Wie aus Rettungsschirmen Monster werden

28. September 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Frank Meyer

Rettungsschirme sind teuer, und vielleicht sogar überhaupt nicht effektiv. Sie ersetzen über neue Schuldner verspielte Kreditwürdigkeit anderer Länder. Wie langweilig! Wie wäre es mit einem Hebel? So könnten aus dem Kreditvolumen aus 440 Milliarden Euro schnell Billionen Euro gemacht werden. Geht nicht? Warten Sie es ab!

Wahrscheinlich reichen die bislang geplanten Summen bei weitem nicht, um wirklich etwas „retten“ zu können. Deshalb diskutiert man schon wieder über eine Aufstockung oder besser noch über eine Banklizenz in Luxemburg für diese Zweckgesellschaft – nicht ohne Kalkül. Von einem „Hebel Acht“ auf das Kapital ist derzeit die Rede.

Von 440 Milliarden Euro müsste man die bereits bewilligten Rettungspakete für Irland, Portugal und Griechenland abziehen. Dann wären noch 333 Milliarden Euro im Topf. Ein realistisch angesehener Hebel von acht würde die Feuerkraft auf 2,7 Billionen Euro erhöhen – mit unabsehbaren Folgen. Im gleichen Maße stiegen auch die Haftungssummen auf bis zu zwei Billionen Euro

Voraussetzung für die „gute Tat“ wäre die Kreditwürdigkeit des EFSF/ESM bei der EZB. Wo ist das Problem? Wer sich im hohen Haus der EX-Währungshüter Einwände wegen der Stabilität vortragen möchte, wird von anderen heute einfach demokratisch überstimmt.

T.I.N.A`s Welt

Dann könnte Folgendes passieren: Der Rettungsschirm kauft schlechte Staatsanleihen auf, wirft diese als Sicherheit bei der EZB ein und bekommt dafür… Na was? Neue Kredite. Diese nimmt er, um weitere schlechte Staatsanleihen zu kaufen. Das bringt die Kurse nach oben und die Renditen nach unten. Wunderbar! Die Papiere werden dann schon wieder bei der EZB gegen neue Kredite als Sicherheit hinterlegt. Und so dreht sich dieses Spiel, bis der gesamte Müll bei der EZB gelandet sein könnte. Tolle Wurst!

Auf diese Art der Fremdfinanzierung müssen sich Schuldenländer gar nicht mehr um Schuldenbremsen, Einschnitte und Ausgabendisziplin kümmern. Absichtserklärungen reichen aus. Inoffiziell können sie weiter machen wie bisher, wissen sie doch, dass sie nicht scheitern und schon gar nicht den Euro verlassen dürfen. Das Wahlvolk wird dankbar sein.

Nach aktuellem Stand sollte sich der EFSF mit Staatsgarantien am Kapitalmarkt finanzieren. Wozu? Quatsch! Die EZB ist doch auch noch da. Inzwischen gab es bei den Stabilitäts-Herren aus der EZB ein Umdenken. Früher haben sie noch geschworen, keine Staaten direkt zu finanzieren. Nun haben sie bereits Staatsanleihen in Höhe von 156 Milliarden gekauft. Ein paar weitere Gesetzesbrüche, und dann kommt richtig Schwung in die Sache.

Und wenn die EZB wegen des Giftberges in Schwierigkeiten kommt? Unsinn! Dann wird sie von den Mitgliedsländern aufgepeppt. Jeder vierte der dafür nötigen Euronen kommt aus Deutschland. Doch das muss nicht sein, denn: Die derzeit schlechten Anleihen sehen bald wieder kerngesund aus, zumindest nach außen, denn das Rettungsmonster treibt mit seinen Käufen Anleihekurse nach oben und Renditen nach unten. Super! Das perfekte Perpetuum mobile.

Wünsch Dir was!

Könnte das Rettungsmonster mit Banklizenz nicht noch etwas mehr tun? Zum Beispiel Banken stützten und Wirtschaft ankurbeln? Ganz nebenbei steigt die Geldmenge und generiert einen Wohlstandseffekt, wenn die Aktien dann endlich wieder Flügel bekommen. Dass es im Alltag teurer wird, lässt sich bestimmt auf die bösen Spekulanten an den Ölmärkten schieben. Etwas Inflation sollte uns die Sache schon wert sein. Notfalls kehrt man sie unter den Teppich. Außerdem hat man den bösen Spekulanten aus fernen Ländern eine richtige Harke gezeigt… (Seite 2)

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