Wie Draghobert die Welt verzerrt…

15. März 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Na endlich! Sparkasse betreten jetzt #Neuland und schaffen kostenlose Konten ab. Wann kommt der Strafzins für die kleinen Sparer für Guthaben bei der Bank? Eine irre Welt, Dank Draghobert…

Dürfen sich künftig Sparkassen eigentlich noch Sparkassen nennen? Oder wäre Geld-Parkhaus ein viel passender Begriff?

Sie wissen ja, Parkhäuser werden auch immer teurer. Dabei tun sie nichts anderes, als das Auto eines Besitzers für eine gewisse Zeit aufzubewahren. Im Gegensatz zum Parkhaus ist aber die Aufbewahrung des Geldes bei einer Bank etwas ganz anderes. Wenn man einer Bank Geld übergibt, dann besitzt sie es und man selbst nicht mehr. Was man hat, ist eine Forderung gegenüber der Bank in der Hoffnung, dass sie diese Forderung jederzeit begleichen kann. Das hat was mit Vertrauen zu tun. In dem Kontext ist auch die viele Werbung zu verstehen.

Bald sollen wir dafür bezahlen, wenn wir Banken Geld leihen. Wahrscheinlich werden anfangs nur die „Gebühren“ steigen. Das wäre der erste Schritt, wie sich der Strafzins des Draghobert aus der EZB geschickt tarnt. Später wird man mit ganz kleinen Schritten die Gebühren erhöhen, diese aber sicherlich nicht Strafzins nennen. Die Marketing-Abteilungen arbeiten daran schon, wie man eine saure Zitrone dem Kunden als Zuckerguss verkaufen kann. Wetten, dass das nicht großartig auffallen wird?

Der vermeintlich mündige Bürger weiß doch heute, was modernes Sparen bedeutet: Geld auszugeben. Je mehr er ausgibt, desto mehr spart er, und sei es auf Kredit. Man muss Unsinn nur oft genug wiederholen, bis die Mehrheit ihn glaubt. Die Politik ist dabei ein gutes Beispiel.

Die Mehrheit glaubt heute auch, dass sie spart, wenn sie ihre Übrigbleibe in dunklen Seen der Finanzindustrie verklappt. Wenn diese und das Geldsystem damit fertig sind, wird man staunen. Dann bekommt man nur das, was man verdient hat.

Viele Experten raten jetzt die Ersparnisse umzuschichten – ein lukratives Geschäftsmodell, die Leute mit etwas Geld aus der heißen Pfanne in die Fritteuse springen zu lassen. Schließlich lebt eine ganze Industrie vom Hin und Her, was ihre Taschen voll und die der anderen leer macht. Übrigens ist heute der „Tag der Aktie“.

80 Prozent der deutschen Staatsanleihen werden inzwischen negativ verzinst. Wie sollen alle Versprechen bezüglich der Zukunft gehalten werden? Gar nicht! Sie werden wohl gebrochen. Macht aber nix! Es gibt dann neues Versprechen. Schließlich müssen die Negativ-Zinsen die Wirtschaft brummen lassen, heißt es. Und wenn es nicht reicht, wird noch mehr von der alten Medizin verschüttet. Viel hilft angeblich viel. Auch so eine Überdosis könnte helfen. Notfalls im Notfall.

Die EZB hat noch viel Munition im Werkzeugkoffer, vielleicht auch monetäre Neutronenbomben. Wir wissen nicht wie diese funktionieren, aber das Feuerwerk wird gewaltig, auch wenn es nach hinten losgeht. Hauptsache es ist bunt zum allgemeinen Staunen! Schließlich leben wir in #Neuland. Und Feuerwerk ist Feuerwerk. Dann wird auch die OP am offenen Geldsystem gelingen, obwohl der Patient längst tot ist.

Du zahlst jetzt!

Was werden die Leute wohl machen, wenn die Bank ihnen schreibt, es wären 0,01 Prozent Zinsen auf ihre Guthaben fällig? Der #Aufschrei wäre groß und die Welle der Empörung noch größer. Die Leute werden erst einmal die Geldautomaten plündern und es käme zu Wartezeiten wie bei der Deutschen Bahn beim ersten Schneefall.

