Wertpapierkredite auf Rekordniveau – Höchste Gefahrenstufe an den Aktienmärkten

1. Juni 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Claus Vogt

In ihrer Gesamtheit befinden sich die mittel- bis langfristigen Aktienmarktindikatoren, die in der Vergangenheit gerade für konservative Anleger hervorragende Dienste geleistet haben, längst auf einem Extremniveau. Ohne an dieser Stelle auf Details eingehen zu können, lässt sich das aktuelle Marktgeschehen nur noch mit einigen wenigen historischen Episoden vergleichen. Und die haben es in sich…

· 1929: Es folgte ein spektakulärer Aktiencrash von 50%, der sich als Auftakt der Weltwirtschaftskrise erweisen sollte. In der Spitze verlor die US-Börse 90%.

· 1972: Es folgte eine zyklische Baisse, in deren Verlauf sich die Kurse halbierten.

· 1987: Erneut kam es zu einem Aktiencrash mit Kursverlusten von gut 40%.

· 1999/00: Der S&P 500 halbierte sich, während NASDAQ, DAX und Neuer Markt erheblich größere Verluste hinnehmen mussten.

· 2007: Die Kurse halbierten sich. Massive staatliche Interventionen konnten Schlimmeres verhindern.

· 2011: Nachdem der S&P 500 rund 20% verloren hatte, setzten massive staatliche Interventionen ein. Erneut gelang es, den begonnenen Bereinigungsprozess aufzuhalten.

· 2012/13: Die Indikatoren signalisieren schon wieder allerhöchste Gefahr.

Auf dem folgenden Chart des Weltleitindex‘ S&P 500 können Sie die Qualität dieser Signale nachvollziehen.

S&P 500 Index, 1925 bis 2013

cv-11

Meine Aktienmarktindikatoren signalisieren allerhöchste Gefahr. Quelle: www.decisionpoint.com

Wie immer in Zeiten euphorischer Aktienmarktspekulation werden diese Warnungen in den Wind geschlagen. Dieses Mal sei alles anders, heißt es. Die Aktie sei alternativlos, so hört man allenthalben. Und die planwirtschaftlichen Maßnahmen der Zentralbanknomenklatura hätten den Wirtschaftszyklus oder wenigstens den Börsenzyklus abgeschafft, so der erste Glaubenssatz der Anhänger des Gelddruckmaschinenkults.

Ich teile diese Meinungen nicht. Ich gehe stattdessen davon aus, dass auch diese Spekulationsblase platzen wird. Und gerade weil die Zentralbankbürokraten die Märkte so massiv manipuliert haben, befürchte ich das Schlimmste.

Der Gelddruckmaschinenkult ist eine kuriose Massenhysterie

Seit Alan Greenspan 1987 an die Hebel der US-Gelddruckmaschine gelassen wurde, haben die geldpolitischen Planwirtschaftler weltweit das Kommando übernommen. Sie haben eine geld- und staatsschuldenpolitisch angetriebene Krisenspirale erzeugt, an deren Ende der Zusammenbruch des Weltfinanzsystems stehen wird – mit allen negativen Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft.
All das ficht die Zentralbankgläubigen zurzeit nicht an. Trotz der Erfahrungen der Jahre 2007 bis 2009 scheint der Gelddruckmaschinenkult populärer zu sein als je zuvor. Ich bin mir sicher, dass er als eine der kuriosesten Massenhysterien aller Zeiten seinen Platz in der Finanzmarktgeschichte finden wird…

Neuer Rekord beim Spekulieren auf Kredit

In den vergangenen Monaten konnte ich fast wöchentlich von Finanzmarktindikatoren berichten, die auf Extremwerte gestiegen sind oder gar neue Rekorde aufgestellt haben. Jetzt ist es die Summe der US-Wertpapierkredite, der dieses Kunststück gelungen ist.
Diese Kennzahl wird von der New York Stock Exchange veröffentlicht und veranschaulicht das Ausmaß, in dem an den Aktienmärkten auf Kredit spekuliert wird. Die Summe der US-Wertpapierkredite ist per Ende April auf das Rekordhoch von 384,4 Mrd. Dollar gestiegen. Der alte Rekord wurde mit 381,4 Mrd. Dollar im Juni 2007 aufgestellt. (Seite 2)

 

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4 Kommentare auf "Wertpapierkredite auf Rekordniveau – Höchste Gefahrenstufe an den Aktienmärkten"

  1. Thomas sagt:

    Ich bleibe dabei, der große Crash käme zu früh. Noch nicht jetzt. Dafür ist geldpolitisch noch ein zu großer Spielraum vorhanden. Abseits aller Signale, mein Bauchgefühl sagt bei allem theoretischen Kenntnissen (Crack-up Boom), welche wir haben, dass es noch wesentlich weiter nach oben gehen kann. Allein deshalb, weil bis zu diesem Zeitpunkt lediglich Japan alle Schleusen geöffnet hat. Aber wehe dem eine Karte fällt, dann geht’s ab… Und die Praxis hat eben auch gezeigt, dass alles sehr schnell und ungeordnet ablaufen kann. Dann helfen keine planwirtschaftlichen Spielereien mehr, es zählen die Gesetze des Marktes.

