Werden Strafzinsen salonfähig?

15. August 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die armen Reichen! Die ersten Banken verlangen inzwischen einen Strafzins von Kunden mit zu viel Geld auf dem Konto. Sie nennen das auch noch „Verwahrungsgebühr“ So ein Unsinn!

Dabei verwahrt eine Bank kein Geld, höchstens als bares Geld im Tresor. Wer aber Geld auf dem Konto bunkert, hat seiner Bank, ohne zu wissen oder zu ahnen, einen Kredit gegeben. Er besitzt also eine Forderung ihr gegenüber. Man vertraut darauf, dass sie das Geld jederzeit wieder rausrücken wird. Klingt kompliziert, ist aber wichtig zu wissen.

Wie sollen es Banken auch sonst nennen? Staatlich befohlenen Raub?

Wenn Banken mit dem Geld der Sparer nichts anzufangen wissen, müssen sie es für 0,4 Prozent Strafzins bei der EZB einzahlen. Die meisten Banken scheuen sich aber, die Kosten an ihre Kunden weiterzureichen. Erst einmal erhöhen sie die Kontogebühren oder erfinden neue Dienstleistungen. Doch es steht zu befürchten, dass irgendwann auch Strafzinsen auf Guthaben salonfähig werden.

Auf deutschen Konten liegen etwa zwei Billionen Euro herum, während es aber in ganz Europa nur eine Billion Euro Bargeld gibt. Kämen nur die deutschen Bankkunden auf die Idee, sich das Geld auszahlen zu lassen, müsste das erst gedruckt werden. Von wegen „Verwahrung“!

Das Dumme ist, die Banken wissen nicht, wem sie das Geld verleihen sollen. Diejenigen, die Geld haben, brauchen keine Kredite. Und diejenigen ohne Geld, bekommen keinen Kredit – warum auch? Die Vorgaben seitens der Aufsicht sorgt allein schon dafür, dass in diesen Zeiten die Suche nach neuen Kreditnehmer sich immer schwieriger gestaltet.

Erstaunlich ist vor allem, dass sich niemand aufregt, wenn die EZB die Kaufkraft des Geldes planmäßig um zwei Prozent im Jahr schreddert. Bei etwaigen Strafzinsen auf einen Kredit an die Bank wird der Irrsinn unseres Geldsystems offenkundig. Man bekommt von der Bank weniger zurück, als man eingezahlt hat. Vielleicht gewöhnt man sich ja daran wie an so manche Dinge, die früher undenkbar waren. Die Leute lassen heute doch fast alles mit sich machen. Sie wollen offenbar betrogen werden, obwohl spätestes beim Geld diese Freundschaft wirklich aufhören sollte.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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