Wenn die Regierungen die gesamten Vermögen kontrollieren…

11. Juli 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Die Anleger haben inzwischen realisiert, dass der Brexit nicht das Ende der Welt ist. Erstens, weil sie denken, dass es am Ende nicht wirklich zum Brexit kommen wird. Schließlich können Eliten Wahlen „hinbiegen“, Politiker kaufen und die öffentliche Ordnung steuern…

Sicherlich können sie auch dieses Problem beheben! (Ein Brief in der Financial Times erinnert uns daran, dass die schwedischen Wähler im Jahr 1980 ihre Stimme gegen die Atomkraft abgaben. Die Regierung ignorierte die Volksabstimmung einfach und verdoppelte die Kernenergie in den nächsten 36 Jahren.)

Zweitens, weil die Investoren sehen, dass die Brexit-Panik zu noch beherzterem Eingreifen der Notenbanken führt!

Die Notenbank-Geldschleusen sind bereits weit offen und werden wohl noch weiter geöffnet werden. Die US-Notenbank hat ihr QE-Programm zwar auf „standby“, aber in Europa sprudelt es wie an den Niagara-Fällen. Mario Draghi von der Europäischen Zentralbank kauft für 90 Milliarden Dollar pro Monat Anleihen. Und er kauft nicht nur Staatsanleihen, sondern auch Unternehmensanleihen.

Unter Null

In Japan, das ja immer Trendsetter ist, hat die Bank of Japan so viele japanische Anleihen gekauft und deren Rendite unter Null gedrückt – sogar Papiere mit einer Laufzeit von mehr als 45 Jahren! Mit anderen Worten, sie können der bankrotten japanischen Regierung bis 2061 Geld leihen; und zwar ohne Hoffnung, auch nur einen müden Yen nominal mit dem Investment zu verdienen.

Mittlerweile stapeln sich ja die Anleihen in den Tresoren der japanischen Notenbanker. Zur Diversifikation kaufen sie jetzt auch noch Exchange Traded Funds (ETFs) auch. Mittels ETFs kauft die BoJ für etwa 30 Milliarden Dollar pro Jahr japanische Aktien. Damit wurde die Notenbank zu einem der Top-10-Aktionäre in etwa 90% Unternehmen des Nikkei 225-Index.

Offenbar kündigte die BoJ an, eine bestimmte Art eines politisch korrekten ETF kaufen zu wollen. Und zwar noch bevor ein solcher überhaupt existierte. Dies führte dazu, dass just genau ein solcher ETF kreiert wurde, den die BoJ haben wollte.

So, jetzt kauft also das von der Bank of Japan kreierte Schein-Geld den vom Sushi-Äquivalent der Wall Street konstruierten Schein-ETF … ausschließlich zu dem Zweck, damit die Samurai Notenbank-Bürokraten noch mehr Schein-Geld in den Finanzsektor pumpen.

Der ETF muss dann politisch modische Unternehmen kaufen. Viele von denen würden wahrscheinlich gar nicht erst in die Verlegenheit geraten, überhaupt zu existieren.

Ergebnis dieser Aktion?

Die Bank of Japan – nicht private Investoren – ist der stolze Besitzer von Aktien und Anleihen, die private Investoren nicht haben oder haben wollen. Und obendrauf noch zu Preisen, die kein vernünftiger Mensch zahlen würde. Die ganze Show ist zu doof für Worte. Aber Worte sind alles, was wir haben.

Kapitalismus ohne Kapital

„Es ist nur eine Frage der Zeit“, so schreibt uns ein Freund aus der Schweiz, „ehe die Feds dieser Welt all unsere Vermögenswerte besitzen werden. Sie sind ja dazu da, die Preise künstlich hoch zu halten und sie haben unlimitierte Ressourcen.“ Ja, Aktien, Anleihen, alte Kopien vom Mad Magazine … alles wird am Ende der Regierung gehören.

Dann wird unsere Freiheit endlich „vollendet“ sein. Wir haben nichts … und nichts zu verlieren. Wir werden das werden, was der führende „progressive“ Ökonom Wilhelm Röpke schon erwartet hatte: „gut gefütterte“ Tiere, die von ihren Herren abhängen und sich ihnen fügen.

