Wer hat Angst vorm bösen Crash? Niiieeemand!

18. Februar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Ronald Gehrt

Wir werden von finsteren Mächten regiert. Aber niemand von uns „normalen“ Menschen weiß Genaues. Nur, dass alles zusammenhängt, dass seltsame Dinge keine Zufälle sind und wir willenlose Opfer von wenigen sind, die die „wahre Macht“ besitzen. So konnte es doch kein Zufall sein, dass der Papst plötzlich zurücktritt, kurz darauf ein Blitz in die Spitze des Petersdoms einschlägt und dann auch noch der geheimnisvolle Asteroid auftaucht…

Und vergessen wir nicht den verdächtigen Meteoriteneinschlag im Ural am Freitag. Wenn das mal nicht alles zusammenhängt? Was kann das anderes als die Apokalypse sein? Aber hallo! Wahrscheinlich haben sich die Maya damals nur ein paar Tage verrechnet mit dem Weltuntergang. Kann doch leicht passieren, bei solch langen Zeitspannen. Wer das nicht versteht, ist entweder dumm und/oder längst unbemerkt von den Mächtigen manipuliert worden. Was die Leichtgläubigen für Zufälle halten, gehört alles zu einem großen Plan. Aber die, die „Wissen“, ja, die wissen halt Bescheid. Deswegen heißen sie ja so.

Mein lieber Schwan, alleine dergleichen niederzuschreiben kostet mich den letzten Nerv. Ich bin es nicht gewohnt, mich auf Facebook, Twitter oder diversen Irren-Foren zu tummeln. Und ich werde es mir nicht angewöhnen. Aber immerhin wird so klar, warum diverse „Reality-Shows“ existieren. Die angebliche Hochzivilisation ist gerade dabei, in nicht unwesentlichen Teilen im Eilschritt zu verblöden. Und dümmlicher Aberglaube und der Wunsch, dass böse Mächte für die eigene Nutzlosigkeit und das persönliche Scheitern am Leben verantwortlich seien, erinnert sehr an das Mittelalter. Vom Gemüt her sind viele wieder dort angekommen … ob sie dabei ein Smartphone in der Hand halten oder nicht, ist nicht entscheidend.

Man beginnt, sich wieder zu fürchten. Aber der Witz ist: Was die Börse angeht, tut man es nicht. Die zunehmende Desorientierung in einer offenbar zu schnell zu kompliziert gewordenen Welt bedingt, dass sich immer mehr Menschen entweder in sich selbst zurückziehen oder mit gereckten Fäusten jedem dahergelaufenen Rattenfänger hinterher laufen. Sagt ihnen, was sie hören wollen, und sie werden euch folgen. Manch einer mag sich erinnern, dass das in der Geschichte der Menschheit schon oft zu Katastrophen geführt hat, hierzulande letztmals vor 80 Jahren. Die Crux ist jedoch, dass genau diese leichtgläubige, naive und sich dennoch via Internetforen „wissend“ glaubende Klientel genau das nicht mehr weiß bzw. wissen will. Denn diesmal ist … wie immer … alles anders!

Und genau deswegen steigen die Nebenwerte-Indizes wie der MDax oder der Russell 2000 Woche um Woche höher. Erschreckend viele Menschen gehen diesen ewig platten, ewig inhaltsleeren Sprüchen auf den Leim, die ich in den vergangenen Wochen in meinen Kolumnen reichlich ansprach: Geld wartet händeringend auf Anlagechancen, nur Aktien retten euch vor der Inflation, Anleihen sind Kapitalvernichtung, Aktien sind gerade jetzt billig wie nie und so weiter. Warum in aller Welt fürchten sich so viele vor der Welt da draußen, haben aber keine Scheu, die Erfahrungen der letzten beiden, nicht lange zurückliegenden Baissen in den Wind zu schießen und ihre Ersparnisse erneut in den Ring zu werfen, indem sie den selben dummen Sprüchen Glauben schenken, die sich damals auch schon als Quatsch und Propaganda erwiesen hatten?

Weil wir Menschen geistig und seelisch nicht mir der zunehmenden Komplexität unserer Welt mitgewachsen sind. Wir werden immer öfter immer extremer überfordert und neigen daher immer mehr dazu, denen zu glauben, die uns erzählen, was wir hören wollen. Was im Leben vor den Toren der Börsen zu immer mehr Desinteresse an der Realität führt, treibt immer mehr Anleger dazu, mit Blick auf die komplizierten und in den Medien nur unzureichend oder falsch vermittelten Entwicklungen der Weltwirtschaft (Eurokrise, US-Schuldenkrise, die Problematik der BRIC-Staaten) denen zu glauben, die ihnen versprechen, dass alles bleibt, wie es ist und im Zweifelsfall nur besser werden kann. Die Krisen sind entweder harmlos oder vorüber, die Kurse werden steigen und wer jetzt nicht einsteigt, ist ein Narr. Wer ein volles Depot hat, sich seiner eigenen Gier nicht bewusst ist und nicht will, dass die Kurse jemals wieder fallen, der glaubt dergleichen nur zu gerne. Vor allem, wenn er/sie sich mit der Thematik nicht befasst, weil man keine Zeit und keine Lust dazu hat.

Wenn das Smartphone eine sms nach der nächsten ausspuckt, während im Fernsehen gerade wichtige Shows laufen und der Nachwuchs trotz vor die Nase zementierter Spielkonsolen ab und an Aufmerksamkeit benötigt … wie kann man in einer solchen Welt noch Nachrichten verfolgen, lernen oder gar nachdenken? Dazu ist der Terminkalender zu voll … vor allem, wenn man gezwungen wird, über die regulären 38 Arbeitsstunden hinaus immer wieder Überminuten zu schieben. Wie schön hatte es da noch die Generation unserer Urgroßväter. Schlanke 60 Stunden Arbeit, Sechs-Tage-Woche, vier oder fünf Kinder, kein Fernsehen, kein Auto, kein Kredit. Ach, die hatten es gut!

Und so ist es keineswegs eine „Mauer der Angst“, welche die Aktienmärkte zumindest in den USA und in Teilbereichen Europas und Asiens immer höher treibt. Die Anleger fürchten sich vielleicht vor dem Weltuntergang, aber nicht vor dem Crash. Es ist eine Welle aus borniertem Desinteresse und Dummheit … und das birgt das entscheidende Risiko. Das beste Beispiel für den blinden Glauben an das, was gut klingt, bekamen wir an am Freitagnachmittag präsentiert. In einem Zeitraum von weniger als einer Stunde kamen zwei Aussagen über die Nachrichtenticker, die zwar dummes Zeug waren, aber genau dem entsprachen, was die Anleger hören wollten(Seite 2)

 

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