Wenn der Bankenkrach kommt…

25. November 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Manfred Gburek

Wir haben eine Woche voller Turbulenzen hinter uns und noch turbulentere Wochen, ja Monate vor uns. Dabei geht es um die Probleme der Geschäftsbanken, der Europäischen Zentralbank (EZB) und ganz besonders um Problemlösungen durch die Politik. Dass Sie als Anleger von all dem betroffen sein werden, lässt sich nicht vermeiden. Aber Sie können den Schaden begrenzen…

Beginnen wir, was den zuletzt genannten Punkt angeht, mit dem Bankendrama, dem Sie sich auf elegante Weise entziehen können: Indem Sie beispielsweise Ihre privaten Tages- und Festgeldanlagen oder sonstigen Einlagen, falls sie das Limit der gesetzlichen Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Person (bei Gemeinschaftskonten also 200.000 Euro) überschreiten, in später wieder über die Börse liquidierbare Bundesobligationen oder Bundesschatzanweisungen umschichten. Für Unternehmen gilt die Einlagensicherung nicht (Ausnahme: Kleinstunternehmen). Die Renditen der genannten Bundespapiere – wenn man davon überhaupt noch sprechen kann – sind zwar nahezu gleich null, aber der Gegenwert dieser Papiere bleibt Ihnen im Fall eines Bankenkrachs erhalten, auch wenn es um Beträge über 100.000 bzw. 200.000 Euro geht.

Die infrage kommenden Bundesobligationen und -schatzanweisungen sollten kurze Restlaufzeiten haben, damit Sie kein Kursrisiko eingehen. Die Auswahl ist auch für den Einsatz höherer Beträge groß genug. Da der Börsenhandel jedoch üblicherweise mit den Laufzeiten abnimmt, sollten Sie Ihre Kaufaufträge zeitlich und auf verschiedene Tranchen verteilen.

Eine einfache Möglichkeit, alle relevanten Papiere ausfindig zu machen, besteht darin, dass Sie zum Beispiel bei comdirect.de unter Kurssuche die beiden Begriffe Bundesobligation und Bundesschatzanweisung anklicken. Dann bekommen Sie alles serviert, was Sie brauchen, bei extrem kurzer Restlaufzeit etwa eine am 16. März 2012 fällige Schatzanweisung mit 1 Prozent Nominalzins, 0,039 Prozent Rendite und einem monatlichen Handelsvolumen von zuletzt über 239.000 Euro. Oder besser noch: die am 15. Juni 2012 fällige Schatzanweisung mit 0,5 Prozent Nominalzins, 0,082 Prozent Rendite und einem monatlichen Handelsvolumen von zuletzt über 778.000 Euro.

Neben der gesetzlichen Einlagensicherung gibt es bekanntlich noch die gesetzlich nicht garantierte freiwillige, die je nach Institutsgruppe unterschiedlich ausgeprägt ist: Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken verfolgen unter Einschaltung ihrer Spitzenverbände das Ziel der Institutssicherung, während der Einlagensicherungsfonds der privaten Banken die Einlagen der Anleger direkt sichern soll, und zwar bis zu 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals einer Bank. Diese 30 Prozent laufen in der Regel zwar auf viele Millionen Euro hinaus, dürften aber einem allgemeinen Run auf die Banken nicht standhalten.

In diesem Kontext ist bemerkenswert, was Bundeskanzlerin Angela Merkel im Oktober 2008 von sich gab, als nach dem Zusammenbruch der Lehman-Bank eine Weltwirtschaftskrise drohte: „Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind.“ Damals drohte das Bankensystem zusammenzubrechen. Die Merkel-Worte erzielten die erhoffte Wirkung. Ob sie es jetzt immer noch tun würden, ist äußerst zweifelhaft. Denn abgesehen davon, dass sie rechtlich bedeutungslos sind, geht es inzwischen doch um 1 Billion Euro, die allein den Banken im Euro-Raum immer noch fehlt, nachdem sie sich bereits 500 Milliarden Euro von der EZB geliehen und davon aus Sicherheitsgründen gleich wieder zwei Drittel bei der EZB deponiert haben. Aus Sicherheitsgründen deshalb, weil die Banken sich untereinander überhaupt nicht mehr trauen… (Seite 2)


