleihemissionen dann eben von der BNP in Paris oder von Goldman und JP Morgan begleitet. Die naive und nicht nur von der Münchener Gazette verbreitete Vorstellung vom Bankgeschäft und der wirtschaftlichen Realität erinnert an den urbanen Hipster. Dieser denkt, weil auf seinem Balkon in Berlin drei Salatpflanzen sprießen, hätte er sich die Deutungshoheit gegenüber den Landwirten erarbeitet und sei ein bedeutender Teil der globalen Weltrettungselite. Das gilt freilich nur bis die Nacktschnecken kommen.

Sich nicht auf eine Strategie festlegen zu können ist generell nicht förderlich für die Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeiter. Man kann sich das am Beispiel eines Taxifahrers verdeutlichen. Ein Fahrgast steigt ein, sagt nicht wo er hin will sondern raunzt den Fahrer nur an, er solle endlich einfach schon mal losfahren. Zehn Minuten später kreischt der Passagier, warum der Mann die ganze Zeit in die falsche Richtung fahre. Er solle gefälligst woanders hinfahren. Vertrauen ist der Anfang von allem – wenn man weiß wo man hin will.

Als Basis des grundsätzlichen Richtungsstreites darf wohl der ewige Zwist zwischen den  Fürsprechern des Investmentbanking und den alten Kreditbänkern gelten. Diese beiden Gruppen kann man unter einen Hut kriegen, wenn man nicht dogmatisch denkt, von beiden Seiten des Geschäfts etwas versteht und frei von Neid und persönlichen Eifersüchteleien ist. Gerade der letzte Punkt wirft immer wieder Probleme auf, nicht nur im Finanzsektor.

Quelle: Tradesignal

So muss das Investmentbanking stets als Sündenbock für die generelle Unfähigkeit der Bank dauerhaft Geld zu verdienen hinhalten. Dabei gibt es im Investmentbanking des Instituts eine Menge fähiger Leute und über Jahre konnte die Bank fachlich sehr gut mit den US-Instituten mithalten und wurde auch im Ausland so wahrgenommen. Dann kam die Finanzkrise und die Ursache aller Probleme, die die Bank hatte (und noch hat), wurden auf das Investmentbanking zurückgeführt. Allen Fehlern, die auch in diesem Bereich gemacht wurden, zum Trotz bestehen die größten Schwierigkeiten der Bank seit Jahren in einer für die meisten völlig undurchschaubaren Bilanz und einer Eigenkapitalausstattung, die man durchaus als aggressiv niedrig bezeichnen darf.

Wie bei den deutschen Landesbanken, im genossenschaftlichen Sektor oder bei der Commerzbank wurden die größten Fehler jedoch in der Bankbuchsteuerung gemacht, sprich im Treasury. Das ist der Kern jeder größeren Bank und ist Teil des klassischen Geschäfts. Die Bilanzen wurden neben den klassischen Krediten und Anleihen mit allerlei Dingen vollgepackt, die man offenbar nicht verstand. Aufgelegt wurden solche Produkte von den Investmentbankern anderer Banken, so wie auch die Deutsche Bank derartige Produkte auflegte und anderen feilbot. Den Fehler sie bis zur Decke in die eigenen Bücher zu packen haben und irgendetwas von „AAA-Rating“ zu stammeln haben jedoch andere gemacht. So wurde dann aus manchem Depot-A (das Anlagebuch der Bank) ein „Depot am A.“, wie es ein Kollege einst so treffend formulierte.

Die Funktionen des klassischen Investmentbanking, darunter das Underwriting im Rahmen von Wertpapieremissionen, die Begleitung von Börsengängen, Fusionen und Akquisitionen und vieles mehr, fallen auch nach der Finanzkrise nicht weg. Wenn man künftig in Deutschland keine Bank mehr hat, die diese Dinge beherrscht, dann ist man in einem weiteren Sektor auf die Firmen anderer Länder, vor allem auf die Briten und die USA aber auch die Franzosen angewiesen. So kann man sich in Deutschland dann bald final auf den Autobau und das Betreiben von Unterkünften für Zugereiste konzentrieren. Ein zweifelhafter Mix. Immerhin ist ein Teil davon eine Wachstumsbranche.

Was der neue Vorstandschef Sewing nun auch anstellen mag, die Probleme, mit denen er konfrontiert ist, sind die gleichen, die Herr Cryan in den letzten Jahren immer wieder erfreulich offen angesprochen hat und an deren Lösung er arbeitete. Durch die Trennung von Cryan sind die Probleme nicht weniger geworden, und es bleibt zu hoffen, dass man weiter die Bereitschaft zeigt, aufzuräumen und die Eigenkapitalausstattung erheblich zu verbessern. Keine leichte Aufgabe, aber die Alternative in Deutschland (ausgerechnet) die DZ-Bank und die staatliche KfW als Spitzeninstitute zählen zu müssen darf man wohl ebenfalls als trostlos bezeichnen.

Die Risiken für die Deutsche Bank sind enorm. Die Fehler, die zu diesen Risiken führten sind nicht auf Cryan zurückzuführen.Vielmehr drängen sich bei der Fehlersuche die vorangegangenen Dekaden auf, in dem die Fähigkeiten zur Selbstdarstellung oft die strategische Weitsicht um ein Vielfaches überstiegen. Die Konsequenzen tragen die Mitarbeiter und Anteilseigner heute. Wenn es wirklich dumm kommt, und wer wollte das angesichts der Lage der Bank schon aussschließen, dann reiht sich auch der Steuerzahler noch in die Riege der Konsequenzenträger ein. Der Michel kennt das schon von der Commerzbank.

 

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