What’s The Problem, Folks?

24. Juni 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Ronald Gehrt 

Warum sind die Aktienmärkte, Gold und Anleihen in den letzten Tagen so eingebrochen? In den Medien fanden wir die angebliche, einfache Lösung: Der Bernanke war’s, der Unhold. Er hat schreckliche Dinge nach der Notenbanksitzung am Mittwoch von sich gegeben und deswegen wurde flugs alles verkauft, was sich verkaufen ließ. Ich sage: Das ist ein wenig zu kurz gedacht, wenn nicht gar dummes Zeug…

Ich kann in einem solchen Marktkommentar nicht ausführlich all das erläutern und mit Charts belegen, was in meinen Augen beweist, dass es, speziell bezogen auf die Aktienmärkte, zu einem Großteil der Verfalltermin am Freitag war, der zu diesen massiven Verkäufen führte. Aber ich werde zumindest versuchen, einige Aspekte aufzuzeigen. Der Rest, bezogen auf Anleihen und Gold, war blanke Hysterie. Aber zuerst zum Thema Notenbank.

Nun ist es schon durchaus richtig, dass eine spürbare Verringerung oder gar Beendigung der Anleihekäufe durch die US-Notenbank zu höchst unerfreulichen Problemen führen wird. Aber Bernanke hat ja nichts anderes gesagt, als jeder ohnehin hätte wissen müssen. Nämlich, dass man wie geplant die Anleihekäufe reduziert oder einstellt, sobald die US-Wirtschaft nach Ansicht der Notenbank hinreichend stark wächst, um auf eigenen Beinen zu stehen. Aber er hat keinerlei Termin genannt, sondern nur in der Pressekonferenz festgestellt, dass es selbstverständlich auch schon im Herbst zu einer Verringerung des „Quantitative Easing“ kommen könnte, falls die US-Wirtschaft im selben Tempo und stabil weiter wachsen würde wie es in den letzten Wochen der Fall war. Aber solange die Notenbank diese konjunkturelle Stabilität vor allem an der Arbeitslosenrate festmacht, ist nicht gerade damit zu rechnen, dass solche Reduzierungen der momentan 85 Milliarden US-Dollar pro Monat umfassenden Käufe tatsächlich schon im Herbst starten. Davon abgesehen, dass die Notenbank genauso wenig imstande ist, die konjunkturelle Entwicklung vorherzusagen wie die Banken oder unsereiner, was sie schon oft bewiesen hat. Es kommt allerdings noch ein weiterer Faktor hinzu, der eine nennenswerte Verringerung des „Quantitative Easing“ ziemlich unwahrscheinlich macht:

Sie können es gar nicht riskieren, das zu tun! In Wahrheit ist ja die Notenbank genauso den Börsen verpflichtet sie offiziell auf das Wirtschaftswachstum und die Inflation zu achten hat. Und dementsprechend lautet die tatsächliche Vorgabe, dass man nur dann die Anleihekäufe reduzieren oder einstellen kann, wenn die US-Wirtschaft und die Aktienmärkte auf eigenen Beinen stehen können. Und genau das ist eben nicht der Fall und wird es auch nicht sein, wenn die Konjunktur stärker zulegen sollte. Und da verbirgt der Haken, auf den manch einer nach dem Mittwochabend hysterisch reagiert hat, aus Angst, sie würden es trotzdem tun.

Eine auf dem Papier solide wachsende US-Wirtschaft ist eine Seite der Medaille. Aber solange es nicht wirklich zu einer Stärkung des Konsums, des Wohlstands der US-Bürger insgesamt und einer nennenswerten Reduzierung der Schuldenstands kommt, wächst der Bedarf an Refinanzierung seitens der Unternehmen, vor allem aber seitens des Staates immer weiter. Also würde ein Wegfall der künstlichen Stützung durch die Käufe der Notenbank bedeuten, dass immer mehr neue Anleihen auf dramatisch geringere Nachfrage treffen. Daraus folgt natürlich, dass man das Zeug nur noch los wird, wenn man deutlich höhere Zinsen bezahlt. Das bedeutet zum einen auf einmal wieder massive Konkurrenz für die Aktienmärkte. Und es bedeutet, dass die Verschuldung des US-Staatshaushalts, die ja immer noch nicht auch nur ansatzweise in den Griff bekommen wurde, auf einmal in einem exponentiellen Tempo steigt, wie wir das beispielsweise in Spanien oder Italien erlebt haben, als die Anleihezinsen plötzlich dramatisch nach oben gingen. Darüber hinaus bedeuten steigende Kreditkosten natürlich zugleich einen Dämpfer für das Wachstum und damit Druck auf die Unternehmensgewinne. Tja …

