Wenn Schiffe Schlagseite bekommen

17. Januar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Smart Investor) Was passieren kann, wenn ein Ozeanriese von seinem angestammten Weg abweicht, können wir derzeit am Beispiel des Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“ beobachten, welches vor der italienischen Insel Giglio aufgrund menschlichen Versagens einen Felsen gerammt hat, voll Wasser gelaufen und schließlich gekentert ist – mehrere Dutzend Tote dürften zu beklagen sein…

Mit dem „Schiff Europa“ verhält es sich nicht unähnlich. Hier ist ebenfalls menschliches Versagen der Politiker und Notenbanker ursächlich für die derzeitige Havarie. Allerdings gab es von Anfang an auch Konstruktionsfehler, die sich für die Allgemeinheit aber erst im Zeitablauf zeigten. Dass nun Frankreich und sogar der Rettungsfonds EFSF von S&P herabgestuft wurden, ist völlig logisch und wird in den kommenden Monaten noch öfter passieren. Es handelt sich dabei schlicht um Warnungen vor dem Untergang des „Euro-Schiffs“ – und das geht so lange weiter bis es keinen Euro mehr gibt.

Die mit dem Wulff tanzen

Unser Präsident Christian Wulff hatte bereits im Sommer letzten Jahres auf die Fehlentscheidungen der Politiker in Sachen Europa-Politik hingewiesen und durchblicken lassen, dass er nicht gewillt ist, jeden Unfug mitmachen zu wollen. Und das, so scheint es, hat ihm nun die derzeitige Enthüllungskampagne eingebrockt. Nicht, dass wir hier missverstanden werden: Wulff hat sich in der Vergangenheit falsch verhalten, keine Frage. Aber das derzeitige Medienfeuerwerk steht in keinem Verhältnis zu den Untaten Wulffs.

Was genau wir hinter der ganzen Affaire vermuten, lesen Sie bitte im kommenden Heft 2/2012. Aber so viel lässt sich jetzt schon sagen: was wir derzeit in den Medien vernehmen, ist nur die eine Seite der Medaille. Viel interessanter und aufschlussreicher aber sind diejenigen Dinge, die wir nicht in den Medien lesen bzw. die im Hintergrund laufen. Hierzu passt auch unsere dreiteilige Geschichte „Wer regiert die Welt“ im aktuellen Heft 2/2012. Einer der drei Teile davon ist das Interview mit dem amerikanischen Autor G. Edward Griffin „Die Kreatur von Jekyll Island“), welches Sie hier nachlesen können.

Rückkehr zur D-Mark

Immer wieder sprechen uns Leser darauf an, ob wir eine Rückkehr zur D-Mark für möglich halten. Unsere Meinung hierzu: Möglich wäre sie (vielleicht), aber wahrscheinlich ist sie definitiv nicht – auch wenn einige Internet-Gurus hartnäckig das Gegenteil behaupten und im 4-Wochenrhythmus eine Währungsreform prognostizieren. Für viel wahrscheinlicher halten wir gerade die gegenteilige Entwicklung, nämlich ein stures Festhalten an der Einheitswährung Euro und ein ständiges Hinarbeiten auf eine europäische Zentralregierung. Unserer Ansicht nach sind nun einmal Kräfte im Hintergrund am Werk, die genau dies anstreben. Auch in diesem Zusammenhang empfiehlt sich das Lesen des Griffin-Interviews wie auch der gesamten dreiteiligen Geschichte im Heft.

Wenn wir also nicht an einen Zerfall des Euros glauben, dann impliziert dies automatisch, dass Griechenland auf Biegen und Brechen im Euro gehalten werden muss. Und das wiederum bedeutet, dass sich die EU keinen klassischen Bankrott seines südöstlichsten Mitgliedstaates leisten will und kann. Dass davon abgesehen ein Bankrott der Hellenen gar nicht mehr möglich ist, ohne dass das gesamte EU-Kartenhaus zusammenfällt, hatten wir ja bereits in Ausgabe 11/2011 „Griechenland versus Europa – wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt“ aufgezeigt.

