Wenn die Rendite wegrennt…

17. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Mit Spannung wurde von einigen Marktteilnehmern die große Korrektur an den Aktienmärkten erwartet. Nun ist sie da und für viele kam sie mal wieder etwas zu schnell. Viele Gremien hatten während der einjährigen Topbildung offenbar besseres zu tun als über mögliche Kursrisiken nachzudenken…

Mancher Anleger nutzte die letzten Monate für die Auswahl neuer Assetklassen. Da viele institutionelle Anleger mit den Aktienquoten am Anschlag waren, schlug die große Stunde der illiquideren Assetklassen. Während mancher sich bei der Selektion mit der groben Generalisierung „Alternative Investments“ zufrieden gibt, was meistens sehr treffend mit „hohe Gebühren“ zu übersetzen ist, steckten andere ihr Geld (oder das der anderen) in Wertpapiere mit hohen nominalen Renditen. Die damit verbunden hohen Ausfallrisiken wurden meist mit dem Verweis auf „die Zentralbanken“ weggewischt. Nach Rendite sortieren und von oben herunter alles kaufen, bis das Geld angelegt ist – so einfach ist die Asset Allokation.

Die Kapitalflüsse in illiquide Wertpapiere hielten im laufenden Jahr nicht überall an. In einem Zeitraum, den einige große internationale Häuser nutzten, um sich in Blöcken von schlechteren Papieren zu trennen, wagten sich viele unbedarfte institutionelle Investoren ausgerechnet auf den Tiefs der Risikoprämien ins Abenteuerland. Es gibt halt keine Rotation, was der eine verkauft, muss ein anderer kaufen. Unter den Auserwählten befinden sich auch heimische Pensionskassen und andere Geldverwalter, die mal wieder die Vergangenheit mit dem Lineal in die Zukunft fortgeschrieben haben.

Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der Mittelzuflüsse in High Yield und Leveraged Loans im laufenden Jahr.

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Diejenigen, die in 2014 gekauft haben, müssen eine bemerkenswerte Auffassung von antizyklischem Verhalten haben. Anders kann man das „kaufen, wenn andere verkaufen“ kaum interpretieren. Leider gilt diese Regel nicht am Top sondern am Tiefpunkt, aber das sind natürlich kleingeistige Haarspaltereien.

Das eher schlichte Verhalten der Institutionellen dürfte viele Anleger ein paar Euros kosten, hat sich doch so manch hoffnungsfrohes Renditeziel im laufenden Jahr in beeindruckender Geschwindigkeit in Rauch aufgelöst. So sind die schlechteren Qualitäten des High Yield Sektors auf dem kurzen Dienstweg vom ersten auf den letzten Platz gefallen. Nicht jeder Buchgewinn wird zum realisierten Gewinn.

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In weniger als drei Monaten sind die Bonds wackliger Emittenten von plus 7% ins Minus gefallen. Für Anleihen ist das eine stramme Leistung. Die oben stehenden Kurven sollen übrigens nicht suggerieren, dass die Besitzer der Papiere auf dem aktuellen Niveau überhaupt einen Käufer finden. Die Suche nach dem nächsten Besitzer dürfte sich eher langwierig und zäh gestalten, die Preise dürften deutlich tiefer liegen, als dies die Buchpreise in den Depots den Anlegern vorgaukeln.

Nachdem die krankhafte Jagd auf vermeintliche Renditen über die Jahre zu einer immer höheren Risikoneigung der Anleger gesorgt hat, darf man nun auf die zweite chronische Krankheit vieler Anleger gespannt sein. Es handelt sich um die Stichtagsseuche. Anstatt einer langfristig ausgerichtete Strategie und der Fähigkeit, auf Ereignisse zu reagieren, regiert in einer Art Planwirtschaft ein rigides Ein-Jahres-Denken. Nun brauchen Unternehmen natürlich eine Planung, allerdings sind die Auswüchse im Finanzsektor teilweise grotesk. Anstatt zu schauen, welche Ziele erreichbar sein könnten und wie man sie erreichen kann, legt man sich in der Branche gerne auf ein fixes Ziel fest und kennt auch nur ein Mittel zur Zielerreichung.

So hegen viele Pensionskassen die 4-Prozent-Marke, die man Jahr für Jahr erreichen oder übertreffen muss, wie einen heiligen Schrein. Als einzig möglichen Faktor, diese Rendite einzufahren, sieht man entsprechende Einnahmen aus laufenden und einmaligen Kapitalmarkterträgen. An die anderen beiden möglichen Stellschrauben, die Erhöhung der Einzahlungen bzw. die Senkung der Ansprüche, denkt man offenbar nicht oder schließt diese aus politischen Erwägungen aus. Man verkauft dieses dogmatische Festhalten am Prinzip Hoffnung zu allem Überfluss oftmals noch als positiv für die künftigen Pensionäre, eine Einstufung, die einer Frechheit recht nahe kommt. Denn die einzige Alternative, mit der viele institutionelle Anleger die Ziele erreichen wollen, besteht in Zeiten überbewerteter Aktien und massiv gesunkener Risikoprämien sowie Zinsniveaus in der Akzeptanz höherer Risiken. Wie die Vergangenheit zeigt und die Zukunft ebenfalls zeigen wird, sind die Risiken dann doch ein bisschen zu hoch. Im Endeffekt haben die Großplaner den Einzahlern dann ein Prozent Beitragserhöhung „erspart“ um dann auf Grund zu hoher Risiken Verluste von 40% einzufahren. Schuld, da kann man sicher sein, ist in diesem unglücklichen Fall natürlich „der Markt“. Eine armselige aber für viele so genannte Entscheider über lange Jahre erfolgreiche Strategie.

Generell darf man sich fragen, wie sinnvoll eine Planung nominaler Erträge bei der langfristigen Kapitalanlage ist, aber das ist ein anderes Thema.




 

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Ein Kommentar auf "Wenn die Rendite wegrennt…"

  1. Michael sagt:

    Die bessere Wahl zwischen schlechten Alternativen ist keine gute. Im Moment verdirbt bis auf die Rohstoffe alles. Wenn die Zeit kommt, dass Anleger in Rohstoffe müssen gehen, dann ist eher mal sich rausnehmen angesagt. Blöd wenn man die Option nicht hat. Zuschauen wenn es runter geht ist immer lustiger und wenn die Hoffnung zerberstet vor den Augen der Optimisten, dieser Moment ist nicht in Myrrhe aufwiegbar, nicht in Gold. Er ist unbezahlbar.

    Assetmärkte sind eine der wenigen Märkte, besonders Aktien, in den hohe Preise als nützliches Instrument wird angesehen Wohlstand zu erlangen. Teuer zu verkaufen ist die halbe Miete und noch teurer schon nicht wirklich eine berauschende Option. Billig kaufen schafft den Chancenraum.

    Das Elend der Bullen ist der Saft in dem die Rendite schmort und am Ende knusprig fein gebacken einfach eingesammelt wird. Der schwarze Schwan als knusprige Ente serviert erfreut den Gaumen.

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