… das ist eben der Haken, den man sich mit der Flut billigen Geldes für jedermann außer den Bürgern eingebrockt hat. Die Bilanzen der Notenbank blähen sich in einem unglaublichen Tempo auf, aber ein Zurück gibt es nicht mehr. Und man darf nicht vergessen, dass die Märkte, sollte es tatsächlich dazu kommen, selbstverständlich genau so in die Gegenrichtung übertreiben werden, wie sie es zuletzt am Aktienmarkt getan haben, als sie sich des Zuflusses billigen Geldes sicher waren. In der Tat wäre mit einer brutalen Rezession und einer Baisse am Aktienmarkt zu rechnen, würde es dazu kommen. Anders ausgedrückt: Es würde genau das passieren, was sowieso passiert wäre, wenn man diesen Blödsinn gar nicht erst angefangen hätte. Denn es ist so, wie man es seitens der warnenden Stimmen über all die Jahre hat vernehmen können: Die Notenbanken haben der Politik Zeit erkauft. Und die Politik hat sie nicht genutzt. Was bedeutet:

Auch nur eine Verringerung des Umfangs der Anleihekäufe käme einem wirtschaftlichen Selbstmord gleich. Dass diese Anleihekäufe als solche den Zusammenbruch dieses auf steigende Schulden und dauerhafte Expansion ausgelegten Wirtschaftssystems der westlichen Welt nur herausgezögert haben, ist dabei die Ironie der Geschichte. Und nicht zuletzt deswegen hat Mario Draghi ja zwei Tage vor der Sitzung der US-Notenbank noch einmal unterstrichen, dass seitens der EZB eine Veränderung der lockeren Geldpolitik momentan in keiner Weise anstehen würde.

Fazit

Ich bezweifle sehr, dass Ben Bernanke und die Mitglieder des Offenmarktausschusses der US-Notenbank wirklich nennenswert an diesem Rädchen drehen werden, dass den Herzschrittmacher für dieses gesamte wacklige Kartenhaus darstellt. So betrachtet mag man auf eine eigentlich unausweichliche Konsequenz hysterisch reagiert haben, weil man sie zuvor wunderbar und über Jahre hinweg verdrängen konnte. Aber dass sie eintritt, halte ich für kurzfristig unwahrscheinlich. Also, wo ist das Problem?

So, aber jetzt zum eigentlichen Punkt, der meines Erachtens ausschlaggebend für den Kursrutsch an den Börsen seit Mittwochabend war. Es war eine extrem seltene, ungewöhnliche Konstellation, dass die Bekanntgabe des Ergebnisses der US-Notenbanksitzung zeitlich so eng mit einem Verfalltermin an den Aktienmarkt-Terminbörsen zusammenfiel, eher auch noch ein „großer“ war, spricht nicht nur die Optionen, sondern auch die Futures erfasste. Und das war die entscheidende Basis dafür, dass es an den Aktienmärkten zwischen Mittwochabend und Freitagabend so dramatisch abwärts ging.

Ich möchte voranschicken, dass diese Dinge grundsätzlich natürlich weitaus komplexer sind als ich sie hier auf engstem Raum darstellen kann. Über Futures und Optionen und vor allem über die möglichen Strategien und den Umgang damit sind Bücher gefüllt worden. Was folgt, ist also eine sehr vereinfachte Darstellung dessen, um was es in den letzten Tagen ging.

Die großen, kapitalkräftigen Spieler an den Terminbörsen, meinst Banken als Eigenhändler oder Hedge Funds, agieren am Optionsmarkt gerne als Stillhalter. Das heißt, sie sind diejenigen, die Optionen an die Marktteilnehmer verkaufen. Das Ziel dieser großen Adressen ist damit logischerweise, dass diese Optionen zum Abrechnungstermin wertlos verfallen und sie dadurch den eingenommenen Verkaufspreis komplett als Gewinn verbuchen können. Gelingt das nicht, drohen dramatische Verluste, die durchaus auch mal das Zehnfache des eingenommenen Verkaufspreises ausmachen können. Aber man weiß sich ja zu helfen… Wie? (Seite 2)

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Ein Kommentar auf "What’s The Problem, Folks?"

  1. FDominicus sagt:

    Ich fasse mich kurz.
    Was das Problem ist?
    Sehr einfach die Zentralbanken und die SED 2.0 aber sonst ist alles paletti.

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