Wer den Pfennig nicht ehrt…

21. Januar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

(von Frank Meyer)

… bekommt eben den Euro und damit auch die 1 – und 2-Eurocent-Münzen – wie 2002 geschehen. Dieses Klimpergeld soll nach Wunsch der EU-Behörden aus dem Verkehr gezogen werden. Zu teuer. Die Bundesbank schob eine Studie nach, in der die Diskussion um Abschaffung des ach so ungeliebten Kleingeldes weiter Nahrung bekommen dürfte…

Es ist noch gar nicht so lange her, da hatten wir den Euro in der Tasche, und damit auch Münzen, die schnell hässlich und abgegriffen aussahen. 2004 gab es eine erste Diskussion über die Zukunft des Kleingeldes. Im aktuellen Monatsbericht der Bundesbank wird das Thema wieder aufgegriffen. 1-Cent und 2-Cent-Münzen wären unpraktisch, heißt es dort.

Wir erinnern uns: Im Mai 2012 hat sich schon einmal das EU-Parlament mit der Abschaffung der 1- und 2-Cent-Münzen beschäftigt. Die EU-Abgeordneten versprechen sich davon eine bessere Handhabbarkeit, eine höhere Akzeptanz der Währung sowie einen „positiven Einfluss auf den europäischen Tourismus“. Kein Scherz!

Blech bleibt Blech

Man könnte ja meinen, die Kleinstmünzen bestünden aus Kupfer. Weit gefehlt. Die 2,3 bzw. 3,06 Gramm schweren Münzen bestehen zu 94,35% aus Stahl. 5,65 % sind Kupfer. Eine Tonne Münzen entsprechen also 944 Kilogramm Stahl und 56 Kilogramm Kupfer. Aus einer Tonne „Blech“ lassen sich also 434.782 Ein-Cent-Münzen herstellen bzw. 4.347 Euro. Der Kupferanteil beträgt 340 Euro pro Tonne Münzen.


Viel erstaunlicher ist aber, mit welchen Kosten das Prägen dieser kleinen Münzen inzwischen verbunden ist. Sowohl die Rohstoffpreise als auch der Aufwand zur Herstellung schlagen mit Kosten zu Buche, die inzwischen nahe oder knapp unter ihrem Nominalwert liegen. Bei weiter steigenden Rohstoffpreisen könnten ja die Leute die Münzen horten und beim Altmetallhändler abgeben.

„Mit weiter steigenden Rohstoffpreisen könnten Münzen in ihrer Herstellung unwirtschaftlich und darüber hinaus zweckentfremdet eingesetzt werden“ (Monatsbericht der Bundesbank)

Bundesbank und wohl auch keine andere Notenbank würde den wahren Grund für die höheren Kosten nennen, die zur Abschaffung der Münzen führen könnte. Die Teuerung: Und wer sorgt dafür? Die Inflation. Und wer ist ihr Auslöser? Auf die Lösung kommen nicht mal die Zentralbanken.

Man solle sich wegen der Inflation keine Sorgen machen, schreibt die Bundesbank. Selbst wenn alle unrunden Beträge auf 5er-Schritte aufgerundet würden, wäre das in der Teuerung kaum spürbar.

Die Studie kommt sicherlich nicht zufällig daher, auch wenn die Bundesbank offiziell diese Kleinstmünzen nicht abschaffen möchte. Wie es aussieht, zahlen aber nur die komischen Deutschen mit diesen Münzen. Andere Europäer kaum noch. In den Niederlanden und Finnland wurde dieses Klimpergeld abgeschafft.

Abschaffen will diese Münzen auch die EU-Kommission. der erste Versuch im jahr 2004 schluf fehl.

„Es kann zu Kostensenkungen bei der Münzproduktion, zu mehr Effizienz und Bürgerakzeptanz führen“, sagt Hans-Peter Martin als zuständiger Berichterstatter damals im Mai 2012. Zudem wird die EU-Behörde die Einführung von Ein- und Zwei-Euro-Scheinen prüfen.