Endlich werden wir die Art des Kapitalismus haben, von der ein anderer Ökonom – Karl Marx – träumte: Kapitalismus ohne privates Kapital.

Das Schattenkabinett „Deep State“ wird all unseren Reichtum kontrollieren. Wir werden mit Darlehen des Bundes auf die Uni gehen …

… Wir werden Autos fahren, natürlich geleast und subventioniert mit Bundesmitteln…

… Wir werden in Häusern leben – mit Hypotheken durch die Bundeshypothekenbank Fannie Mae … selbstverständlich werden die Monatsraten tief sein, da die Hypothekenzinsen vom Artgenossen und Manipulator, Freddie Mac, nach unten gedrückt wurden.

… Wir werden für Unternehmen arbeiten, die von billigstem Notenbank-Geld abhängen …

… Und, natürlich, unsere medizinische Versorgung wird in den Händen der Bundesbehörden sein… und natürlich auch unsere Altersvorsorge. Von der Wiege bis zur Bahre – von Kapitel 1 bis Kapitel 11 … alles auf Notenbankkredit. Jeder Dollar im privaten Sektor ist entweder verdient oder geliehen.

Die Feds und ihre Kumpanen bekommen ihr Geld kostenlos. Nach und nach besitzen sie mehr und mehr Vermögen, während der Rest der Menschen immer tiefer verschuldet ist und schleichend verarmt.

Warum die Qualität nachlässt…
von Bill Bonner

Lassen Sie uns heut im Labyrinth wieder versuchen, einen Punkt mit dem anderen zu verbinden. Wie konnte das alles nur passieren? Jüngst haben wir hier im Tagebuch in Erfahrung bringen können, dass der Preis nicht das gleiche wie der Wert ist.

Wenn Sie die Preise erhöhen wollen, müssen sie nur mit etwas Bargeld um sich werfen. Mehr müssen sie gar nicht tun. Werfen Sie Geld aus Hubschraubern … vor allem in sozial schwierigen Gegenden und Stadtteilen…. und die Preise werden steigen. Aber der Wert?

Hier kommt der Punkt, wo es wirklich interessant wird … Denn wenn Sie Geld aus Hubschraubern werfen, tendieren die Werte leider dazu, rückläufig zu werden. Welcher Schuster macht sich noch stolz ans Werk, um ein ein gutes Paar Wanderschuhe herzustellen, wenn gleichzeitig ohne Aufwand Geld vom Himmel fällt?

Welches Unternehmen wird immer noch schwitzen und sich mühen, die bestmöglichen Produkte zu produzieren, wenn seine Einnahmen nicht mehr aus den Rechnungen an die Kunden stammen? Welcher Analyst schärft noch seinen Bleistift, um die besten Unternehmen zum Investieren zu finden, wenn es keinen Zusammenhang zwischen Geld und Qualitätsleistung mehr gibt?

Ob nun in den reichen Vierteln oder bei den Armen – wenn man schlicht Geld verschenkt, führt das zwangsläufig zu Problemen. Die Qualität lässt nach… weil immer weniger Menschen bereit sind, sich die Zeit zu nehmen, um mühsam qulitativ Hochwertiges zu produzieren. Und warum sollten sie auch?

Der alte und heilige Zusammenhang zwischen Qualität und Reichtum, Anstrengung und Belohnung ist zerstört worden. Möchten Sie wissen, warum der durchschnittliche amerikanische Mann heute weniger verdient, als vor 40 Jahren? Möchten Sie wissen, wie die Reichen so stinkreich wurden? Möchten Sie wissen, warum, wie die Financial Times jüngst schrieb, Hillary eine große Angst vor einer „populistischen Infektion“ hat?

Die Feds nahmen das Messer im Jahr 1971 in die Hand. Sie änderten das Geldsystem. Sie trennten die Verbindung zwischen Gold und dem Dollar … und zwischen Wert und Preis. Es war so subtil, fast niemand widersprach … und so klug, dass fast niemand sah, was es wirklich bedeutete.

