Werden sie es wieder tun?

22. Juli 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Ronald Gehrt  Viele Marktteilnehmer haben es noch nicht mal bemerkt, aber die ein wenig aufmerksameren beschäftigt jetzt, nachdem der Verfalltermin für den Monat Juli über die Bühne ist, die Frage: Wird die Trendrichtung des DAX und der meisten anderen wichtigen Aktienindizes bis zum nächsten Verfalltermin am 16. August erneut drehen – und damit dann das sechste Mal in Folge? Tja … warum nicht?

Argumente für fallende Kurse gäbe es genauso wie für eine Fortsetzung der Aufwärtsbewe-gung. Seitdem die Medien – meist mangels Durchblick – dazu übergegangen sind, einlaufende Nachrichten entsprechend der Kursbewegungen „passend zu machen“, um die alberne Gewohnheit aufrechtzuerhalten, den normalen Anlegern vorzugaukeln, dass es immer noch die wirtschaftliche Entwicklung sei, welche die Kurse an den Börsen dominiert und nicht die großen Adressen mit ihren computergesteuerten Handelsprogrammen, kann man noch mehr als zuvor so ziemlich jede Nachricht positiv oder negativ „gestalten“.

Gerade jetzt, wo bisweilen Gutes schlecht und Schlechtes gut ist, weil zu starkes Wachstum die Angst vor dem Zudrehen des Geldhahns durch die Notenbanken schürt und damit immer mal wieder die Kurse drückt, wo sie eigentlich steigen sollten … und man daher so manche schlechte Konjunkturzahl höchst beglückt aufnimmt … kann man all denen, die sich nicht der schrecklichen Belastung aussetzen wollen, etwas genauer hinzusehen, wunderbar ein X für ein U vormachen. Aber warum eigentlich dieser ganze Mummenschanz?

Was hat „man“ denn davon, wenn „man“ permanent versucht, die Trendrichtung der Aktienmärkte zu drehen? Wenngleich die großen Adressen, insbesondere die großen Spieler an den Terminmärkten, über gigantische Kapitalkraft verfügen, die großenteils von Sparern und Anlegern stammt, die keine Ahnung haben, was gerade mit ihrem Geld passiert (bei Hedgefonds lassen viele das sogar ganz bewusst zu, warum auch immer), wäre es doch im Prinzip billiger, einen starken Trend anzustoßen, ihm zu folgen und dafür zu sorgen, dass die Daytrader, seit jeher unbewusste Erfüllungsgehilfen der großen Adressen, im richtigen Moment kaufen oder verkaufen, um diesen Trend am Leben zu erhalten. Oder nicht?

Grundsätzlich ist das durchaus richtig. Aber nicht, wenn man das tiefere System der Terminmärkte oder besser der Derivatemärkte insgesamt betrachtet. Das Argument, dass man des Optionsmarkts wegen doch nie im Leben einen solch einen Terz veranstalten muss, da dieser in Deutschland doch sowieso sehr an Bedeutung verloren hat, ist nur teilweise richtig. Denn in den USA sind Optionen neben den Futures immer noch die einzigen wichtigen Derivate – und auch hierzulande geht es eben nicht nur um Optionen, sondern auch um die komplexen Positionsstrukturen bei Futures, CFDs, Zertifikaten und Optionsscheinen.

Ob es nun um Optionen geht, bei denen die großen Adressen in der Regel als Stillhalter fungieren, um Zertifikate oder Optionsscheine, die eine begrenzte Laufzeit aufweisen: Immer fährt der Verkäufer natürlich am besten, wenn diese Derivate zum Stichtag wertlos verfallen. Denn dann ist all das, was er bei der Emission respektive dem Verkauf dieser Instrumente eingenommen hat, Gewinn. Also ist es für all diejenigen, die auf der anderen Seite der Theke stehen wie die Anleger, ein ideales Szenario, wenn die Basiswerte am entsprechenden Stichtag beziehungsweise Verfalltermin dort notieren, wo sie ganz überwiegende Zahl der Anleger nicht vermutet hat.

Und hier kommt man dann zu dem verblüffenden Schluss, dass die Anleger selbst gar nicht mal so unschuldig daran sind, dass die Aktienindizes in den letzten Monaten permanent Zickzackkurs fahren. Sehen Sie sich dazu einfach mal den folgenden Chart des DAX an, bei dem die Verfalltermine seit letzten Oktober mit einem roten Kreis dargestellt sind. Versetzen Sie sich einfach mal drei Monate zurück …

rg-1

Der Verfalltermin im April. Der DAX ist seit dem Verfalltermin im März vier Wochen lang recht dynamisch gefallen. In den Medien ist die Eurokrise wieder in die Schlagzeilen geraten. Die Konjunkturdaten der vergangenen Wochen waren alles andere als umwerfend. Und aus charttechnischer Sicht ist die zu diesem Zeitpunkt angelaufene 200-Tage-Linie höchst gefährdet. Die Stimmung ist nach vier Wochen mit mehrheitlich fallenden Kursen miserabel. Wer geht ausgerechnet zu einem solchen Zeitpunkt davon aus, dass der DAX auf dem Absatz kehrt machen und die nächsten vier Wochen massiv steigen wird? (Seite 2)

Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

Ein Kommentar auf "Werden sie es wieder tun?"

  1. Michael sagt:

    Ja. Sie werden damit nicht aufhören. Wenn sie den DOW anschauen. Der Zeitraum ab 2006 bis zur Korrektur auf einem Langfristchart erinnert verflixt an die letzen Monate/Jahre. Etwas steiler der Anstieg. Auch wenn die Volumina, so sie wirklich gering sind, das Pushing geht weiter.

    Und womit verdient man in Märkten in denen kaum ein neuer Kunde mehr erscheint. Man verkauft sich die Früchte untereinander, verspeist die eigene Ware, macht Umsatz und Gewinne allemal auch Verluste. Wenn mal Kunden kommen, dann bekommen die das faule Gemüse zum hohen Preis und die Händler gehen zufrieden nach Hause. Alles verkauft und Geld in der Tasche. Das ist mehr oder weniger der Aktienmarkt heute.

    Aus meiner Sicht für Privatanleger eher schon mal schlau die Ausstiegsoption zu prüfen und etwaige bescheidene zukünftige Zugewinne zu Gunsten des längerfristigen Ertrags aus dem Kauf nach dem 2008 Crash hinten anzustellen. Es war letzes mal schon eher knapp in DAX … mit Mühe hat sich die Funktion wieder nach oben orientiert. Bei so ca. 7800 war es knapp. Aber solange im DOW nix passiert …

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.