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9 Kommentare auf "Wenn der Bankenkrach kommt…"

  1. DukeNukem sagt:

    An sich ist es natürlich richtig sein Geld in irgendeiner Form zu schützen. Aber ob das sehr clever ist 100.000€ auf dem Konto liegen zu lassen, und das was man darüber hinaus hat in deutsche Staatsanleihen zu investieren, da kann man sich wohl drüber streiten!
    Es weiß doch keiner was sich bei nem drohenden Bankencrash für ne Dynamik entwickelt! Wenn man dann Pech hat, sind die Anleihen ruck zuck nix mehr wert und das einst ´´garantierte´´ Geld auf dem Konto auch nicht. Die Politik ändert alle 5 Minuten die Richtung! Wenn die mir was garantiert dann glaub ich da sicherheitshalber einfach mal nicht dran!
    Ich schlaf da deutlich besser mit meinen Sachwerten, auch wenn diese mal im Wert fallen sollten!

    Grüße
    Duke

  2. Alternativlos sagt:

    Ich stimme meinem Vorredner zu. Was heute gilt, muss morgen noch lange nicht mehr gelten. Bundesschatzanweisungen (wie das Wort schon sagt, ist man dabei darauf angewiesen, dass der Bund anschließend noch einen „Schatz“ hat, der angewiesen werden kann) sind solange garantiert, solange unsere Politik dieser Garantie folgen möchte.

    Notfalls ist Papier aber geduldig und kann mit einer Unterschrift für wertlos erklärt werden. Selbiges gilt für die Einlagensicherung.

    Ich denke, dass die Leser dieses Blogs über derartige Überlegungen bereits hinaus sind.

  3. Fnord23 sagt:

    Sehe ich auch so:

    Ist es schlau von Papier und Papier zu gehen? Wenns brennt, dann brennt alles.

    VG
    aus Sachsen

  4. Reiner Vogels sagt:

    Unsere hochverehrte Frau Bundeskanzlerin hat durch den Bruch des Lissabon-Vertrages bei der ersten Griechenlandrettung und durch ihre Energiewende gezeigt, dass ihr Wort überhaupt nichts wert ist. Wie kann man da als denkender Mensch auch nur einen einzigen müden Euro in Bundesschatzbriefe oder sonstige deutsche Staatsanleihen investieren? Ich begreife es nicht, dass es immer noch Menschen gibt, die derartiges kaufen.

  5. mfabian sagt:

    Ich sehe es genau so wie DukeNukem (Mann, was hab ich ich mit dem Spiel Duke Nukem in den 80er Jahren an Zeit verbraten! 😀 )

    Das beste Geld ist schuldenfreies Geld. Sprechen wir es aus: Gold und Silber.
    Warum soll ich das Risiko eingehen, mir Schuldpapiere mit Forderungen gegenüber Deutschland anzutun, die in Euro lauten, der laufend an Wert (Kaufkraft) verliert, wenn ich statt dessen das einzige Asset mit AAAA Rating haben kann, das mir die Kaufkraft in Zukunft garantiert?

  6. saxo sagt:

    Lieber Herr Gburek,
    sosehr ich Ihr „GGG“ schätze, aber das kann jetzt wohl nicht Ihr Ernst sein! Schatzbriefe, Aktien…? Zumal noch Schatzbriefe eines sog. „Bundes“! Welchen Bundes denn?
    Da fällt mir wirklich nichts mehr ein! Ich habe da auch noch eine Aktie. Und zwar eine der – Gott hab sie selig – SERO AG von deren Börsengang 1995. Nennwert 5,- DM! Na gut, ich hebe sie auf, es war ja meine Erste – und gleichzeitig auch Letzte. Ende 1998 platzte dann der ganze Schwindel. Noch nicht einmal die Beschäftigtenzahlen stimmten!
    Übrigens gab es Mitte des Jahres beim Discounter NORMA auch „Aktien“ zu kaufen. Sahen sehr schön aus und kosteten nur 99 Cent! Waren aber eben – bis auf den Erinnerungswert – wertlos.
    Was, Herr Gburek, meinen Sie, bleibt von Firmen wie Siemens, Daimler-Benz oder ähnlichen – mit ihren verkauften und zurückgeleasten oder ganz outgesourcten Werken und Einrichtungen nach dem kommenden Vollcrash noch übrig?
    In einem nahegelegenen BMW-Werk an der A14 ist z.B. längst nicht überall BMW drin, wo BMW draufsteht! Die machen fast nichts mehr selbst! Alles Sub´s, sonstige Lieferanten oder Zeitarbeitsfirmen. Allein in diesem Werk runde bunte 800 Zeitarbeiter! Und auf der anderen Seite der Autobahn, bei einem „Hersteller“ von Luxus-Automobilen aus dem Schwäbischen, sieht es nicht viel anders aus! Die Karossen kommen aus der Slowakei, der Rest von anderen Zulieferern. Dort findet nur noch die „Hochzeit“ statt: Die – dann lackierte – Rohkarosse wird mit dem Antriebsstrang versehen. Innenausstattung(ebenfalls von Zulieferern) rein und dann Endkontrolle: Made in Germany!
    Was können solche Aktien einmal wert sein? Aktien von Firmen, die ein Auto schon nicht mehr komplett selbst bauen können?

    „Damals“ war das – zumindest hier in Sachsen – anders:
    https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Markranst%C3%A4dter_Automobilfabrik
    Da wurden die Autos komplett in einem Werk gefertigt. Von der Karosse über den Motor bis hin zu den Felgen und Sitzen. Nur eben die Reifen kamen von Conti…

    Gruß aus Sachsen

    saxo(nian)

  7. Munnie sagt:

    Hallo Herr Gburek,
    das ist ja mal eine Empfehlung!
    Haben Sie mal zusammengerechnet, wie hoch die gesammelten Sparvermögen der Deutschen sind? Wer soll die denn garantieren? A. Merkel ganz sicher nicht. Der Einlagensicherungsfond sichert gerade mal die Einlagen einer einzigen mittelgroßen Bank ab. Und nur dafür ist er auch gedacht. Ein System-Crash, egal in welcher Form, ist sogar ausdrücklich ausgenommen.

    Außerdem: Haben Sie mal versucht, einen größeren Geldbetrag direkt von ihrer Bank bar ausgezahlt zu bekommen? Sagen wir mal 15000 Euro. Dann bekommen Sie höflich zur Antwort, dass so viel Geld leider nicht im Hause ist und bestellt werden muss. Lieferung in 2 – 3 Tagen!
    Bis dahin ist bei einem Crash ganz sicher alles zu spät.

    • FDominicus sagt:

      „Außerdem: Haben Sie mal versucht, einen größeren Geldbetrag direkt von ihrer Bank bar ausgezahlt zu bekommen? Sagen wir mal 15000 Euro. Dann bekommen Sie höflich zur Antwort, dass so viel Geld leider nicht im Hause ist und bestellt werden muss. Lieferung in 2 – 3 Tagen!“

      Yepp gemacht, aber die Bank „vorgewarnt“. Die wußten also was auf sie zukommt 😉
      Geht der run erst mal „locker“ los dürfte die Antwort wohl lauten. „Kommen sie irgendwann mal wieder (nur nicht zu bald“).

      Mein Vorschlag wäre das Geld zumindest nicht bei einer Bank zu haben und es wäre sicherlich nicht verkehrt Geld irgendwo außerhalb der Eurozone zu haben.

      Meines Erachtens ist eine Sache eben noch nicht sonnenklar. Bricht die Wirtschaft schneller ein oder das Geldmonopoly. Im ersten Fall könnte es sogar gut sein Papiergeld zu haben (und sei es nur darum um bei sich in EM bei „günstigen“ Preisen einzudecke) Im zweiten Fall ist gleich besser in EM zu landen. Insgesamt aber dürfte es kein Fehler sein jetzt schon einiges an EM zu besitzen. Man darf nur nicht wie offensichtlich der Fall in die Lage kommen dieses EM verkaufen zu müssen…

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