Ob man sich später wirklich und nachhaltig über 0,01 Prozent „Einlage- und Verwahrgebühr“ aufregen wird? Bei einem Guthaben von 5.000 Euro macht das immerhin sagenhafte 50 Eurocents Euro Gebühr im Jahr. Pfifferlinge! Bei einem ganzen Prozent wären es 50 Euro im Jahr oder 4,16 Euro monatlich. Dafür bekommt man in Frankfurt nicht mal mehr ein vernünftiges Bier im Restaurant! Aber der Anfang wäre gemacht. Dann kommen die 0,02 Prozent. Und dann die 0,03 Prozent wie beim Frosch im Kochtopf. Irgendwann springt er heraus, wenn er es noch schafft.

Das mit dem Geld abholen bzw. die Forderungen begleichen zu lassen, ist gar nicht so einfach. Online-Bankkunden müssten sich je nach täglichem „Verfügungsrahmen“ einige Male öfters am Automaten anstellen. Wer es aber geschafft hat, sein Geld von der Bank zu holen, der wird sich erst einmal großartig fühlen wie bei einem Sieg der heimischen Fußball-Mannschaft. Ich höre schon: Denen haben wir es aber gezeigt! „Otto Normal pinkelt Großbanken an Marmor-Außenfassade“ titelt die „Blut am Sonntag“.

Zu Hause angekommen, wird er sich fragen, wo er die Knete verstecken soll. Man kann natürlich auch für 50 Euro im Jahr ein Schließfach bei der Bank mieten und das Geld dort verstauen. Clever! Oder man nimmt das Geld, baut sich dafür schusssichere Fenster ein und wechselt die Haustüre durch eine Safe-Tür aus, um das dafür ausgegebene Geld zu beschützen. Oder man kauft besser noch Aktien der Hersteller von Selbstschussanlagen an der Börse, sollte es diese geben. Man sollte das Geld eben investieren. Dazu muss man schon wieder zur Bank! Sie wird fragen, wo das Geld denn her sei, was man investieren oder waschen möchte.

Online-Kunden kommen nicht so einfach an ihr Geld. Ganz Clevere überweisen dann den Betrag einem sehr nahen Bekannten, der es dann bei der Bank ein paar Tage vorher anmeldet, um es abzuholen. Dann fragt nur das Finanzamt oder der Staatsschutz künftig beim Bekannten nach, woher das plötzliche Pluszeichen auf dem Konto stammt. Ach herrlich! Nein, man kann heute mit seinem Geld nicht mehr machen, was man will. Das war früher zwar besser, aber heute dafür angeblich sicherer. Oder nicht?

Das Beste aber ist: Wer 5.000 Euro von der Bank abholt, der sitzt dann am Küchentisch vor 100 Scheinen mit einem Nennwert von 50 Euro. Das ist – und es bleibt – ein halbes Kilo schnöde Baumwolle, nur bunt bedruckt. Und dafür hat man geschuftet. Gut gemacht! Woher soll man das auch wissen! Das sagt einem doch keiner. Wenn das so wäre, dass es einem gesagt wird, was richtig ist, wären wir ja im Sozialismus! Aber das dauert ja noch ein paar Wochen oder Monate. Im Land der Dichter und Denker aber noch etwas länger.

 

Schlagworte: , , , , , , ,

2 Kommentare auf "Wie Draghobert die Welt verzerrt…"

  1. stephan sagt:

    „Später wird man mit ganz kleinen Schritten die Gebühren erhöhen, diese aber sicherlich nicht Strafzins nennen. Die Marketing-Abteilungen arbeiten daran schon, wie man eine saure Zitrone dem Kunden als Zuckerguss verkaufen kann.“

    Hier erste Zuckerguss-Vorschläge: Bank-„Unterstützer“ und Bank-„Helfer“.

    Beide Begriffe sind mehr als positiv belegt. Und so lebt es sich auch viel einfacher damit, dass man – wie heutzutage üblich – völlig ungefragt (!) zum Unterstützer und Helfer gemacht wird.

  2. PetraM sagt:

    Und dann sitzt man so schön mit seinem Geld in Baumwollkonsistenz und erfreut sich daran, da kommt die Nachricht im Radio: „Ab morgen wird das Bargeldverbot in Kraft gesetzt!“.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.