Wenn Kurse die Nachrichten machen…

26. Januar 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Wow! Der Dow Jones hat die 20.000er Marke geschafft. Dabei sagten führende Meinungsexperten, die Anleger wären so tief verunsichert. Woher sie das wissen? Vielleicht haben sie Leute auf Bahnhöfen beim Zittern und Warten auf den nächsten verspäteten Zug beobachtet…

Die Unsicherheit unter den Anlegern war groß, weil der DAX ein paar Punkte verlor. Oha! Trump war schuld. Sonst war es immer Putin. Am Mittwoch aber dann kauften die völlig verunsichert, wahrscheinlich schon verzweifelt, den DAX über 11.800 Punkte und der Dow Jones über die 20.000er Marke. Und auch am Donnerstag hielt die Verunsicherung an. Wären die Börsen aber fünf Punkte gefallen, wäre der Trump der Grund dafür gewesen. Was werden die Experten morgen sagen? Wir wissen es nicht, wahrscheinlich das Gegenteil dessen, was sie vorher sagten. Ja, sie wissen das heute auch noch nicht. Es hängt von den Kursen ab. Diese Berufsgruppe wird nie müde auf der Suche nach neuem Unsinn, um das Laufrad mit der Maus am Rotieren zu halten.

Ich musste abwechseln lachen, mir auf die Schenkel klopfen, in die DAX-Tafel, das Butterbrot und Bleistifte beißen – und die Kaffeemaschine verprügeln – als es hieß, der SPD-Siggi hätte den Startschuss für die DAX-Rallye gegeben, als er seinen Wirtschaftsbericht vorlegte. Ein großartiges Werk aus Hoffnung und ich weiß nicht was. Hoffentlich kommt nichts dazwischen. Ich bekomme mich immer noch nicht ein. Die Börse handelt die Zukunft, hörte ich, und diese wäre rosig, sagte der Siggi. Okay, nicht für ihn als Kanzler, aber wer weiß, in welchem Aufsichtsrat er demnächst unterkommt. Bei Weight Watchers? Und der DAX stieg weiter. Trump ist vielleicht doch nicht so schlecht? Dann kündigte er den Mauerbau zu Mexiko an. Der Dow hielt wie Drei-Wetter-Taft… 

Apropos SPD… Es dauerte nicht lang, da wollten meine Frankfurter Kollegen den Notarzt rufen, als es hieß, die SPD beanspruche die politische Führung in Deutschland, als aus dem Fernseher der Neue heraus schaute – Martin Schulz. Unverbraucht, frisch und ein Mann des Volkes, sagten SPD-Mitglieder in spontanen Umfragen. Ihm traut man zu, aus Deutschland Europa zu machen und die Alpen so platt wie die Nordseeküste, wenn es den politischen Überzeugungen dient. Ein lupenreiner-Zentral-Demokrat. Ich schreckte kurz auf. Zum Glück hatte jemand die Kaffeemaschine vorsorglich versteckt und mir Baldrian-Dragees auf den Schreibtisch gelegt, dass ich damit die AUS-Taste auf dem TV-Flachbildschirm träfe. Die Fernbedienung streikte nämlich. Die hatte wohl Putin gehackt. 

Laut den aktuellen Umfragen kommt die SPD hierzulande auf gigantische 20 Prozent. Abzüglich der Nichtwähler, also 12 Prozent, reicht das nicht nur für die politische Führerschaft, sondern auch noch für die Meinungsführerschaft. Ganz klar! Ein Meinungsführerschaft-Ministerium wäre nur noch eine Frage der Zeit in einer Welt der alternativen Fakten… Moment! Der Begriff kam aus den USA! Doch alles, was dort erfunden wird, setzt sich hier später durch, selbst wenn auf unserem Kontinent schon konsequent umgesetzt wird.

Je nach Börsenstand wird Trump ein guter oder schlechter Präsident. Wir vermuten er wird ein anderer Präsident. Allein schon die Krawatte! Ist es dennoch nicht eine Art von Frische, die durch die politischen Gräben weht? Oder Gestank? Bei minus zehn Grad sehnt man sich doch glatt nach den medial mollig warmen Zeiten unter Barack Obama, dem Friedens-Preis-Präsidenten.

Gefährlich ist der Trump jedoch aus zwei Gründen: Zum einen setzt er das um, was er im Wahlkampf versprochen hat. Ist das nicht unerhört? Mit der SPD oder einer anderen Blockpartei würde das nie passieren. Zum anderen wissen wir ja nicht, auf welche Ideen er noch so kommt. Man stelle sich nur mal kurz vor, der Typ sorgt für Frieden auf der Welt und macht Amerika Great Again. Grausig! Und was kann man tun? Nichts. Höchstens sich darauf einrichten. Aber auf was? Dass das das Ende der Welt ist, so wie wir sie kennen? Das schrieb doch der „Spiegel“, und der muss es ja wissen. Schade nur, dass seine Auflage nur noch ein Prozent der Bevölkerung erreicht, also die absolute Meinungsführerschaft.
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4 Kommentare auf "Wenn Kurse die Nachrichten machen…"

  1. JayJay sagt:

    –lupenreiner-Zentral-Demokrat—- 🙂 —-wieder mal herrlich zu lesen, Herr Meyer.

    Danke dafür, jetzt kann man sich auf das Wochenende freuen. 🙂

    Gold & Silber Ahoi

  2. Avantgarde sagt:

    Dass der Terminator aus Würselen gleich beliebt ist wie die amtierende Führerin ist glasklar in einer ARD Umfrage bestätigt worden.
    Ganze 1011 Menschen in D haben an der Umfrage durch Computergestützte Telefoninterviews teilgenommen
    https://www.tagesschau.de/inland/deutschlandtrend/
    Na – dann wird das wohl auch stimmen 🙂

    Noch ein Erfolg der sogenannten „Guten“ der Welt – also die Clintons, Obamas, Merkel…..
    Acht Milliardäre sind so reich wie die Hälfte der Weltbevölkerung
    https://www.heise.de/tp/features/Der-Albtraum-vom-Kapitalismus-ist-wahr-geworden-3608638.html

    Das würde man vielleicht gerne Trump den Briten mindestens aber Putin oder Xi Jinping in die Schuhe schieben.
    Geht aber ganz offensichtlich nicht – die Phenomene Trump und Brexit sind die Folge und nicht die Ursache.

    Wäre es möglich, daß die bejubelten „Guten“ vielleicht doch nur genau die neoliberale Politik betrieben haben die uns all die bekannten Probleme erst beschert hat?
    Könnte es sein, daß eine Abkehr vom weiter-so bessere Ergebnisse liefert?

  3. Aristide sagt:

    „die SPD beanspruche die politische Führung in Deutschland“

    LOL
    Das ist aber kein Fall für den Notarzt! Die Ärzte, die für sowas zuständig sind, befassen sich i.d.R. nicht mit körperlichen Leiden. 😉

  4. DonSarkasmo sagt:

    Sehr geehrter Herr Meyer,
    ergänzend sollte man noch anfügen, dass Präsident Obama den Friedensnobelpreis nur dafür erhalten hat, dass er nicht George W. Bush war. Durchaus verständlich.

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