Widerspenstige im Norden – Einsichten im Westen

20. April 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart-Investor

Die Isländer lehnten es vergangene Woche ein zweites Mal ab, für die Verluste der Briten gerade zu stehen, die Finnen entdecken ihre „wahre“ Natur und der Ratingagentur Standard & Poor’s scheint zu dämmern, dass die USA ein Schuldenproblem haben könnten.

Aller guten Dinge sind drei

Dass sich die Isländer schon wieder geweigert haben, für die Spekulationsverluste andere Nationen geradezustehen, ist schon ein starkes Stück – wo kämen wir denn da hin, wenn sich jeder dermaßen unsolidarisch verhalten würde? Nun gilt es ein wenig abzuwarten, um dann auf ein bewährtes Rezept zurückzugreifen, nämlich die Abstimmung einfach ein drittes Mal durchzuführen. Irgendwann werden es diese störrischen Wikinger schon begreifen: Es liegt im Interesse aller Beteiligten, wenn sie die Verluste der nicht-isländischen Anleger schultern, welche durch das mangelnde Risikobewußtsein derselben entstanden sind.

Schließlich handelt es sich dabei ja nur um lächerliche 40% des isländischen Bruttoinlandsprodukts. Außerdem gibt es für die Zustimmung auch ein kleines Leckerli: Dann nämlich winkt die Aufnahme in das Elysium der Solidarität, jenen Hort der Einheit, in welchem die Schwachen von den Starken gestützt werden und jeder nur auf das Gemeinwohl schaut – die Europäische Union! Hier konnte endlich das Marx’sche Ideal des „Jedem nach seinen Fähigkeiten und nach seinen Bedürfnissen“ verwirklicht werden: die einen bedürfen halt etwas mehr und dafür sind die anderen befähigt für diese mehr zu arbeiten und zu zahlen…

Finnen seien dagegen sehr

Diese Idylle wurde am vergangenen Wochenende – man wagt es kaum zu sagen – schon wieder von irgendwelchen Nordlichtern gestört. Es waren die Finnen, die sich erdreisteten eine ganz schlimme und noch dazu rechtspopulistische (!!!) Partei („Die wahren Finnen“) zu wählen und damit das übrige Europa gehörig aufgeschreckt haben, allen voran jene bedauernswerten Staaten, welchen missgünstige Menschen das Kürzel „PIIGS“ verpasst hatten. Nun ist natürlich die Sorge groß: All die schönen Rettungsschirme, die zum Wohle der Völker (also den Banken und EU-Bürokraten) aufgespannt wurden, könnten durch ein kleines finnisches „Ei“ (finnisch für Nein) erledigt sein.

Vielleicht sollte in Brüssel darüber nachgedacht werden, ob man nicht auch ungünstig ausgegangene Parlamentswahlen einfach per Dekret wiederholen lassen könnte. Die Märkte jedenfalls reagierten ein wenig verschnupft und der Euro gab recht deutlich gegenüber dem US-Dollar nach. „Dollar“ ist übrigens ein schönes Stichwort und führt uns direkt über den großen Teich in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten…

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