Was bedeutet dies für die Griechischen Staatsanleihen, die demnächst fällig werden? (diejenige mit Fälligkeit am 18. Mai befindet sich in unserem Musterdepot) Unserer Ansicht nach dürften diese vollständig zurückbezahlt werden, vorausgesetzt man stimmt einem freiwilligen Forderungsverzicht nicht zu. D.h. ein Besitzer einer solchen Anleihe wird nur dann einen Verlust erleiden, wenn Griechenland einen klassischen Bankrott hinlegt (halten wir, wie oben gesagt, für wenig realistisch) oder aber wenn eine Rückkehr zur Drachme ansteht (halten wir ebenso für unrealistisch). Eine Verbindlichkeit eines Forderungsverzichtes von institutionellen Anlegern für alle anderen Anleger, die nicht verzichten, ist bei diesem Typ von Anleihen (nach griechischen Recht) eigentlich nicht vorgesehen. Zwar kursieren hier in den Medien unterschiedliche Sichtweisen, aber nach einigen Recherchen bleiben wir bei unserer Meinung. Sollten Ihnen andere entgegenstehende Infos bekannt werden, bitten wir um Zusendung des Materials. Mehr zum Thema Griechenlandanleihen finden Sie auch im kommenden Heft in der Rubrik „Anleihen“.

Märkte

DAX und Dow kennen derzeit nur die Richtung nach oben. In den vergangenen Wochen hatten wir Sie auf die Ausbrüche aus charttechnischen Dreiecken aufmerksam gemacht. Vor diesem Hintergrund wird es auch weiter nach oben gehen. Wir rechnen insbesondere in den kommenden zwei bis drei Monaten mit weiteren deutlichen Kursgewinnen an den Börsen. Aber Vorsicht: Wie bereits in unserem Jahresausblick angedeutet, wird Europa und auch Deutschland noch im Laufe dieses Jahres in eine Rezession schlittern, die sich gewaschen haben wird. D.h. die derzeitige Kurgewinne sind nicht nachhaltig.

Fazit

Das Schiff Europa“ ist bereits angeschlagen und hat ein Loch im Rumpf. Bis es endgültig gesunken sein wird, wird noch einige Zeit vergehen. Aber das Ende ist absehbar – und es wird leider kein gutes Ende sein. Smart Investor möchte auf diesem beschwerlichen Weg als Ratgeber dienen, wenngleich uns die Schwierigkeit dieser Aufgabe bewusst ist.
©Ralf Flierl, Homepage vom Smart Investor


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15 Kommentare auf "Wenn Schiffe Schlagseite bekommen"

  1. EuroTanic sagt:

    Ich glaube auch nicht an eine Währungsreform und die Auflösung des Euro. Wer sollte das herbeiführen? Die Politiker die den Euro wollen um sich die Taschen zu füllen? Deren Marionettenspieler, die ihre Büttel vorgeschickt haben um das letzte Eigentum aus dem Mob zu pressen? Die MSM, die seit Jahr und Tag nichts anderes machen als dem Mob zu belügen? Der Mob selbst, der nicht mal weiss wie seine Wurst gemacht wird die er sich grade bei DSDS und Djungelcamp in den Rachen schiebt und mit Bier runterspült? Es müsste schon ein Wunder passieren und ein Messias herabsteigen um sich dieser Sache anzunehmen. Ansonsten wird das nix.

    • mfabian sagt:

      Ich glaube durchaus an eine Währungsreform. Nicht nur im Euro. Schlussendlich hat (s. Dirk Müller) in unserem System jede Währung ein Verfallsdatum.
      Wer es herbeiführen sollte? Schlussendlich wohl das Volk, indem es die eigene Landeswährung nicht mehr akzeptiert. Beispiel Simbabwe, wo gegen Ende nur noch gegen Gold, Dollar und Euro verkauft wurde, nicht mehr gegen ZWD.
      Ein Auslöser könnte auch das Ausland sein. Z.B. wenn die Araber kein Öl mehr gegen Dollar verkaufen oder die Chinesen massiv US-Treasuries abstossen.

