Wer wär‘ nicht gerne Millionär?

13. Oktober 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Heute ein Millionär zu werden, ist leichter denn je geworden. Versuchen Sie es aber besser nicht mit normaler Arbeit. Auch der Überfall einer Bank ist wenig empfehlenswert. Dann schon eher die Gründung einer selbigen… 

Laut einer Studie der Credit Suisse gibt es hierzulande inzwischen 1,7 Millionen Millionäre, 221.000 mehr als vor einem Jahr. (in US-Dollar) Kein Wunder bei dem Kurs! Das entspricht 2,2 Prozent der Bevölkerung. Für die anderen 79 Millionen besteht berechtigte Hoffnungen. Etwas Statistik unter gemischt, erfahren wir dann, dass jeder Deutsche im Schnitt 62.000 Euro Bares besitzt – und rund 150.000 Euro mit allem drum und dran. Im Schnitt. Ein Milliardär und 1612 Habenichtse ergeben auch ein durchschnittliches und feierbares Guthaben von 62.000 Euro. Da heißt es schnell, in Deutschland wächst der Wohlstand. Was habe ich gelacht!

Weltweit beträgt das Privatvermögen laut Credit Suisse 241 Billionen US-Dollar… Das ist der Preis… für wie viel Wert?

Weniger das Glück produziert heute die Millionäre, sondern vielmehr der Geldstrom der Millionärsmacher aus den Zentralbanken. Den Millionären kommt das Geld fast automatisch entgegen. Oft müssen sie ihm nicht hinterher rennen. Die lockere Geldpolitik sorgt für größere Zahlen an den Börsen und höhere Preise an den Häusermärkten.

Hoffen Sie dann auf eine neue Krise! Dann werden noch größere Geldmengen zu ihrer Bewältigung eingesetzt – und wir werden alle noch reicher. Nominales Glück ist heute kein Zufall mehr – jedenfalls für viele.

Bald wird die Raketenfrau Janet Yellen als Grant für billiges Geld die US-Notenbank anführen. Mit ihren Kollegen, die früher oft bei Goldman Sachs gearbeitet haben, kann den Börsen gar nichts passieren, sagen die Experten. Oder?

Seit Geld von Gold getrennt wurde, gab es immer wieder viele Gründe, mehr Geld zu erzeugen. Seitdem stieg auch die Zahl der weltweiten Millionäre. Das liegt in der Natur der Sache und ist eine Begleiterscheinung der ganzen Druckerei und oft gar nicht gewollt.

Wer Anfang 2013 den DAX gekauft hat, dem wurden bis heute 14 Prozent „geschenkt“. Und es soll noch viel mehr werden, rufen wiederum die Experten. Die Geldquelle ist schnell ausgemacht. Seit es auf dem Konto kaum noch Zinsen gibt, fließt Geld von dort in Aktien und andere Sachwerte. Komischweise steigt das Gold nicht mit, was man (völlig überraschend) am Freitag sehen konnte. Weltweit liegen noch viele Billionen auf Konten herum, in Deutschland rund zwei davon.

Der Turbo der Zentralbanken scheint zu wirken und die Zahl der Millionäre steigt schneller denn je. In wenigen Jahren könnte es dann heißen: „Wer wär‘ nicht gerne Milliardär?“

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten


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Ein Kommentar auf "Wer wär‘ nicht gerne Millionär?"

  1. EuroTanic sagt:

    „Reicher Mann und armer Mann // standen da und sahn sich an. Und der Arme sagte bleich: »wär ich nicht arm, wärst du nicht reich«.“
    Mehr muss man nicht wissen, um zu verstehen wie dieses Nullsummenspiel funktioniert.

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