Es dauerte mehr als 40 Jahren, es herauszufinden. Und auch jetzt, zeigen die Punkte nur ein Muster, aber es ist undeutlich … schwer zu sehen … und nicht einfach zu interpretieren. Die meisten Menschen sehen nur die Symptome … das läuft darauf hinaus … das Fieber … den Nachtschweiß … und die täglichen Täuschungen zu sehen.

Die Massen stimmen für Brexit oder Donald. Die Zinsen fallen auf ein 5.000-Jahres-Tief. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Was ist die Ursache?
Quelle: Kapitalschutz Akte
Wenn die Regierungen die gesamten Vermögen kontrollieren… (von Bill Bonner)
Warum die Qualität nachlässt… (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

Ein Kommentar auf "Wenn die Regierungen die gesamten Vermögen kontrollieren…"

  1. Benji sagt:

    Geld ist doch irgendwie,wie die Zeitung von Gestern,…..wenn man jemanden fragt,warum er Geld hat und warum es was wert sein soll,….kommt als Antworten immer eine Geschichte oder Märchen aus der Vergangenheit wie,Ich habe mal,….Ich konte mal,…..Ich war mal,…..
    Wenn man dann fragt,…Ja,…und was biste und was kanste Heute und Morgen,dann steht den meisten ein P im Gesicht……
    Ich habe noch nie jemanden gesehen der die Zeitung von Gestern gekauft hat,…. und wenn es für Zeitungen von Gestern keinen Markt gibt,…..ist sie doch das Unintressanteste und Wertloseste was es gibt,….oder

    Die Massen stimmen für Brexit oder Donald. Die Zinsen fallen auf ein 5.000-Jahres-Tief. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Was ist die Ursache?

    Freude,Spass,Fortschritt(Heute,die böse Rechte Ecke) und Leid,Mittleid,Ruhestand(Heute,die alles richtigmachende Gutmenschen Ecke) befinden sich bei uns nicht mehr im Gleichgewicht,….

    Über Leid und Mitleid,……denke ich Heute im Jahr 2016,ähnlich wie es Nietzsche in seiner Krietik am Mittleid schrieb.

    Nietzsches Kritik am Mitleid

    Friedrich Nietzsche stand dem Mitleid ablehnend gegenüber. Im Gegensatz zu Schopenhauer betrachtet er dieses Phänomen jedoch aus der Perspektive dessen, der versucht, Mitleid bei seinen Mitmenschen zu erzeugen. Er nannte es ein „Bedürfnis der Unglücklichen“, mit dem „Zur-Schau-Tragen“ ihres Leides letztlich Macht über den Mitleidenden auszuüben. Aktiv Mitleid erzeugen zu wollen, stelle den Versuch einer Person dar, den Mitleidenden „wehe zu tun“, um die eigene Schwäche bis zu einem gewissen Grad zu kompensieren:

    „Vielmehr beobachte man Kinder, welche weinen und Schreien, damit sie bemitleidet werden, und deshalb den Augenblick abwarten, wo ihr Zustand in die Augen fallen kann; man lebe im Verkehr mit Kranken und Geistig-Gedrückten und frage sich, ob nicht das beredte Klagen und Wimmern, das Zur-Schau-tragen des Unglücks im Grunde das Ziel verfolgt, den Anwesenden weh zu tun: das Mitleiden, welches Jene dann äußern, ist insofern eine Tröstung für die Schwachen und Leidenden, als sie daran erkennen, doch wenigstens noch Eine Macht zu haben, trotz aller ihrer Schwäche: die Macht, wehe zu tun. Der Unglückliche gewinnt eine Art von Lust in diesem Gefühl der Überlegenheit, welches das Bezeugen des Mitleides ihm zum Bewusstsein bringt; seine Einbildung erhebt sich, er ist immer noch wichtig genug, um der Welt Schmerzen zu machen. Somit ist der Durst nach Mitleid ein Durst nach Selbstgenuss, und zwar auf Unkosten der Mitmenschen; es zeigt den Menschen in der ganzen Rücksichtslosigkeit seines eigensten lieben Selbst […]“

    – Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches I, II, Nr.50[47]

    Viel Spass

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