Wenn die Dänen kommen…

8. Februar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

„Währung“ wird sicherlich nicht zufällig mit „äh“ geschrieben, denn irgendwann ist jede Währung nur noch „äh“. Wären Währungen dauerhaft wehrhaft, würde man sie doch „Wehrung“ schreiben. Nein?

Gegen den Euro konnte sich auch niemand wehren. Den bekamen wir aufs Auge gedrückt. In Dänemark hat man die Leute wenigstens damals noch gefragt. Heute wäre so etwas sicherlich undemokratisch. Dennoch haben damals die Dänen so etwas wie den Euro, weil die Krone in ihn gebunden ist. In der Schweiz ging neulich die Anbindung des Franken an den Euro schief. Der Franken wertete auf. Das kann der Krone auch passieren.

coron2Wie Sie wissen, haben dänische Kleinmünzen ein Loch in der Mitte. Dorthin kann nach und nach die Kaufkraft verschwinden. Kurzfristig könnte diese aber deutlich steigen, sollte die Krone vom Euro entkoppelt wird. Zudem ist es die Währung eines der glücklichsten Völker der Welt mit einer um ein Drittel höherer Wirtschaftsleistung pro Däne gegenüber Deutschland. Noch wehrt sich die Zentralbank, indem sie Milliarden frischer Kronen druckt, diese gegen Euro verkauft und Strafzinsen auf Guthaben bei Banken erlassen hat. Es soll die Krone so schwach machen wie es der Euro gerade ist.

Dänemark… war da nicht was? Genau! Dort gibt es Hypothekenkredite, bei der der Kreditnehmer Geld bekommt statt Zinsen zu zahlen (Nordea). Und man zahlt dort jetzt auch alternativlose 0,75 Prozent Strafzins für Guthaben bei der Bank. Nicht dass jemand dort dänische Kronen bunkert und so auf eine Aufwertung setzt wie bei der Schweiz. Die dänische Krone ist inzwischen auch so etwas wie „Minusgeld“ mit einem gewissen Doppelplusgut. Die bösen Hedgefonds wetten ja auf eine Aufwertung der Krone. Dabei wurde ihnen mit einer solchen Notenbankpolitik der rote Teppich ausgelegt – auf das Scheitern der Gelddrucker zu setzen.

Seit 1982 war die dänische Krone erst an die D-Mark gekoppelt und seit 1999 an den Euro. Wären die Dänen mal dem Euro beigetreten. Inzwischen hat die dänische Zentralbank einen Berg von umgerechnet 425 Milliarden Kronen in Euro gestapelt, was einem Viertel des BIP entspricht. Der Schaden bei einem noch weicherem Euro könnte also durchaus noch maximiert werden und mit einem negativen Feuerwerk im Land der Minuszinsen gefeiert werden.

Wie hoch würde die Krone ohne Euro aufwerten? Man sieht es dann, wenn Dänen mit ihren aufgewerteten Kronen den deutschen Norden leerkaufen. Schon jetzt bunkern sie palettenweise Alkohol, sagt man, der bei ihnen völlig überteuert in speziellen Läden verkauft wird, in einer Art Schnaps-Apotheke. Nicht nur im Europapark käme es zum Engpass, wenn sie ihre stärkere Währung in eine noch stärkere Währung tauschen – mit zusätzlichen 40 Prozent pro Flasche als Krönung auf die Krone.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


 

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Ein Kommentar auf "Wenn die Dänen kommen…"

  1. Salim Spohr sagt:

    Witziger Artikel über „Währung“ und „Wehrung“, rate aber doch, ein paar syntaktische Fehler auszumerzen. – Sehr witzig – 🙂

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