Wenn zwei sich streiten … freut sich niemand!

10. August 2017 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Krieg (der Worte)… Obwohl sich Vergleiche zwischen dem demokratisch gewählten Präsidenten der USA und der Diktatorendynastie Nordkoreas verbieten, finden sich in politischen Anführern immer wieder auch ähnliche Themen und Tendenzen wieder. Eine Gemeinsamkeit zwischen Donald Trump auf der einen und Kim Jong-un auf der anderen Seite könnte darin bestehen, dass sie zur Ablenkung von der Innenpolitik außenpolitische „Erfolge“ suchen.

Wovon jeweils abgelenkt wird, könnte allerdings unterschiedlicher nicht sein. Während der Nordkoreaner sein Land mit eiserner Faust regiert, leiden Wirtschaft und Bevölkerung neben der grundsätzlichen Ineffizienz und Rückständigkeit der Kommandowirtschaft zusätzlich noch unter den ökonomischen Folgen von (atomarer) Hochrüstung, Raketenprovokationen und den daraus resultierenden Sanktionen. Offenbar will Kim seinem Volk auch demonstrieren, dass seine Politik zu irgendetwas gut ist. Immerhin wird das bitterarme Land nun sogar von der Weltmacht USA wahrgenommen und direkt angesprochen.

Das Schüren von nationalem Überschwang – in der modernen Variante als Appell an irgendein beliebig vorgegebenes Ideal – ist nicht nur in Nordkorea ein beliebtes Mittel politischer Anführer, das Volk hinter sich zu einen, besonders wenn materielle Belohnungen knapp sind bzw. werden.

Gesucht, gefunden

Die innenpolitische Bedrohungslage für Präsident Trump ist eine andere: Die Wirtschaft läuft oberflächlich betrachtet gut. Seit der Wahl Trumps haussieren sogar die Aktienmärkte – sehr zum Leidwesen des Medienmainstreams, der die Wähler mit Horrorszenarien von einer Wahl Trumps abzuhalten versuchte. Dass diese Hausse aufgrund extremer Bewertungen fragil ist, dazu unten mehr.

Trumps eigentliches Problem bleibt aber der anhaltende Widerstand „des Systems“. Das geht weit über normale Oppositionsarbeit hinaus und umfasst auch die Schlüsselpositionen sowie gut verfilzte Seilschaften in Behörden und Medien – ein beispielloser Vorgang in der jüngeren US-Geschichte. Trump hat aber auch die Erfahrung gemacht, wie denkbar einfach es ist, diese Kreise zumindest kurzfristig zufriedenzustellen.

Nach dem Tomahawk-Angriff auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt Schairat erntete er von eben dort teils begeisterte Zustimmung. Trump und Kim sind also zwei, die sich gesucht und gefunden haben, nicht nur frisurentechnisch.

„auto-eskalierend“

Zudem kann man sowohl bei Trump als auch bei Kim einen Hang zu verbaler Zuspitzung feststellen, dem nicht notwendigerweise Taten folgen müssen. Bei Kim ist das lautstarke Klappern gegenüber den USA fester Bestandteil der Außen- bzw. eigentlich der Innenpolitik (s.o). An das Szenario „Wirtshausschlägerei“, wo so lange ein Wort das andere gibt, bis schließlich die Fäuste – also hier die Raketen – fliegen, glauben wir weniger.

Aber auch das „positive“ Szenario, bei dem beide Seiten wissen, welchen politischen Wert der große Schurke auf der jeweils anderen Seite für die eigene Stellung hat – weshalb der Status aufrechterhalten wird – , wird zunehmend unwahrscheinlich. Denn der grundsätzliche Konflikt lässt sich mit Kim nicht aus der Welt schaffen – und dieser Konflikt ist praktisch selbstbeschleunigend bzw. „auto-eskalierend“: Während sich Kim vor den USA durch nukleare Abschreckung schützen will, wollen die USA ihn loswerden, um das Entstehen einer weiteren unkontrollierbaren Atommacht zu verhindern, worauf Kim umso brachialer aufrüstet, was den USA wieder zeigt, dass sie schneller handeln müssen … usw. China, das mutmaßlich den Schlüssel zu einer Entschärfung in der Hand hält, taktiert bislang.

