Werden Sie Spekulant (Manfred Gburek)

17. Mai 2009 | Kategorie: Kommentare

Ist es Ihnen in den vergangenen Tagen nicht auch so gegangen: Sie haben aufmerksam die bis ins letzte Detail ausgefeilten Erläuterungen zur Funktionsweise der „Bad Banks“ verfolgt und sich schließlich trotzdem gefragt, was solche Institutionen für Sie persönlich bedeuten? Oder warum mancher Kommentator sie in der Bildersprache „Müllkippen für toxische Papiere“ nannte, ohne zu erklären, dass deren Gift am Ende von den Steuerzahlern geschluckt werden muss?

Kein Zweifel, Bad Banks (sinngemäß: Banken zur Verbuchung fehlgeschlagener Kreditgeschäfte) sind wahrlich bad (schlecht), weil sie in den kommenden Jahren Umverteilungsinstrumente zulasten der Steuerzahler sein werden. Sie haben zwar auch gute Seiten, nur kommen die primär den Banken zugute, die ihren Müll in Zukunft auslagern dürfen.

Wenn dazu noch ein Beweis nötig gewesen wäre, er hätte nicht imponierender ausfallen können als mit dem Kursanstieg der Aktien von Commerzbank und Deutscher Bank: seit dem diesjährigen Tief bis zum Schlusskurs am Freitag, 15. Mai, um beachtliche + 126% für die Commerzbank und sogar + 138 % für die Deutsche Bank. Und das, obwohl bisher noch niemand weiß, in welchem Umfang Geschäftsbanken von den Bad Banks Gebrauch machen werden. Die nicht börsennotierten Landesbanken werden das umso mehr tun, sobald das entsprechende Gesetz für sie in Kraft getreten ist. Klar, denn sie gehören ja indirekt den Steuerzahlern, sollen die also doch für die unverantwortlichen Milliardenspiele der ehemaligen Vorstände von BayernLB, WestLB, HSH Nordbank, LBBW, SachsenLB usw. aufkommen.

Das ist keinesfalls nur Sarkasmus, so ticken und spekulieren die maßgebenden Landespolitiker wirklich – und mit ihnen die Bundespolitiker, die vermeiden wollen, dass das Volk wegen der verspielten Milliarden noch vor der Bundestagswahl durch die Straßen zieht.

Womit wir bei einem weiteren zentralen Thema wären, das uns in den nächsten Jahren immer mehr beschäftigen wird: Wie lange lassen sich die deutschen Steuerzahler bzw. Bürger, speziell die Millionen um ihre Jobs bangenden oder schon gekündigten Arbeitnehmer, durch die salbungsvollen Worte der Politiker einlullen, von Kanzlerin Merkel über die um Opel-Arbeitsplätze feilschenden Landesfürsten bis zu den Parteisoldaten? Das kann nicht mehr lange sein. Denn wie das Rekordminus beim Bruttoinlandsprodukt von 3,8% im ersten Quartal 2009 verglichen mit dem letzten Quartal 2008 zeigt, kommen die Kriseneinschläge immer näher.

Sie werden in viel größerem Umfang deutsche Arbeitsplätze vernichten, als man sich das heute mit noch so viel Phantasie vorstellen mag, und sie werden erhebliche Zweifel am Sinn der staatlich subventionierten Kurzarbeit aufkommen lassen. Kurzarbeit senkt die Arbeitsproduktivität und damit die Wettbewerbsfähigkeit, in diesem Fall zu Lasten des Standorts Deutschland.

Ob die Rechnung der Politiker, solche gravierenden Probleme möglichst zu kaschieren und weitere Subventionsgeschenke zu verteilen, wirklich aufgeht, wird sich womöglich schon aus Anlass der Europawahl am 7. Juni herausstellen. Jedenfalls dürften danach die albernen Wortgefechte um Staatsschulden und Steuerschätzungen, die sich zurzeit die Politiker in Berlin liefern, immer weiter zunehmen. Das schließt natürlich Manöver zur Ablenkung von den wirklichen Problemen ein, wie etwa die verbalen Angriffe von Finanzminister Steinbrück gegen Steueroasen im allgemeinen und gegen die Schweiz im besonderen, gegen die bösen Bankmanager und die noch böseren Spekulanten, auf die sich zwecks Gewinnung von Wählerstimmen ja ganz einfach draufhauen lässt, zumal der Begriff Spekulant im generellen Sprachgebrauch anrüchig erscheint.

Dem kann ich nur entgegensetzen: Werden Sie Spekulant, sofern Sie es nicht schon längst sind, in des Wortes ursprünglicher Bedeutung (umherschauen, ausspähen, beobachten). Dieser Rat bezieht sich nicht etwa nur auf Börsengeschäfte, sondern auf alles, was Ihre finanzielle Zukunft betrifft. Dazu ein paar Beispiele: Die öffentlichen Haushalte sind – in EU-Ländern wie Italien, England oder Griechenland noch viel mehr als in Deutschland – so ramponiert, dass die Finanzierung der höheren Staatsschulden über kurz oder lang mit einem Zinsanstieg erkauft werden muss; meiden Sie also langlaufende Anleihen und setzten Sie auf Kurzläufer unter den deutschen Bundesanleihen.

Wenn die Volksseele in einem EU-Land zu kochen beginnt, werden soziale Unruhen auch auf andere EU-Länder übergreifen; dann gilt es, Haus und Hof mit allen legalen Mitteln zu schützen, Edelmetalle und wertvolle Gegenstände möglichst in mehreren sicheren Verstecken aufzubewahren und Reichtum nicht zur Schau zu stellen. Die Menschen in allen zivilisierten Ländern werden zwar immer älter, aber nur ein Bruchteil von ihnen sorgt individuell effizient für die Zeit nach dem Arbeitsleben vor; da kollektive Vorsorgesysteme wie die gesetzliche Rentenversicherung zum Versagen verurteilt sind, wird die Umverteilung von Reich zu Arm nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Rein rechnerisch müsste die Inflationsrate allein schon wegen des jüngsten Ölpreisanstiegs ihren Tiefpunkt in diesen Monaten erreichen; sobald sie steigt, erhöhen sich die Inflationserwartungen und mit ihnen die Preise von Gold und Silber, die wiederum Indikatoren für solche Erwartungen sind. Die Immobilienpreise werden später folgen, weil sie zu den nachlaufenden Indikatoren gehören.

Spielen Sie solche spekulativen Gedanken möglichst oft durch, um sich weitgehend vor bösen Überraschungen zu schützen. Ein Teil davon wird uns zwar ohnehin ereilen – sei es durch noch nicht zu ahnende Folgen der Wirtschaftskrise, sei es durch unvorhersehbare Katastrophen oder Kriege -, aber dann wird es umso wichtiger sein, mit den richtigen Gedankenspielen rechtzeitig wenigstens dem anderen Teil der Überraschungen vorgebeugt zu haben. Falls Sie hier übrigens weitere Ausführungen zum Thema Gold vermisst haben, empfehle ich Ihnen diesbezüglich meinen aktuellen Beitrag unter www.wiwo.de. Titel: „Mit Gold gegen die Krise“

Manfred Gburek, 15. Mai 2009

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