Und während sich in Brüssel alles um des Bürgers Wunsch dreht, bleibt die reale Sorge, dass später nicht auch noch die Baumwollpreise durch die Decke knallen, so dass man auch noch die geplanten 1- und 2-Euro-Scheine kurzfristig aus Kosten- und Effizienzgründen aus dem Verkehr ziehen muss, wenn es Bargeld dann überhaupt nicht geben sollte.

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12 Kommentare auf "Wer den Pfennig nicht ehrt…"

  1. Damokles sagt:

    Die Abschaffung der 1 und 2 Cent Münzen wäre großartig. Jedes mal beim Bezahlen muss ich die mühsam loswerden, sonst müllen die mir die Brieftasche voll.

    Noch ein Vorteil: Ich kann diese X,99-Preise nicht mehr sehen! Hält der Handel uns eigentlich für blöde? Selbst Medikamente kosten nicht etwa 4 Euro. Nein, 3,99 muss es sein. Weg damit!

    • Skyjumper sagt:

      Von der rein praktischen Handhabbarkeit gebe ich ihnen ja Recht. Aber wenn dann erst einmal alles an Bargeld fehlt, weil Plastikgeld ja viel praktischer ist, und sie dann beim Gemüsehöker feststellen dass sie leider nur noch die gechipte Apfelsorte „Orwell“ mit ihrer Kreditkarte bezahlen können, weil bei allen anderen der Bezahlvorgang fehlschlägt …….. vielleicht denken Sie dann wehmütig an Ihr gutes altes Klimpergeld.

    • pat sagt:

      Sie waren wohl noch nicht in Ländern mit abgeschafften Kleingeld.

      Die X,99 bleiben oft. Nur an der Kasse wird dann kaufmännisch (auf)gerundet.

      Das ist statistisch ganz interessant. Erst beim Kauf von mindestens 6 Waren zum X,99 Preis kommt man in den Genuss einer kaufmännischen Abrundung.Danach beginnt es erst sich gegenander auszugleichen.

      Wobei es natürlich unfair ist die 0 als gleichberechtigte Abrundung zu betrachten. Das ist wie beim Roulette, die 0 spielt für die Bank.

  2. Frank Meyer sagt:

    Ich bin gespannt, wie Sie jubeln, wenn die 5er, 10er und 20er auch verschwinden… Müllen später auch nur die Taschen voll 🙂 wie in paar Jahren die 5- und 10 – Euro-Scheine…
    Komisch, dass sich früher bei den Pfennigen niemand aufgeregt hat.

    • Seifensieder sagt:

      Hallo Frank
      ich lese schon seit ca.4 Jahren Deine Seite und Du hast natürlich recht. Und irgendwann, urplötzlich, stehen die meisten Menschen ausschließlich mit ihrem Plastegeld da. Und das hatte ja keiner ahnen können. Lieber August, das wird ein Gezeter werden.

      Angenehmen Abend der Leserschaft

      • Frank Meyer sagt:

        Hallo an Bord!

        Es geht mir auch nicht um den Fakt des Praktischen. Klar sind diese Münzen erstens nur Blech und vor allem zweitens.. sie werden nicht mehr gewertschätzt. ge-wert-schätzt. Wert und Schätzung. Das ist der Punkt. Für Pfennige gab es früher Süßes für die Kinder. 0,99 waren ein Marketing-Gag wie 1,99 Euro statt 2 Euro. Aber die Wertschätzung geht flöten und damit auch ein Stück Vertrauen in etwas, was man früher noch als wert-voll betrachtete. Weg damit.
        Das ist nur eines der vielen Zeichen von Vertrauensverlust.

        Anders ausgedrückt: Wer 1000 Euro hat, dem ist der Cent nicht egal. Wer 10.000 Euro hat, dem ist der Cent unwichtiger. Wenn wir alle 10.000 Euro im Monat haben, dann ist er Euro irgendwann mal störend. Weg mit dem Klimper, heißt es dann.