Die Bewertung macht‘s

Naturgemäß reagierten die Märkte auf eine solche Eskalation zunächst einmal verschnupft. Es ist wohl einer gewissen Gewöhnung an den wieder raueren Ton auf der Weltbühne geschuldet, dass die Aktien nicht noch viel stärker nachgegeben haben.

Ein guter Indikator für die langfristigen Chancen bzw. Risiken eines Marktes ist die Bewertung. Bei StarCapital untersucht das Research-Team um Norbert Keimling die Weltaktienmärkte nach den verschiedensten, historisch auf ihre Aussagekraft überprüften Kriterien und leitet daraus künftige Renditepotenziale her. Vom Grundsatz her gilt: Je preiswerter ein Markt, desto größer ist dessen langfristiges Potenzial.

Was hier aktuell mehr interessiert ist allerdings die Kehrseite dieser Gleichung: Je höher die Bewertung ist, desto geringer sind die Renditechancen. Wir dürfen in diesem Zusammenhang noch einmal an den SIW 29/2017 erinnern. Die dort abgebildete Weltkarte zeigt, worum es geht. Die USA sind weiter einer der weltweit am höchsten bewerteten Märkte. Da braucht es dann nicht viele Auslöser, um aus einem solchen Markt ein wenig Luft herauszulassen. Ob der Korea-Konflikt tatsächlich ein solcher „Game Changer“ wird, steht allerdings derzeit noch auf einem anderen Blatt.

Zu den Märkten

In seinen quantitativen, historischen Untersuchungen fand Keimling zudem Bestätigung für den Momentum-Effekt. Fügt man die Teile zusammen, dann haben solche Märkte die besten Zukunftsaussichten, die zwar niedrig bewertet sind, aber bereits Aufwärtsmomentum entwickeln.

Wenden wir diese Erkenntnisse auf die aktuelle Situation in den USA und in Deutschland an, ergibt sich folgendes Bild: US-Aktien sind zwar deutlich teurer, werden im Moment aber noch von einem positiven Momentum gestützt. Der deutsche Markt rangiert dagegen bewertungstechnisch im Mittelfeld, was zwar mit einer vergleichsweise höheren Renditeerwartung verbunden wäre, allerdings hat das Momentum nach dem Bruch des mittelfristigen Aufwärtstrends und einer vollendeten Schulter-Kopf-Schulter-Umkehrfunktion bereits nach unten gedreht (vgl. Abb.).

Allzu viel Unterstützung sollte man sich da also derzeit nicht erwarten. In den USA wird die Situation dagegen erst dann richtig brenzlig, wenn auch dort das Momentum kippt und sich die US-Notenbank Fed nicht bzw. erst spät dagegen stemmen sollte.

Fazit

Das Wiederaufflackern des Konflikts um Nordkorea haben die Märkte trotz Abschlägen mit erstaunlicher Gelassenheit hingenommen. Ob das so bleibt, werden die nächsten Tage weisen.

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2 Kommentare auf "Wenn zwei sich streiten … freut sich niemand!"

  1. Reiner Vogels sagt:

    Ich halte es nach wie vor für unwahrscheinlich, daß in Korea aus dem Krieg der Wort wirklich ein heißer Krieg entsteht. Zur Begründung möchte ich etwas ausholen:

    Nach dem 2. Weltkrieg ist die UNO als ein Instrument zur Friedenssicherung installiert worden. Das war eine gute Sache. An der Spitze stand der Weltsicherheitsrat, dessen Mitglieder dafür sorgen sollten, daß die internationalen Beziehungen am Völkerrecht, an der Souveränität der Staaten und der Ächtung von Kriegen ausgerichtet waren. Auch das war eine gute Sache.

    Dies alles konnte aber nur unter der Bedingung funktionieren, daß sich die ständigen Mitglieder des Weltsicherheitsrates selbst an diese Regeln hielten. Nur unter dieser Voraussetzung konnte man es den kleineren Staaten zumuten, auf wirksame eigene Bewaffnung einschließlich atomarer Bewaffnung zu verzichten.