    • samy sagt:

      Hi,

      die gute alte Diskussion, kommt zuerst die Deflation oder die Inflation? Die meisten Argumente sind seit 2008 ausgetauscht und trotzdem keine Richtung erkennbar. Alle haben gute Argument. Aber ab und an liest man doch noch Artikel, die stimmen einen nachdenklich. So notiert die Geldumlaufgeschwindigkeit (M2) in den USA angeblich auf dem niedrigsten Niveau seit 50 Jahren (!). Wie kann das sein? Die Schulden haben sich unter Obama nahezu verdoppelt, aber die Umlaufgeschwindigkeit sinkt? Gut, die Kraft des Rheines macht nicht nur seine Fliessgeschwindigkeit aus, sondern auch die Wassermenge. Sprich die Geldmenge im System.
      Aber auch hier fliesst „Wasser“ ab. Die Aussenhandelsbilanz der USA ist derzeit mit 500 Milliarden Dollar jährlich negativ. Mehr Geld(mengen) verlassen in diesem Umfang das Land als reinkommen. Angeblich 8 Billonen Dollar seit 1975. Sie verlassen das Land, weil andere Länder effizienter wirtschaften, somit reale Güter preiswerter anbieten.

      Die USA können also unendlich Staatsschulden anhäufen (Wassermengen), um das System am Laufen zu halten. Sie können aber kein Kapital in die produzierenden Sektoren der Volkswirtschaft locken (Wasser auf den Mühlrädern).

      Wie fühlt sich eigentlich eine Stagflation an und wie endet sie? Die Japaner müssten es bald erfahren.

  2. macsoja sagt:

    Ich hab nicht verstanden welche Aktienmarktindikatoren „allerhöchste Gefahr“ signalisieren.

    Das Bild auf S. 1 zeigt, dass die Märkte, die irgendwann über den Trend stiegen irgendwann mal wieder zurück kamen.
    Nach der Konsolidierung 99/00 sogar wieder nach oben drehten.

    Also ich kann daraus keine akute Gefahr herauslesen.
    Das kann genauso noch 2-3 Jahre in eine Übertreibung steigen, bis es dann eben doch zurück kommt.

    Warum schreibt der Autor von „meine Indikatoren“, wenn die Seite http://www.decisionpoint.com von Carl Swenlin betrieben wird.

    +++

    Das sich die Aktienmärkte von der Realwirtschaft und vor allem von der Industrie abgekoppelt haben, ist keine Neuigkeit.
    Aber keiner weiß wie lange und wie hoch das noch so weitergeht.

    Aller Länder versuchen verzweifelt ihre Währungen abzuwerten, ohne groß aufzufallen und das Inflationsgespenst zu wecken.
    Mit günstigen Warenkörben (voller Elektronik) gaukelt man eine Inflation in den gewünschten Grenzen vor, während die Butter um 20% gestiegen ist und der Strom gleich mit.

    Aber die Massen werden immer mehr und besser lenkbar und man kann es mit keiner Situation vergleichen, so dass niemand weiß, wann und wie der Groschen fällt.

    Vielleicht kommt die Bewegung/Reaktion gar nicht von den Märkten, weil man sich dort eine Scheinwelt aufgebaut hat, sondern von den Strassen, wo die desillusionierten Jugendlichen ohne Perspektive landen und beginnen, die Autos der „anderen“ abzufackeln.

  3. purity sagt:

    Es bleibt spannend! 😀
    So hoch finde ich viele KGVs noch nicht. Wenn sich die Wirtschaft abschwächt, mag sich das noch ändern. Früher konnte man dann einfach mal in die Anleihen wechseln, die bringen aber zur Zeit keine real positiven Erträge. Der Derivatemarkt ist gigantisch und könnte ja auch noch zu Umschichtungen in reale Werte wie Aktien führen. Die extreme Gelddruckerei macht denen Sorgen, die Geld besitzen. Also bleibt die Flucht in Aktien, Immobilien und Edelmetalle.
    So gesehen könnte die Party am Aktienmarkt noch eine Weile laufen. Und was machen die Ölscheichs und die Chinesen mit ihren Dollars? Die kaufen doch jetzt bestimmt auch lieber Aktien?

    http://www.focus.de/finanzen/news/tid-31418/winzling-auf-weltmachtkurs-teil-1-wie-katar-sich-mit-oel-milliarden-zur-globalen-wirtschaftsmacht-aufschwingt_aid_998255.html

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