  2. FDominicus sagt:

    Hielte ich Anleihen würde ich es wie Sie machen. Nur habe ich eben für mich entschiedn nie mehr irgendwelche Anleihen von Staaten zu kaufen. Persönlich trifft es mich also nur über die „Beihilfe zu einem Verbrechen“, euphemistisch Solidarität genannt. Und darüber bin ich wenig erfreut.

    Aber gut Verträge sind gemacht und Verträge sind gebrochen. Beim nächsten Mal (Schuldenbremse) wird garantiert alles anders…..

  3. DukeNukem sagt:

    Ich würde, wie mein Vorredner, ebenfalls keine Staatsanleihen kaufen. Vor allem keine aus Griechenland. Es ist zwar richtig dass es wohl so aussieht als wenn die Griechen bis Ultimo gestützt würden, aber es könnte ja auch anders kommen. Da fühle ich mich mit Sachwerten aller Art bedeutend sicherer als mit Versprechungen irgendwelcher Staaten!

  4. crunchy sagt:

    Die griechische Tragödie ist eine unlösbare Aufgabe: Weiteres Sparen geht nicht: Das Volk macht nicht mehr mit, da die Depression vielen Menschen die Existenz bedroht. Der Aufbau einer rationellen Verwaltung scheitert daran, dass man sie aufgebläht hat und keine Alternativen für das Personal anbieten kann. Der Filz, der für diese Verhältnisse sorgte, wehrt sich, da seine eigene Existenz mit dem Fortbestand verknüpft ist. Und da kommt eine EU, selbst vom Filz zerfressen, und gibt Guten Rat für noch mehr Schulden…!Der einzige Ausweg ist Zeit und Transfer auf Dauer: Nur werden die deutschen Steuerzahler das vielleicht bis zur nächsten Bundestagswahl mitmachen. Und was werden andere, finanziell bedrängte Staaten fordern, wenn man den Griechen nachgibt? Niemand wird mehr sparen wollen: Ein Glück, dass die EZB, als Retter in der Höchsten Not jeden Schrott aufkauft und demnächst auch, wie schon die Fed QE 1 bis unedlich auflegen wird. Mit ein bisschen Inflation erledigt sich das Schuldenproblem und unser Erspartes ebenso. Einer für Alle und Alle auf Einen!

    • Avantgarde sagt:

      „Mit ein bisschen Inflation erledigt sich das Schuldenproblem und unser Erspartes ebenso“

      Das würde ich mal aus dem Gedankengang streichen – so wird und kann es nicht funktionieren.
      Noch nicht mal die EZB „druckt“ ohne Austeritätsmaßnahmen.
      Die Fed hat mit QE2 gerade mal lumpige 600Mrd „gedruckt“ – im Vergleich zu 15 Billionen ein Witz.

  5. MARKT sagt:

    Genau weil Zitat:

    „Europa und auch Deutschland noch im Laufe dieses Jahres in eine Rezession schlittern, die sich gewaschen haben wird.“

    Genau meine Meinung!

    aber eben deshalb,
    werden Dax und Dow die nächsten Monate nicht steigen.
    Wir befinden uns derzeit auch und besonders in den Aktienmärkten in einer Topbildung.
    Leichte Überschüße sind in den nächsten Tagen noch möglich, aber dann….

    Ich bin immer wieder erstaunt, wie zuverlässig der Smart-Investor auch dieses Mal wieder seine Rolle als Kontra-Indikator wahrnehmen werden.

    Plan-und Orientierungslos wie Frau Dr. Merkel and friends?

    • Avantgarde sagt:

      „Ich bin immer wieder erstaunt, wie zuverlässig der Smart-Investor auch dieses Mal wieder seine Rolle als Kontra-Indikator wahrnehmen werden.“

      Die Hausmeinung dort ist wohl noch immer die Hypothese einer baldigen Hyperinflation.
      Sie halten stur daran fest, auch der Dollar tut nicht das was sie gerne hätten, macht nix wird ignoriert.

