Wenn Geld knapp wird

7. Juli 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer 

Frankfurt feierte den 25. DAX-Geburtstag und ich war wieder in Spanien unterwegs. Die Sonne war der einzige Lichtpunkt, während die Gelddürre nichts mehr wachsen lässt. Der ganze „Club Med“ vertrocknet. Die EZB kündigt jetzt noch billigeres Geld an, doch welcher Spanier soll noch Kredite aufnehmen?

Hier sieht man wie Märkte funktionieren, wenn sie nicht funktionieren. Während Spanien das Geld ausgegangen ist, sind die Schulden bleibend. Da geht es „uns“ doch richtig gut! Zumindest offiziell. Kann es in Deutschland zu spanischen Verhältnissen kommen? Gut Möglich. Auch in deutschen Geldbösen wird das Geld knapper, auch wenn es nach außen einen anderen Eindruck machen soll.

Die Statistiken erinnern an schlechte Kindergeburtstage mit zwanghafter Feierlaune und dann großer Enttäuschung beim Auspacken der Geschenke.

Ha! Experten sehen immer noch eine robuste Lage am Arbeitsmarkt und steigende Einkommen, während die Reallöhne das erste Mal seit 2009 sinken. Das tun sie schon länger, unterstellt man eine Inflation, die doch etwas höher ist als offiziell verkündet. In den letzten fünf Jahren stiegen die Nominallöhne um 12,2 Prozent und die Lebenshaltungskosten um 8,3 Prozent. Welcher Planet der Milchstraße damit gemeint sein könnte, weiß ich nicht.

Arbeitnehmer werden inzwischen immer später Rentner. 2012 gab es 812.000 Minijobber über 65 Jahren. Liegt es etwa doch an der Altersarmut, die es doch gar nicht gibt? Oder ist es der sagenumwobene Arbeitskräftemangel? Sehen Sie, jetzt werden sogar die Leute aus den Südländern nach Deutschland geholt. Ich vermute, es geht nicht nur darum, Facharbeiter zu bekommen, sondern um auch den Druck auf die Arbeitslöhne aufrecht zu erhalten. Was wundert man sich? Wenn man den Niedriglohnsektor fördert, bekommt man dort einen Boom.

Es sind seltsame Zeiten… Steigende Konsumstimmung, bei stagnierenden Umsätzen im Einzelhandel und jetzt auch noch einbrechende Autoabsätze als typische Aufschwungzeichen inmitten eines Wahlkampfes, den man gar nicht mehr so bezeichnen darf. Da passt nichts zusammen. Meiden Sie diese Tischfeuerwerke als Anlageentscheidung!

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


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Ein Kommentar auf "Wenn Geld knapp wird"

  1. Bloody Mary sagt:

    Seltsame Zeiten sind es in der Tat und immer beänstigender stellt sich die Frage: Was kommt danach? Ist das Drehbuch schon geschrieben?

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