Wettpumpen bis es knallt

24. Januar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Während wir doch so freudig die Tankstellen besuchen und uns über niedrige Spritpreise freuen, hat dieses Wohlgefühl eine unsichtbare und gefährliche Kehrseite. Vielleicht währt die Freude nicht mehr lang?

Denn am Ölpreis hängen ja nicht nur große Ölfirmen und die Finanzen der ölfördernden Staaten, sondern auch hunderte Milliarden an Krediten und noch größere Wetten darauf. Zwischen 2010 und 2014 haben die Energieunternehmen für 550 Milliarden US-Dollar Anleihen ausgegeben, von denen immr mehr wie Fallobst vor sich hinschimmeln.

Es betrifft ja nicht nur Rohöl. Im gesamten Rohstoffsektor wanken selbst jetzt die großen Player. Wer Schulden zurückzahlen muss, der braucht Einnahmen. Bei gefallenen Preisen wird entsprechend mehr gefördert. Oder gar nicht mehr. Eine Pleitewelle würde eine Kettenreaktion auslösen und damit eine nächste Finanzkrise. Erinnern wir uns: Als 2007 in den USA die Hauspreise fielen, begannen all diese Kreditpapiere den gesamten Finanzmarkt anzuzünden und fackelten zum Höhepunkt die Lehmann-Brüder ab. Ist der Ölmarkt groß genug, um ein weiteres Fiasko auszulösen?

Tatsache ist, täglich werden 1,5 Millionen Barrel zu viel Öl gefördert. Nach dem Ende der Iran-Sanktionen kommt noch mehr Öl auf den Markt. Wohin damit? Die Lager sind randvoll, die Preise auf 12-Jahrestief und über dem Finanzmarkt weht schon eine dunkle Rauchsäule.

Die Sorge vor einer nächsten Finanzkrise kostete den DAX zeitweise 1.400 Punkte in nur drei Wochen. Die Gewinne aus dem Nichts verschwanden dorthin wieder. Dabei sollte doch der DAX weiter steigen. Gefühlt ist er das ja auch. Oder nicht? Vom Tief ist er mit dem steigenden Ölpreis 500 Punkte vorangekommen, aber das Problem ist noch da.

Viel Unsinn wurde erzählt. Die Wirtschaft Chinas… die weltweiten Wachstumsprognosen… Gewinnmitnahmen…. Risikoscheu… Zinsangst… Blah… Die eigentliche Gefahr aber liegt in der weltweiten Überschuldung. Seit 2007 ist der weltweite Schuldenberg um über 60 auf mehr als 200 Billionen US-Dollar gewachsen und damit die potentielle Fallhöhe noch größer geworden. Manch Experte ruft aus Sorge um Job und Pfründe schon wieder nach den Zentralbankern, den eigentlichen Verursachern von Finanzkrisen durch Kreditblasen.

Eine junge, aber schon sehr wichtige Wirtschaftsjournalistin fragte mich, warum ich dagegen sei, dass die Notenbanken „mit Augenmaß“ den Absturz der Börsen bremsen. Vielleicht nur, weil die Verursacher der Probleme das alles noch schlimmer machen? Die jungen Leute eben….

Es scheint aber sicher, als wolle die EZB in Kürze noch mehr frisches Geld drucken. Japan ist ohnehin nicht zimperlich und die Chinesen sind jetzt auch mit dabei. Vermutlich kommt 2016 auch die USA wieder mit hinzu. Irgendwann werden die dann noch größeren Blasen der Welt ihre Nadel finden.

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte: , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar