Wenn Zahlen auf Worte treffen

11. Juli 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart Investor  Trotz allgemeiner „Gesundbeterei“ häufen sich die negativen „Überraschungen“. Augen zu und durch. Mit Bezug auf die weiter schwelende Geldsystemkrise üben sich weite Teile der Medien in aktivem Wegschauen…

Was nicht zur ausgegebenen Parole der angeblichen Überwindung der Schuldenkrise passt, die wir selbstverständlich dem heroischen Wirken der Politik zu danken haben, das wird ignoriert. Eine Strategie, die sich bereits bei kleinen Kindern bewährt hat: Augen zu, Zunge raus, „Bäh!“. Leider aber nur da. Die Krise schwelt vor allem deshalb weiter, weil bislang keine ernsthaften Maßnahmen zu deren Lösung ergriffen wurden.

Lediglich der griechische (Teil-)Staatsbankrott war ein Schritt in die richtige Richtung. Dagegen hat die Absenkung des Zinses im Rahmen der praktizierten Finanziellen Repression lediglich Zeit gekauft, weil so die Dynamik der Aufschuldung gebremst wurde. Auch der massenhafte Aufkauf von Staatsschulden durch die Notenbanken erzeugt lediglich den Eindruck, dass die Nachfrage für derartige Papiere mit dem ausufernden Angebot Schritt halten würde. Sie tut es nicht. An den Grundfesten des herrschenden Geldregimes aber, die solche staatlichen In-sich-Geschäfte mit frisch gedrucktem Geld überhaupt erst ermöglichen, wird nicht gerüttelt, noch wird darüber öffentlich nachgedacht.

Da die „Rettungsmaßnahmen“ im Wesentlichen den Gläubigerbanken der bankrotten Staaten zugutekommen, verwundert es nicht, dass in den Schuldenstaaten selbst – wie neue Forderungen aus Griechenland und die Regierungskrise in Portugal belegen – die Probleme erneut an die Oberfläche kochen. Mehr noch, die reale Wirtschaft ist nicht nur kein Profiteur des weltweiten Rettungszirkus, sie leidet zunehmend unter den Fehlallokationen der staatlichen Lenkung.

Am sichtbarsten wird das vielleicht beim Welthandel, der nicht nur scharf abgebremst wurde, sondern regelrecht den Rückwärtsgang eingelegt hat. Eine Entwicklung unter der insbesondere die großen Exportnationen – allen voran China und Deutschland – leiden. So vermeldeten die Chinesen jetzt einen Rückgang der Exporte um 3,1% im Juni gegenüber dem Vorjahresmonat. Das ist natürlich wieder einmal – wie alle schlechten Konjunkturmeldungen – völlig „überraschend“. Die Konsenserwartung war noch von einem Plus von 3,7% ausgegangen, das sind satte 6,8 Prozentpunkte mehr.

Nun gibt es zwar einige berechtigte Vorbehalte gegen chinesische Wirtschaftsstatistiken, aber auch die deutsche Außenhandelsstatistik vermeldete mit einem Minus von 2,4% bei den Exporten im Übrigen schon für Mai „überraschend“ schlechte Zahlen. Das Bild runden die Industrieaufträge ab, die – Sie werden es erraten – ebenfalls „überraschend“ eingebrochen sind.

Zahlen statt Worte

Aus diesen Episoden lernen wir vor allem, dass Zahlen, sofern sie im „guten Geiste“ ermittelt wurden, also im Bestreben wirklich objektiv zu messen, allemal glaubwürdiger sind als verbale „Gesundbeterei“. Nur wer sich von solchen Parolen tatsächlich einlullen ließ, für den sind die Zahlen überraschend. Für alle anderen bestätigen sie die angespannte weltwirtschaftliche Lage.

Natürlich haben die Regierenden dieses Manko von Zahlen schon früh erkannt und zeigen sich deshalb stets bestrebt, die durch sie abgebildete Wirklichkeit mit ihren Wunschvorstellungen in Übereinstimmung zu bringen. Bei besonders kritischen Zahlenwerken konnte man in den letzten Jahren miterleben, wie daran herumgeschraubt wurde. Durch neue Berechnungs- und Abgrenzungsmethoden, verschwand so mancher Arbeitslose und manche Preiserhöhung vom amtlichen Statistikradar. Zufall ist das sicher nicht.

Wie Macht wirkt

Amtliche Statistiken – und die Verulkung des Bürgers mit seinen lediglich „gefühlten“ Erfahrungen (Stichwort: „gefühlte Inflation“) – sind schon eines der subtileren Felder, auf denen Macht wirkt. Je perfekter sie es auf solchen Schauplätzen vermag, desto seltener ist sie gezwungen, ihre hässliche und brachiale Variante auszuspielen – etwa den direkten Rechts- oder Vertragsbruch.

Die höchste Stufe der Macht ist allerdings erst da erreicht, wo sie von den Beherrschten nicht einmal mehr wahrgenommen wird. In unserer Titelstory „Über Macht und Mächtige“ im aktuellen Smart Investor 7/2013 haben wir uns dem Thema ausführlich gewidmet… (Seite 2, zu den Märkten)

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