Wenn Hochprozentiges hoch geht

13. Januar 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Darf man etwas zu Prokon sagen? Das sind die mit den Windrädern und den acht Prozent pro Jahr. Vielleicht verklagen sie mich? Dafür bräuchten sie aber Geld. Und das fehlt ihnen, wenn…

…nur fünf Prozent der rund 75.000 Inhaber von Prokon-Genussscheinen diese kündigen. Prokon fordert sie auf, das nicht zu tun – sonst heißt es Ende Gelände – oder so ähnlich. Was für eine schmeichelhafte Erpressung.

Oh ja, ich erinnere mich. Prokon-Werbung hat regelmäßig meinen Briefkasten verstopft – sowohl elektronisch als auch den vor der Tür. Werbe-wurf-Sendungen per Post, an alle Haushalte, so hieß das, glaube ich. Da war sicherlich kein Konzept dahinter. Oder doch?

Man hat viel Geld aufgewendet, um Gelder von Anlegern einzutreiben mit der Maßgabe, darauf gäbe es sechs, sieben oder acht Prozent. Wer kann da schon nein sagen? So haben 75.000 Leute diese Genussscheine gekauft für insgesamt 1,4 Milliarden Euro. Und nun droht die Pleite.

Sollte es dazu kommen, müsste festgestellt werden, was die Windanlagen in Deutschland und Polen und zudem andere Projekte wie eine Ölmühle in Magdeburg wer sein? Das wissen die Götter. Mit Informationen soll Prokon recht sparsam umgegangen sein – im Gegensatz zur Werbung und Prozent-Ausschüttungen. Wenn es zur Pleite käme, bin ich wieder gespannt, wer die Reste aufkauft und zu welchem Preis.

Wo der Genuss mit den Genussscheinen jetzt geblieben ist, fragen sich jetzt die „Investoren“. Genuss bedeutet hier kein Mitspracherecht der Anleger. Der Anlagenotstand unter ihnen muss jedoch groß gewesen sein. Bislang hat man ja die Zinsen gezahlt, so sicher wie ein Sparbuch. Und nun geht es vielleicht sogar schief.

Es stellt sich nicht nur die Frage, warum Prokon nicht die Kredite bei Banken bekommen hat, sondern bis zu acht Prozent den Genussschein-Käufern versprach. Man wollte unabhängig sein, erinnere ich mich. Aber es passt zum Zeitgeist, dass in zinslosen Zeiten mit hohen Zinsen geworben wird. Und Prokon ist nicht der einzige Fall. Zum Zeitgeist passte es auch, wenn im Falle einer Insolvenz die Leichen noch mal ordentlich gefleddert werden – als kleine Rache. Doch soweit ist es nicht.

Mittel für den Mittelstand

Bei Mittelstandsanleihen heißt die Ausschüttung übrigens Kupon. Die Anleihen sind börsennotiert. Extra Segmente wurden eingerichtet und mit großem Pomp in der Öffentlichkeit angekündigt und gefeiert. Sieben bis acht Prozent für die Anleihen sind keine Seltenheit, im Schnitt 7,4 Prozent, errechnete die Ratingagentur Scope.

Kein Wunder, dass die Leute heute etwas mehr haben wollen als etwas nichts wie auf der Bank oder dem Sparbuch. Und der Markt für anlagefreudiges Geld funktioniert. Lernkurse flach, Erwartungen hoch…

Und auch morgen stehen wieder Dumme auf. Manche tun das sogar doppelt.

Ihnen hatte doch niemand gesagt, dass höhere Rendite mit einem höheren Risiko einher ginge. Acht Prozent muss oberhalb einer Barriere liegen, wo der Verstand aussetzt.

Ich wette, nicht mal zehn Prozent der Leute wissen, was ein Genussschein ist, um den sie jetzt bangen. Wahrscheinlich heißen Genussscheine deshalb so, weil sie ungenießbar werden können, wenn ein Unternehmen keine acht Prozent auszahlen kann, weil sie nicht nachhaltig erwirtschaftet werden können. Wir haben darüber ja schon sinnlose Texte geschrieben.