        • poerschie sagt:

          Gewertschätzt werden doch in der Praxis die 1- und 2-cent-münzen nicht. Genau wie seinerzeit schon die 1- und 2-Pfennigmünzen nicht.
          Warum schätzt man etwas, das praktisch keinen Wert mehr hat? Die Münzen sind lästig.
          Inflation entsteht durch die Abschaffung auch nicht.
          Umgekehrt Ist es doch richtig: durch Inflation sind die kleinen Münzen „wertlos“ geworden.
          Nur weil man „damals“ für 2 Pfennige 1 Dauerlutscher kaufen konnte, muss ich doch heute nicht mehr die kleinen „kupfermünzen“ mit verklärtem Blick betrachten.. heute bekomme ich für diese nichts mehr.
          Ich wäre dafür, beim Einkauf mit Münzen auf 5 ct. auf- und abzurunden. Dadurch entstünde genau 0,0 % Preissteigerung.. und meinem Portemonnaie würde das auch guttun. und einen Ausgleich zu den unvermeidlichen karten, die man heutzutage immer dabei haben muss, leisten.
          Das Bezahlen mit Bargeld wäre einfacher und würde dieses eher unterstützen.

          • samy sagt:

            „heute nicht mehr die kleinen “kupfermünzen” mit verklärtem Blick betrachten.. heute bekomme ich für diese nichts mehr….“

            Ja?

            Centstücke in eine große Flasche werfen***jede Weihnachten in den Münzzählautomaten***dann Kiste Wein bestellen***trinken und freuen.

            Grüße

          • GG sagt:

            @poerschie,

            also an 2 Pfennig-Münzen kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern 😉

  3. Damokles sagt:

    Das „früher“ muss aber schon sehr lange her sein. Ich war vor 40 Jahren Kind und so auch Kioskkunde. Da kostete ein „Smiley“ 10 Pfennige, Wassereis 25 Pfennige und ein „Mars“ 40 Pfennige.

    Es waren also eher Groschen angesagt, nicht Pfennige. Das Gelumpe im Kupferkleid war schon damals wertmäßig eher schwachbrüstig. Heute auch nicht anders.

    Über den Marketing-Gag kann ich schon lange nicht mehr lachen. Mich nerven diese gebrochenen Preise, die man nahezu überall findet. Die sind für mich eine Beleidigung meiner Kalkulationskunst. Man stelle sich mal vor: 1 und 2 Cent Münzen weg (hat Finnland m.E. gemacht?!), die Schokki mit der Kuh kostet statt 0,79 evtl. 0,75 Euro. Oder evtl. ehrlicher gleich 0,80. Was zuvor 1,99 kostete ist dann zu 1,95 zu haben. Ich wäre begeistert.

    PS: Es geht mir nicht um das Ersetzen von Bargeld. Ich bin Bargeld-Fan, nutze meine EC und KK nur selten. Bargeld ist authentischer, wenn es meine Hand verlässt. Und anonymer. Das schätze ich.

    PPS: Nichts für ungut. Ich finde Ihre Seite toll.

    • zweifel sagt:

      @Damokles: ich erinnere mich deutlich (und das ist keine 40 Jahre her), damals am Kiosk diverse Kleinigkeiten für einen (Brausebonbons) und zwei Pfennige (Veilchenpasillen) bekommen zu haben.

      Wie kommen Sie auf den Schluss, dass die Artikel plötzlich „gerade Summen“ kosten würden ? Das ist in den Niederlanden (da wird die Rechnung am Ende gerundet) nicht so und beim Benzin werden ja sogar 1/10 Cents ausgezeichnet, obwohl es die noch nie gab. Der „Kalkulationskunst“ dürfte es jedenfalls auch nicht abträglich sein, mit 2,- anstatt mit 1,99 zu rechnen…

  4. wolfswurt sagt:

    Die Argumente für ein Abschaffen der Münzen spiegeln den Geisteszustand ihrer Verkünder wider.

    Am Ende der Logik steht dann nämlich die Abschaffung aller Realgüter einschließlich der Abschaffer.

    Da die Fähigkeit des Rechnens abnimmt wie Schnee in der Sonne, ist die zunehmende Akzeptanz der Abschaffung jeglicher geistigen Herausforderung zwangsläufig.

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