Wenn der IWF spricht – dann wird gekuscht.

11. Oktober 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Oder: Warum eine allfällige Rezession vielleicht doch noch vermieden werden kann…

vom Smart Investor

Gemäß den jüngsten Prognosen des Internationalen Währungsfonds IWF wird die Weltwirtschaft im diesem Jahr nur mit 3,3% wachsen, nachdem im Juli noch ein Anstieg von 3,5% prognostiziert wurde. In 2013 soll die Konjunktur, ebenfalls laut IWF, um 3,6% nach oben gehen. So wenig spektakuär die Zahlen auch wirken, so sehr verbinden die IWF-Ökonomen doch damit eine harsche Aufforderung an die Politiker der Industriestaaten aktiv zu werden…

Insbesondere Europa bzw. die EU wird als größter Bremser für die Weltkonjunktur ausgemacht und daher richten sich die meisten Empfehlungen auch an die EU-Politiker bzw. die EZB-Banker. Die Zinsen sollen tief bleiben oder sogar noch weiter gesenkt werden und das Anleihenkaufprogramm des Herrn Draghi wird ausdrücklich für gut befunden. Aber auch mehr Integration, mehr Bankenunion, mehr Aufsicht und mehr Regulierung werden gefordert. Soweit der IWF.

Wo ist das Problem?

Die Frage, die wir uns bei alledem stellen, ist folgende: Was ist so schlimm an einem Konjunkturrückgang? Gab es nicht früher auch schon Wachstumsschwächen? Ja, es soll sogar wirkliche Rezessionen gegeben haben, also eine schrumpfende Wirtschaftstätigkeit. Und die Welt ging trotzdem nicht unter. Nun aber wächst die Wirtschaft nicht ganz so stark wie ursprünglich angenommen, und schon wird auf Panik gemacht. In der Presse gab es dann Headlines wie z.B. „Wirtschaft vor tiefem Fall?“. Um es klar zu sagen: Auch wir sehen die Gefahr einer wirklichen Rezession vor allem in Europa, wo die abgewürgten Konjunkturen in Griechenland, Spanien und Portugal und demnächst vermutlich auch in Italien, logischerweise irgenwann auf die einzige noch gut laufende gewichtige Volkswirtschaft in der EU, nämlich Deutschland, durchschlagen dürften. So weit können wir dem IWF schon folgen. Die Frage ist wie gesagt nur: Warum wird so eindinglich davor gewarnt und warum werden als Folge davon so vehement geldpolitische Maßnahmen gefordert?

Druck aufbauen

Vermutlich soll also schon frühzeitig enormer Druck auf die Verantwortlichen, insbesondere in der EZB und in der Fed, aufgebaut werden, damit dort einer möglichen Konjunkturschwäche in kommender Zeit möglichst rasch entgegen gewirkt wird. Keiner der Zentralbanker und Politiker soll bitte noch auf die Idee kommen, dass man eine Rezession wirklich zulassen darf. Und genau das ist der Punkt, den man bei alledem verstehen muss: Die Weltwirtschaft ist mittlerweile schon so abhängig von den Eingriffen der großen Zentralbanken, dass sie ohne diese gar nicht mehr lebensfähig wäre. Würden diese Eingriffe von heute auf morgen eingestellt werden, die Wirtschaft würde im Null-komma-nix in einem „deflationären schwarzen Loch“ verschwinden. Also müssen die Zentralbanken weiter auf dem Gas bleiben bzw. die Intensität der Eingriffe noch erhöhen. Genau das ist die Botschaft des IWF und genau das haben die wichtigsten Zentralbanker – also der EU, der USA, Japans und Chinas – auch so verstanden, da sie ja allesamt in den letzten Wochen entschiedene Eingriffe angekünigt haben. Und was bedeutet das für die Anleger?