    Nun muß die Welt seit vielen Jahren mit Schrecken feststellen, daß die USA überhaupt nicht geneigt sind, sich den Regeln des Völkerrechts zu unterwerfen. Im Gegenteil, sie beanspruchen, weil sie ja „die Guten“ sind, für sich das Recht, jederzeit fremde Staaten, deren Regierungen ihnen nicht gefallen, mit Krieg zu überziehen oder diese Regierungen sie durch vom US-Geheimdienst organisierte Staatsstreiche zu eliminieren und sie durch US-amerikanische Marionetten zu ersetzen.

    Die Kette der Beispiele reicht vom Sturz Mossadeghs, Iran, in 1953 bis hin zu Irak, Libyen, Ukraine, Syrien in der Gegenwart. Bemerkenswert dabei ist, daß die USA immer nur Gegner angegriffen haben, die militärisch weit unterlegen waren, und vor allem solche, die nicht über Atomwaffen verfügten.

    Die Regierung von Nordkorea hat diese Dinge natürlich sehr genau beobachtet und zieht die entsprechenden Konsequenzen. So verabscheuenswert und diktatorisch die dortige Führung auch sein mag, dumm ist sie nicht. Kim weiß, daß ihm das Schicksal Gaddafis bzw. Saddam Husseins droht, wenn er sein Land nicht ausreichend bewaffnet. Er weiß aber auch, daß sein Land gegrillt wird, wenn er den Schießkrieg wirklich beginnen sollte. Er wird es daher beim Krieg der Worte belassen.

    Und auch die USA werden sich hüten, einen Krieg zu beginnen. Sie wissen, daß Nordkorea über Atomwaffen verfügt und in der gesamten Region verheerende Schäden anrichten kann. Sie wissen auch, daß allein schon die konventionelle Artillerie Nordkoreas die paar Dutzend Kilometer bis zur südkoreanischen Hauptstadt Seoul überwinden können und dieser Stadt Schlimmes antun kann. Auch die USA werden daher vor dem letzten Schritt zurückschrecken.

    Der Krieg um Korea und der darauf möglicherweise folgende Crash an den Finanzmärkten werden wohl einstweilen ausbleiben.

  2. bluestar sagt:

    Wie viele Menschen wurden durch die tagtäglichen Verletzungen des Völkerrechtes durch den selbsternannten Hüter von Demokratie und Menschenrechten seit dem 2. WK getötet ? Sind es nach vorsichtigen Schätzungen 20 oder doch eher 40 Mio. ? Kein Tag ohne Krieg, den das Regime in Übersee braucht wie Sauerstoff. Deshalb auch der Beifall zu Trumps Raketenangriff auf den Stützpunkt Schairat. Macht, Spannung und Krieg sind die Drogen.
    Sicherlich möchte kein normaler Mensch im stalinistischen Nordkorea leben, in Bangladesch oder Saudi-Arabien wohl auch nicht. Das ist aber nicht unser Thema, müssen die Menschen in diesen Ländern selbst regeln, es ist ihre Heimat. Dummerweise hat das Regime in Nordkoreaner aus den kriminellen Aktionen der Supermacht gelernt, wie R. Vogels bereits ausgeführt hat und sie sind wohl zu allem entschlossen, zumal es noch Erinnerungen an den Ami im Koreakrieg gibt. Die Nordkoreaner werden wohl eher hungern als ihr Programm aufgrund Sanktionen aufgeben. Sanktionen bringen höchstens Zeitgewinn, aber beim Kauf von Zeit und Schieben der Probleme kennen wir uns ja bestens aus.
    Ich persönlich betrachte die aufgeheizte Situation für extrem gefährlich, weil darin auch China und Russland verwickelt sind und das Imperium Feindbilder sowie Konflikte dringend braucht. Und das THAAD, welches dann von Südkorea tief in den chinesischen Raum greift. Deshalb wurde der von China und Russland vorgelegte Friedensplan vom Imperium logischerweise auch abgelehnt…

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