Wer mit der Inflation flirtet, wird von ihr geheiratet!

5. November 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Mack & Weise

Allein in diesem Jahr ist die Gesamtbilanzsumme der zehn größten Notenbanken um bisher kräftige 10,4% (2015 „nur“ 3%) angestiegen; maßgeblich getrieben durch die beiden „quantitative easing“-Gelddruckprogramme der EZB und BoJ (+2,1 Billionen USD seit 31.12.2015!). Mit dieser hochinflationären Geldpolitik werden die Notenbanken das von ihnen selbst festgelegte Ziel, ihre Zahlungsmittel – Yen, US-Dollar oder Euro – dauerhaft um jährlich mindestens 2% entwerten zu wollen aber nicht nur erreichen, sondern am Ende deutlich übertreffen.

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US-Notenbank Fed: Warten auf (Zins-)Godot!

Noch nie hat die Fed in einem ausgerufenen Zinserhöhungszyklus so viel Zeit zwischen dem ersten und dem nächstfolgenden Zinsschritt verstreichen lassen, wie aktuell. Angesichts der Vollbeschäftigung signalisierenden Arbeitsmarktstatistik, deutlich anziehender Verbraucher- und Erzeugerpreise, aber auch des jetzt gemeldeten stärksten Quartalswachstums der Wirtschaft seit zwei Jahren müsste die Fed im Dezember endlich zur Tat schreiten. Sollte sie jedoch trotzdem das längst überfällige 0,25%-Zinsschrittchen dann zum achten Mal in Folge verweigern, riskiert sie nichts Geringeres als den letzten noch verbliebenen Rest ihrer Glaubwürdigkeit.

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US-Wirtschaft: Mehr Schein als Sein

Obwohl die erste (äußerst revisionsträchtige) Q3-Konjunkturwachstumsmeldung selbst die kühnsten Wall Street-Prognosen übertreffen konnte, ist der Jubel darüber verfehlt. Schließlich deuten zum Beispiel die bis Ende September registrierten 28.789 Unternehmensinsolvenzen (+28% ggü. Vorjahreszeitraum!), ein zum 22. Mal in Folge gefallener Wirtschaftsausblick der Fed of Dallas, das nunmehr auf den schwächsten September-Wert seit 2009 gefallene Frachtvolumen oder das auf den tiefsten Stand seit 2 Jahren gesunkene Verbrauchervertrauen (Universität Michigan) viel mehr darauf hin, dass sich die US-Wirtschaft in Wahrheit längst in Richtung Rezession bewegt.

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Hier offenbart sich das ganze Dilemma der Fed, würde doch eine dem publizierten statistischen Zahlenzauber Rechnung tragende Zinserhöhung die von einer immer weiter und schneller wachsenden Verschuldung abhängige Wirtschaft jetzt wahrscheinlich zum falschesten aller Zeitpunkte überhaupt treffen. „Dank“ fast 10-jähriger Fokussierung auf steigende Asset-Preise haben sich die Fed-Experten in eine fatale Situation hineinmanövriert – sie können heute nur noch falsche Entscheidungen treffen!

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Finanzmärkte

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Aktien: Nichts gelernt!

Weder Mario Draghi noch Janet Yellen wollen bis dato irgendeine Blasenbildung an den Finanzmärkten erkennen. Dabei sind doch die direkten Folgen ihrer money-for-nothing-Politik nicht nur an den rekordhohen Indexständen ablesbar, sondern auch an dem grassierenden „financial engineering“-Wahn der Unternehmen. Hatten die US-Firmen schon im Vorjahr einen atemberaubenden Neuverschuldungsrekord aufgestellt (1.493 Mrd. USD), so wird dieser im laufenden Jahr wohl nochmals „geknackt“ werden. Bis September platzierten sie 1.255 Mrd. USD an neuen Schulden, um eigene Aktien zurückzukaufen, Dividenden auszuschütten und vor allem immer teurere Fusionen und Übernahmen zu stemmen. Allein nur im Oktober kauften die US-Firmen für 321 Mrd. USD ihre Konkurrenten auf – ein Rekordbetrag, der den alten um rund ein Drittel übertraf!

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Anleihen: Die Zinsen dürfen nicht steigen!?

Zwar glauben noch immer unzählige Firmen- oder Staatschefs, die Zinsen könnten niemals mehr steigen, weil diese es angesichts des gelebten Überschuldungswahnsinns gar nicht dürfen (!?). Die zuletzt jedoch deutlich angestiegenen Anleiherenditen sind ein erstes deutliches Warnsignal dafür, dass die durch absurde Null- und Negativzinsen gekennzeichnete, etwa 130 Billionen USD „schwere“ Anleiheblase inzwischen reif für den „perfekten Sturm“ sein könnte.

Fondsmanager-Kommentar

Immer deutlicher zeichnet sich für die Weltwirtschaft ein Stagflationsszenario – stagnierende Konjunktur bei steigender Inflation – ab. Eine Entwicklung, die für die massiv überbewerteten Aktien- und Anleihemärkte erhebliche Kursverluste erwarten lässt, für den Gold- und Silbersektor (inkl. Edelmetallminenaktien) hingegen aber neue Rekordstände bedeuten könnte.
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