Zunächst muss man sich vor allem in Europa in der Tat auf rezessive Entwicklungen einstellen. Allerdings, und das genau ist entscheidend, wird man dem nicht tatenlos zusehen. Zentralbanker und Politiker stehen Gewehr bei Fuß, um möglichen Konjunktureinbrüchen sofort entgegen zu wirken. Für akute Fälle sind die Sofortmaßnahmen der Zentralbanken gedacht. Mittelfristig ist dann die Politik gefragt, welche hier in Europa mit dem ESM bereits ein „wichtiges“ Instrument dafür geschaffen hat. Schließlich werden auch noch Konjunkturprogramme aus der Taufe gehoben werden – erste Diskussionen dazu werden bereits in den Medien geführt (z.B. neuerliche Abwrackprämie usw.). Als Kapitalanleger bedeutet das mehr denn je, dass man geeigneten Schutz vor der Inflationierung des Geldes suchen sollte. Aus diesem Grunde finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Smart Investor in der Titelgeschichte „Kapitalschutzreport 2012“ wertvolle Hinweise dazu.

Zu den Märkten

Was vergangene Woche an dieser Stelle noch angedeutet wurde, hat sich in den letzten Tagen konkretisiert. Die Aktienindizes z.B. in Deutschland und den USA haben wichtige Trends nach unten gebrochen. Das heißt, dass ab nun mit einer Korrektur des Anstiegs der letzten Wochen zu rechnen ist. Wenn es nur bei einer Korrektur bleibt – also bei Verlusten der wichtigen Indizes von vielleicht bis zu 10% – so wäre dies aus unserer Sicht im Rahmen des Erträglichen bzw. des Erwartbaren. Ob aus der jetzigen Trendwende auch eine neue Baisse abgeleitet werden kann, ist eine ernstzunehmende Frage. Allerdings sehen wir in den Entwicklungen der letzten Wochen eben ein Indiz dafür, dass dem nicht so sein dürfte. Schlicht und ergreifend deshalb, weil die Willensbekundungen insbesondere von Zentralbankseite zum Einschreiten dermaßen eindeutig waren, dass man eine dramatische vollumfängliche Rezession kaum mehr erwarten muss. Das Instrumentarium wurde geschaffen bzw. angekündigt, um einer solchen entgegen zuwirken. Beispiel gefällig? Draghis Ankündigung von praktisch unbegrenzten Anleihenkäufen kommt einer indirekten Staatsfinanzierung gleich. Damit wird den EU-Problemländern signalisiert, dass die Strukurreformen nicht ganz so ernst gesehen werden müssen, was ja einige Politiker wie Spaniens Rajoy auch schon so angedeutet haben.

Dass diese Zentralbankpolitik mittel- bis langfristige katastrophale Folgen für unser Geldsystem haben wird, versteht sich von alleine.

Die immer wieder vorgetragene Leserkritik, dass wir bei Smart Investor immer auf den Zentralbanken herumhacken würden, ohne jemals konkrete Vorschläge zu machen, können wir gar nicht auf uns sitzen lassen. Unsere Sonderausgabe „Gutes Geld“ aus dem letzten Jahr aber auch die aktuelle Ausgabe mit dem Heftteil „Euro – quo vadis?“ zeigt die Probleme ganz genau auf und benennt auch ganz klar die nachhaltige Lösung des Problems. Diese wäre aber erstens sehr schmerzhaft und zweitens geht damit eine Entmachtung der Politik und der Zentralbanken einher – und genau das ist auch der Grund, warum diese „Lösung“ nicht praktiziert wird.

Kurzum: wir gehen von schwächeren Notierungen in den kommenden Tagen oder Wochen aus, würden darin aber keine allgemeine Trendwende nach unten sehen. Bei ausgewählten Aktien könnte sich auch die eine oder andere Kaufchance ergeben.

Fazit

Geld und Wohlstand aus dem Nichts. Das ist es, was unsere Zentralbanker ständig im Kopf haben. Dummerweise wird für eine solche „Münchhausen-Strategie“ irgendwann die Rechnung präsentiert werden. Neben sehr hoher Inflation wird dies auch eine dramatische Besteuerung (auch des Vermögens) sein. Was genau hier auf uns zukommen könnte, das erklärt der Kapitalschutzreport im aktuellen Heft.

©Ralf Flierl, Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor




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Ein Kommentar auf "Wenn der IWF spricht – dann wird gekuscht."

  1. FDominicus sagt:

    3.3 Prozent? Nun das dürfte unproblematisch sein, 2.7. % steuert ja hier in Euroland die Inflation bei bleiben also noch 0.6%. Ein bisschen mehr Geld drucken und diese läppische halbe Prozent ist auch „drin“ IBESL.