Wetten, bis der Margin Call kommt!

6. Februar 2014 | Kategorie: Gäste

von Volker Schnabel

Zu Jahresbeginn erreichte der im Bezug auf die US-Aktienmärkte allwöchentlich von Investors Intelligence unter den Investoren ermittelte Optimismus ein Niveau, welches alle nach 1987 gesehenen Höchststände übertraf…

Selbst am Höhepunkt der Internet- und Technologieaktienmanie im Frühjahr 2000 gab es deutlich mehr Pessimisten als heute, was auch erklärt, dass die Wertpapierkreditspekulation in den USA inzwischen rekordhohe 445 Mrd. USD erreicht hat.

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Offenkundig glaubt nun fast jeder der in den letzten Jahren von der US-Notenbank mit Liquidität im Überfluss verwöhnten „Bullen“, dass es im Jahr 2014 nur noch gilt, Kurszuwächse und Dividenden – quasi risikolos – einfach „abzuholen“. Befeuert wird die ausgelassene Stimmung dabei jedoch nicht nur durch den unerschütterlichen Glauben der Investoren an die Allmacht der Notenbanken, sondern auch durch eine scheinbar solide Gewinnsituation der US-Unternehmen.

Doch was auf den ersten Blick wie eine fundamental gut gestützte Entwicklung anmuten könnte, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als wenig nachhaltig. Denn nicht so sehr die Ausweitung des realen Geschäftsvolumens war für die Gewinnsteigerungen der obendrein auf historischen Rekordmargen operierenden Unternehmen verantwortlich, sondern vornehmlich die Reduzierung des frei handelbaren Aktienangebots.

Allein im Jahr 2013 kauften die im S&P500 gelisteten US-Unternehmen eigene Aktien im Volumen von etwa 500 Mrd USD zurück, und das auch noch überwiegend auf Pump, so dass die ausstehende Verschuldung des amerikanischen Unternehmenssektors im Zuge dieser Bilanzkosmetik mit nunmehr 9,56 Billionen USD (3Q2013) ein neues historisches Allzeithoch erklomm!

„Eine Hausse wird im Pessimismus geboren […] und stirbt in der Euphorie.“ (André Kostolany, 1906-1999, Börsenspekulant und Schriftsteller)

In der Öffentlichkeit geben sich zwar viele US-Manager betont optimistisch, denn anders ließen sich die – Boni und Risiko steigernden – gigantischen, kreditfinanzierten Aktienrückkäufe schließlich kaum begründen, aber diverse Insider-Barometer zeigen, dass just dieselben Unternehmenslenker gleichzeitig auf der privaten Ebene das hohe Aktienkursniveau massiv zum Verkauf eigener Positionen nutzen. Ein Schelm, wer nun böses dabei denkt… (Seite 2)

 

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Ein Kommentar auf "Wetten, bis der Margin Call kommt!"

  1. Lickneeson sagt:

    Langsam verkommen die Märkte zu einer Blasenkollektion. Neben Staatsschuldenkrisenblasen, Anleiheblasen kommen auch noch Kreditaktienblasen hinzu. Ein hochinteressantes Gemisch, dessen Implosion man sich nicht mal im Entferntesten vorstellen kann (mag).

    Am Ende werden wir neben bankrotten Staaten und Banken also auch eine Menge Privatleichen auf dem Parkett haben. Aber wie sagte mein Namensvetter im Film über sich und den Untergang der Barings Bank:

    „Der ganze Markt ist doch ein einziges Casino“

    MfG

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