Wie ein Außenseiter das Establishment vor sich hertreibt

3. März 2016 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Was haben Lügen und politische Börsen gemeinsam? Früher wäre die sprichwörtliche Antwort „kurze Beine“ leicht gefallen. Heute fragt man sich: Gibt es außer politischen Börsen eigentlich auch noch andere?

Wenn nicht gerade eine der großen Notenbanken die Finanzwelt mit ihren Eskapaden in Atem hält, dann marschiert wieder irgendwer in irgendeinen mehr oder weniger erklärten Krieg – natürlich „um Gutes für Menschen“ zu tun. Oder es ist Wahlkampf – also jene Zeit, in der die Politik eigens Medienprofis engagiert, um den Bürgern vorzugaukeln, dass sich jemand für deren Meinung interessiert.

Notenbankpolitik, Kriege und Wahlen, derzeit trifft die Börsen die volle Packung. Kein Wunder, dass mehr und mehr Menschen von Politik und Politikern die Nase ziemlich voll haben. Schließlich zählt das „Recht in Ruhe gelassen zu werden“ in freiheitlich orientierten Kreisen zu den höchsten Rechtsgütern überhaupt.

In dieser Hinsicht sind die Aussichten derzeit allerdings so schlecht wie schon lange nicht mehr. Wenn man sich dem Zirkus schon nicht entziehen kann, dann erscheint wenigstens die „Wahl das kleineren Übels“ als probates Mittel, um den Flurschaden wenigstens etwas zu begrenzen. Da kommt Donald Trump ins Spiel – je nach politischem und sonstigem Standort gilt „The Donald“ als Enfant Terrible, Politclown, Hetzer oder als ziemlich ausgeschlafener Bursche.

„Kopf ab”

Trump ist zwar reich, ein Kandidat des republikanischen Parteiklüngels ist er aber ganz offensichtlich nicht. Wer daran zweifelt, der sehe sich eine kurze Sequenz seines „Parteifreundes“ George H. W. Bush an, die auf dem Blog „Alles Schall und Rauch“ gezeigt wurde. Der „alte Bush“ fühlte sich offenbar unbeobachtet, als er Trumps Redebeitrag mit einer eindeutigen „Kopf ab“-Geste quittierte.

Eine derartige Diskussionskultur war uns bislang nur vom Islamischen Staat bekannt, scheint aber auch den Vorlieben von Bush Senior zu entsprechen. Natürlich ist Daddy Bush „pissed“, dass es ihm nicht gelang, noch einen zweiten Sohn Richtung Weißes Haus zu schieben. Denn Jeb Bush erwies sich trotz zahlreicher Großspenden als Rohrkrepierer und steckte bereits auf.

Und nun gerieten auch noch die gestrigen Vorwahlen des „Super Tuesday“ zum Leidwesen des republikanischen Parteiestablishments zu reinen Trump-Festspielen. Die drängendste Frage für seine Gegner lautet, wie sie den „blonden Bulldozer“ (bild.de) stoppen können. Das Foul-Spiel über die Massenmedien ist ja bestens etabliert, aber selbst Rufmord-Kampagnen, die jeden anderen Kandidaten längst zu Fall gebracht hätten, perlen an Trump einfach ab.

Da wird möglicherweise nicht nur bei Drogenboss „El Chapo“, der im vergangenen Jahr ein Kopfgeld von 100 Mio. USD auf Trump ausgesetzt haben soll, über andere Kaliber nachgedacht. Trump wird jedenfalls wissen, warum er eine schusssichere Frisur trägt. Dabei ist seine Nominierung noch nicht einmal in trockenen Tüchern, sein Momentum aber ist weiter eindrucksvoll – „the trend is your friend!“

„Viel Feind, viel Ehr‘“

Aber nicht nur Drogenbosse und „Parteifreunde“ wollen Trump vom Tisch nehmen. Die eigentlichen Gegner bei einer Wahl wären natürlich die Demokraten. Und dort konnte gestern Hillary „Goldman Sachs“ Clinton punkten. Eine Vertreterin „traditioneller Werte“, deren „Liebe zur Wahrheit“ von ihrer Liebe zum Geld haushoch überragt wird.

Natürlich wäre es für die Wähler eine Traumkonstellation, wenn der unkonventionelle Sozialist Sanders gegen den unkonventionellen Selfmade-Milliardär Trump ins Rennen um das Weiße Haus ginge, doch danach sieht es im Moment nicht aus. Die Wahlarithmetiker scheinen alleine Clinton zuzutrauen, eine „feindliche Übernahme“ (spiegel.de) des Apparats und seiner medialen Hofschranzen durch Trump zu verhindern. Manchmal hat man inzwischen ohnehin den Eindruck, die wesentliche Aufgabe der Demoskopie bestehe darin, die Wähler schon im Vorfeld auf die später gefälschten Wahlergebnisse zu eichen.

Aber lassen wir solch „krude Theorien“. Vielleicht gibt es am Ende doch eine faustdicke Überraschung, denn Trump strahlt bis weit in das Wählerpotenzial der Demokraten hinein.

Die eiskalt kalkulierende Clinton wird dagegen als eine geradezu prototypische Verkörperung des kriegsgeilen und korrupten Washingtoner Politbetriebs wahrgenommen. So gesehen wäre Trump auch für viele Amerikaner nicht nur „das kleinere Übel“, sondern auch der lange ersehnte frische Wind im Weißen Haus.

Dass man sich zwischen ihm und dem russischen Präsidenten Putin einen guten Draht und möglicherweise ein neues Tauwetter vorstellen kann, ist ein zusätzlicher positiver Aspekt, der für Trump selbst aber ebenfalls kaum lebensverlängernd wirken wird. Das Thema wird uns jedenfalls auch in künftigen Druckausgaben des Smart Investor weiter beschäftigen.

Nicht von hohen Prozenten blenden lassen

Was helfen hohe Dividendenrenditen, wenn eine Aktie gleichzeitig kräftige Kursgewinne zu verbuchen hatte? Diese Frage bekamen wir so von einem Leser unseres aktuellen Heftes gestellt. Denn darin haben wir mit BASF und Hugo Boss auch zwei Dividendenaktien vorgestellt, die in den letzten Monaten arg unter die Räder gekommen sind.

Unternehmen mit einer hohen Konstanz bei den Ausschüttungen, zuletzt jedoch deutlich eingetrübten Geschäftsaussichten. Grund genug, um angesichts der anstehenden „Dividendensaison“ das Thema noch einmal aufzugreifen. Um es grundsätzlich zu sagen: Eine Dividende ist per se ein Nullsummenspiel, denn sie wird stets aus der Substanz des Unternehmens bezahlt. Die Ausschüttung, die auf dem Konto der Aktionäre landet, mindert den Substanzwert des Unternehmens – ein Dividendenabschlag ist damit in der Regel absolut gerechtfertigt.

Dennoch gibt die Dividende wohl einen gewissen Hinweis auf die Ertragslage und die vorhandenen Cashflows, schließlich muss das auszuschüttende Geld auch vorhanden sein. Was allerdings noch lange kein absolut sicherer Beleg für die aktuellen Cashflows ist, wie etwa in den letzten Jahren die Aktien der Versorger belegen. Statt aus laufenden Erträgen wurden hier häufig Dividenden aus den Rücklagen gezahlt. Für den Aktionär bietet dies natürlich keinen Mehrwert, sondern hat vielmehr eine Steuerlast auf Kapitalerträge zur Folge.

Im aktuellen Smart Investor, der letzten Samstag erschienen ist, beschäftigen wir uns daher nicht nur mit interessanten Dividendentiteln, sondern auch mit den Grundlagen, auf denen eine erfolgreiche Dividendenstrategie basieren sollte. Und was die Aktien von BASF und Hugo Boss betrifft: Beides sind natürlich unter dem Strich lediglich dann attraktive Aktien, wenn sich die Ertragssituation wieder verbessert. In der Zwischenzeit werden Aktionäre jedoch zumindest einmal im Jahr mit einer Ausschüttung bedacht – für den einen oder anderen Investor vielleicht das schlagende Argument.

Zu den Märkten

Trotz der heftigen Kursbewegungen der letzten Tage ist das letzte Woche hier für den DAX präsentierte Bild weiter intakt. Noch immer lassen sich sowohl die Korrekturflagge (Abb., grüne Begrenzungslinien) als auch die Schulter-Kopf-Schulter-Umkehrformation (SKS, rot) argumentieren.

2016_02_24-DAX

Demnach sind wir zuletzt an der unteren Begrenzung der Flagge nach oben abgeprallt und haben nun im Zuge der Pullback-Bewegung die Nackenlinie (rot) der SKS erreicht (gelbe Markierungen). Angesichts der kurzfristig übergekauften Verfassung des Marktes ist das Erreichen dieser Linie ein willkommener Anlass für eine Verschnaufpause. Dies alleine ist nicht negativ zu interpretieren. Erst wenn der Kurs erneut kräftig nach unten abprallt, wäre dies als Bestätigung des Bruchs der Nackenlinie (rot) durch die anschließende Pullback-Bewegung zu bewerten.

Sollte der Rückschlag jedoch ausbleiben und lediglich der vorangegangene Anstieg verdaut werden, ist nach diesem Kräftesammeln ein Angriff auf und eine Rückeroberung der Nackenlinie zu erwarten. Die Charts der Einzeltitel sind in dieser Situation kaum hilfreich für die Analyse des weiteren Indexverlaufs. Das Bild streut hier von klaren Aufwärtstrends bis zu gigantischen und bereits bestätigten Umkehrformationen. Nicht aus dem Auge verlieren sollte man allerdings das EUR/USD-Verhältnis, da dieses im letzten Jahr starke Impulse für die Aktienentwicklung gegeben hatte. Die aktuelle Euro-Schwäche ist positiv für den DAX und würde hier gegen die Trendwende nach unten sprechen.

Fazit

Derzeit sieht es aus als ob der „Gelbe Bulldozer“ im US-Wahlkampf nicht zu stoppen. An den Märkten ist dagegen die vorherrschende Richtung deutlich schwerer zu bestimmen.
Christoph Karl, Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

 

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