      Meiner Mindermeinung nach dürfte der Dax gut Platz bis an die 4000 runter haben.
      Damit werde ich beim Smart-Investor aber wohl keinen Blumentopf gewinnen. 🙂

      • Frank Meyer sagt:

        @Avantgarte @MARKT ..kann es sein, dass Ihr beide immer „Euer Buch“ redet?

        • Avantgarde sagt:

          Unser Buch scheint halt ein anderes Cover zu haben 🙂

          Ansonsten redet jeder „sein“ Buch – und das wird beim Blogwart auch nicht anders sein. Aber das ist ja auch OK.
          Der Smartinvestor vertritt halt genau das Gegenteil von dem was ich denke.

          Die seit 2008 vergangene Zeit zeigt doch, daß es so eindeutig mit der angelblichen Hyperinfla eben nicht ist.
          Der Dow, Dax&Co. befindet sich seitdem noch immer im Abwärtstrend.
          Und zwar relativ und nominal.
          Der ständig totgesagte Dollar steigt – und er hat noch sehr viel mehr an Potential(meiner Meinung nach)

          Ich bin halt kein Austrian und habe ganz schlicht einen anderen Blickwinkel.

          Sollte die Fed jemals im großen Stil Papiergeld tatsächlich physisch drucken und unter die Leute zu bringen ohne, daß auf der Gegenseite eine neue Schuld erzeugt wird oder findet eine Streichung der Schulden statt….dann nehme ich die Argumente der Gegenseite gerne noch mal auf.

  6. MARKT sagt:

    Edelmetalle werden immer steigen egal was passiert!!

    Besser so?

  7. MARKT sagt:

    Ich habe den Eindruck, das eine konträre Meinung zum Blogstream nicht gewünscht ist.

    Wenn zum X-ten mal Edelmetalle verherrlicht werden und XX-ten mal der Smart Investor seine Fehlprognosen einstellt, gab es noch nie einen Kommentar mit dem Inhalt „Der Herr Flierl redet immer sein gleiches Buch“

    Finde ich schade aber o.k. ist halt so, Sie sind der CHEF.

    • Frank Meyer sagt:

      Das ist richtig. Kollege ROTT und ich sind die Chefs. Von daher erlauben wir uns auf unserem Blog das zu veröffentlichen, was wir für richtig halten. Vermutlich wird das auch so bleiben. Der Smart Investor stellt nicht selbst ein, sondern ich stelle die beiträge ein. Im Übrigen steht es Ihnen doch frei, andere Seiten als den Rott&Meyer zu besuchen.

      Andererseits frage ich mich, woher Ihr Eindruck stammt, wir unterbinden eine konträre Meinung zum Blogstream.

      Ich habe aus ganz gewissen Gründen gefragt, ob Sie Ihr eigenes Buch reden.
      Sie wissen sicherlich warum. Ihre Reaktion ist für mich umso interessanter, rechtfertigt aber meiner Meinung nach keine Anwürfe mir gegenüber.

      Dass wir hier über Edelmetalle schreiben, ist unsere Entscheidung. Das hat nichts mit Verherrlichen zu tun. Es war meine Frage nach der Positionierung.
      Hier habe ich vielleicht den Bogen etwas zu weit gespannt, lese ich aus Ihrem Kommentar. Es gibt gewisse Anlagen, ohne darauf genauer eingehen zu wollen, die laufen nicht so gut.
      Der Grund dürfte bekannt sein. Um es abzukürzen, ich schreibe über Edelmetalle seit fünf Jahren. Und das bleibt auch so.
      Zudem gebe ich zu bedenken, dass der TrackRecord (Sie kennen das Wort sicherlich) des Smart Investors gar nicht mal so schlecht liegt im Vergleich zu…
      Viele Grüße von Frank Meyer

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