Seit 2010 wurden übrigens 150 Mini-Bonds ausgegeben im Volumen von 7,3 Milliarden Euro. Dieser Markt wäre sicherlich weit schneller groß geworden, wenn es nach so kurzer Lebensdauer nicht zu ersten Ausfällen gekommen wäre, die sich mehr und mehr häufen. Gut so, bevor der Schaden größer wird. Mister Market – übernehmen Sie! 7,4 Prozent durchschnittliche Rendite sind in diesen Zeiten eben doch etwas zu viel.


 

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3 Kommentare auf "Wenn Hochprozentiges hoch geht"

  1. FDominicus sagt:

    Die Sache mit der Prokon hatte ich mir angeschaut, konnte ich aber schon vor 3 Jahren oder so nicht davon überzeugen, es könnte klappen. Das Geschäftsmodell funktioniert nur bei der noch exorbitant hohen Einspeisevergütung von vor 3 Jahren. Ein modell was „nur“ auf Subventionen beruht, kann man nicht Geschäftsmodell nennen.

    Trotzdem bin ich der Meinung Mittelstandanleihen sind insgesamt der „richtigere“ Weg. Warum sollte man als Intermediär Banken damit beauftragen? Unser Banksystem ist nun mal in dieser Form ein Betrugsystem. Das bin ich ziemlich froh wenn ich darum herum kommen kann. Ja ich kann leider meine Orders nur über die Banken plazieren, aber eine Mittelstandsanleihe gehört „mir“, während das mit dem Geld auf einer Bank so ein Sache ist…..

    Ich bin mir durchaus des Risikos bewußt, aber bevor ich Staaten auch nur noch einen Cent freiwillig gebe, bevorzuge ich doch lieber es produktiven Firmen zu geben.

    Was ich durchaus auch begrüsse, bei Anleihen funktioniert das mit dem Zins als Risikoprämie noch. Davon kann ich bei Staatsanleihen nicht mehr ausgehen.

    Natürlich kann ich mit Mittelstandsanleihen „daneben“ liegen, aber das ist nun mal etwas was sich nicht verhindern lässt. Man weiß eben nicht was die Zukunft bringt. Aber ein brauchbares Geschäftsmodell und jählich ein Gewinn statt eines Verlusts (wie bei Staaten) sind für mich gute Argumente im Bereich der Mittelstandanleihen Anlagen zu tätigen….

  2. wolfswurt sagt:

    Lustig ist die Werbung von Google unter dem Beitrag: „12%- Geldanlage Schweiz“.

    Oder die 12% bei Investitionen in Wald.
    Die Holzrendite bei Wald ist im übrigen 1% per anno.
    Wo da 12% herkommen sollen ist mir ein Rätsel.
    Vielleicht 11% von der EZB?

  3. bluestar sagt:

    „Ich wette, nicht mal 10 Prozent der Leute wissen, was ein Genussschein ist, um den sie jetzt bangen“.
    Wette schon gewonnen, denn es werden wohl nicht einmal 5 Prozent sein.
    Aber auf 8% Rendite und sonstige Versprechungen von „Experten“sind natürlich alle rattenscharf, auch die 95% Ungebildeten, die zwar Lesen und Schreiben können, aber
    nicht selbständig denken und handeln.
    Die Ergebnisse sind dann enttäuschte „Anleger“ und GROKOS.
    Beide sind Ausdruck einer infantilen, unselbständigen Mehrheit der Bevölkerung, mit
    der Sehnsucht nach mehr staatlicher Kontrolle und Regulierung.
    Gestern Abend war ich sehr tapfer und habe mir „Hart aber fair “ angeschaut.
    Die ohne jeglichem Charisma und Rückgrat ausgestatteten Herren Kauder und Oppermann hätten in alten SED-Zeiten beste Chancen auf einen Posten im Politbüro gehabt. Mein Gott war das erbärmlich, mit brechreizfördernden Szenen und einer
    schmerzlichen Erkenntnis. Das sind führende Vertreter der vom Volk gewählten
    Parteien mit einer bedrohlichen Mehrheit zur Möglichkeit von Verfassungsänderungen.
    Wie können Menschen/Wähler nur so blöd sein um solche schmierigen Lakaien zu wählen ? Dagegen ist ja der Kauf von Prokon-Genussscheinen eine intellektuelle Meisterleistung.

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