Wenn Drogenbosse für Kollegen aussagen

23. März 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Geld als Droge. Ohne Moos nix los. Niemals käme ein Notenbank-Chefs auf die Idee, schlecht über seine Kollegen zu reden. So hielt es auch US-Notenbankchef Bernanke bei einem Vortrag an der Universität in Washington. Er hatte die unangenehme Aufgabe, Alan Greenspan in Schutz zu nehmen. Er ist nicht schuld. Applaus!

Bernanke hat mal wieder eine Vorlesung gehalten und die Zinspolitik seines Vorgängers Alan Greenspan verteidigt. Diese sei nicht die Ursache des Immobilienbooms gewesen. Ja was dann? Kollektiver Irrtum? Außerirdische? Medikamente?

Wir wissen es nicht, nur dass Alan Greenspan etwas damit zu tun haben musste, war er doch für den Preis des Geldes damals zuständig. Nachdem er diesen Preis nach 2001 auf ein Minimum gesenkt hatte, wuchs im Immobilienmarkt eine Blase. Es mag Zufall gewesen sein, wenn auch ein ganz komischer…

„Es gibt keinen Konsens in dieser Frage, aber meiner Einschätzung nach gibt es nur geringe Anhaltspunkte dafür, dass die Geldpolitik die Hauspreise während des Aufschwungs nach oben getrieben hat.“

Vielleicht ist der US-Notenbankchef auch nur von schwarzem Humor durchtränkt. Vermutlich gibt es in Bernankes Welt auch nur wenige Anhaltspunkte dafür, was das Ergebnis seiner derzeitigen Geldpolitik sein wird. Vielleicht ahnt er es selbst nicht und drückt deshalb mit seinen Kollegen so wild auf den Knöpfen herum.

Er beklagte sich über zu wenig Konsum, auf dessen Basis das Geschäftsmodell der USA umgebaut wurde und nun beruht. Wo soll er auch herkommen? Wer weiß, vielleicht schaffen es seine niedrigen Zinsen und leise Gebete, eine Blase entstehen zu lassen, wie damals im Immobilienmarkt, wo der Bankautomat plötzlich im Schlafzimmer stand?

Kauft mehr! Mehr Häuser! Mehr Aktien! Mehr Mehr!

Gleichzeitig ermöglicht die FED der US-Regierung, ihre Schuldenberge zu komfortablen Preisen gedeihen zu lassen. Bernankes Manipulation der Zinsen über Quantitative Easing, Twist andere tänzerische Verdrehungen werden für die Märkte nicht folgenlos bleiben. Greenspan sagte früher, man könne eine Blase erst erkennen, wenn sie platzt. Ein gutes Alibi, auf das sich jeder Verantwortliche jederzeit berufen kann. Vermutlich wird die Bernanke`sche Notenbankpolitik ebenso wenig folgenlos bleiben wie die zu Zeiten von Maestro Greenspan – aber folgenlos für den obersten US-Währungshüter. Welch schönes Wort.

Bernanke bemühte als Gegenbeispiel zum Immobilienboom in den USA die Preisentwicklung in Großbritannien. Dieser begann in den späten 90er Jahren, und das trotz einer strengeren Geldpolitik, und das, bevor die Zentralbank die Zinsen senkte.

„Der Anstieg der Hauspreise war viel zu groß, als das er durch eine relativ kleine Veränderung der Geldpolitik erklärt werden kann“.

Es wird Bernanke nachgesagt, Vorlesungen vor jungen Leuten seien wie ein Jungbrunnen für ihn, und durchaus angenehmer, als vor dem Kongress von einem Ron Paul im Beisein der Kameras gegrillt zu werden. Vielleicht geht er ja zurück zu seinen Wurzeln und kann sich des Themas Zinsen, Preis für Geld und dem daraus resultierenden Marktversagen in Bezug auf seine Tätigkeit und die seines Vorgängers das eine oder andere Semester gönnen.


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Ein Kommentar auf "Wenn Drogenbosse für Kollegen aussagen"

  1. crunchy sagt:

    Ich habe lange gewartet, Jens Weidmann einen Weichspüler schimpfen zu dürfen:

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/standpunkt-jens-weidmann-was-steckt-hinter-den-target2-salden-11681939.html

    http://www.querschuesse.de/stellungnahme-target2-bund-der-steuerzahler-in-bayern-e-v/

    Ich muss das nicht mehr sagen, jeder darf seine Schlüsse daraus ziehen!

    Pfeiffe? Wer pfeifft? : Die verjunkerte Merkel!

    Nachtigal, da hört ich aus der Ferne ein´ Gesang´.
    Nach Demokratie es klang.
    War es ein Vosskuhle, ein Gauck?
    Freiheit durch Verantwortung!
    Klamauk?
    Gar´ eine Volksrevolution von Oben?
    Da wird aber ein Märkel toben!

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