Der neue Schlachtruf: Verrückte aller Länder, vereinigt Euch!

27. Juni 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Die weltweite Fusionswelle rollt dank günstiger Finanzierungsbedingungen weiter ungehemmt durch die Unternehmswelt. Das Volumen von Übernahmen und Fusionen im ersten Halbjahr 2014 belief sich umgerechnet auf 1,75 Billionen US-Dollar. Wenn Dealer handeln und Politiker träumen…

Vor allem die Anzahl der Großtransaktionen mit einem Wert von mehr als 10 Milliarden Dollar legt rasant zu und hat sich auf Jahressicht fast verfünffacht. Auch die Steueroptimierung kommt bei vielen Deals nicht zu kurz …

Im Fokus vieler Fusionsverhandlungen stehen weiterhin Firmen der so genannten Gesundheitsbranche und Telcos. Gerade bei den Telekommunikationsunternehmen ist trotz der gigantischen Deals in den USA (Verizon) der rauhe Wind auch in Europa zu spüren. So hat man das Gefühl, der Milliardär Carlos Slim ist mit seiner America Movil geradezu verzweifelt auf der Suche nach Firmen in Europa.

Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, da viele Wirtschaftsschreiber gerne auf die großen positiven Effekte verweisen, die die Europäer durch ihre Beteiligungen in Südamerika genießen. Beim Blick auf die Zahlen der entsprechenden Beteiligungen handelt es sich jedoch oft um einen recht zweifelhaften Genuss. Der generellen Kauflust hat dies weder in die eine noch in die andere Richtung geschadet.

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So mancher sucht sein Heil im Umfeld sinkender Margen und spottbilliger Kommunikationsalternativen über das Internet offenbar im Mengenwachstum. Ob sich ein positiver Effekt nach einer Übernahme wirklich einstellt ist wie immer eine Frage des Kaufpreises. Dieser ist bekanntlich real, während sich viele erhoffte Synergien später in finanzielle Alpträume verwandeln, für die sich dann jedoch immer externe Gründe finden, die man nicht vorhersehen konnte. Wer kann schon bei ozeanübergreifenden Transaktionen mit „kulturellen Widerständen“ rechnen? Warum zeigt sich bloß ein europäischer Angestellter angesichts seiner Entlassung so uneinsichtig, wenn diese doch den Cash Flows im Firmenhauptquartier in Mexico City dienlich ist …

Das Thema Firmensitz ist derzeit ein medial wenig beacktertes Feld. Angesichts der recht offenkundigen Beweggründe vieler US-Unternehmen beim Kauf europäischer Konkurrenten ist das erstaunlich.

So ist einer der nicht verheimlichten Gründe, den das Unternehmen Medtronic für den Kauf von Covidien angibt, der Wunsch, im Zuge des Mergers den Firmensitz nach Irland zu verlegen. Selbst wenn Medtronic schon jetzt bemerkenswerterweise trotz eines US-Unternehmenssteuersatzes von 35% (40% inkl. State Tax) eine Steuerquote von lediglich 19% aufweist, lockt die grüne Insel der vermeintlichen Sparweltmeister mit schlappen 12,5% und vielen anderen Annehmlichkeiten.

Bei einigen Milliarden Gewinn vor Steuern erfreut man sich durch einen Umzug einer erklecklichen Ersparnis. Natürlich sei Steuerlast nicht der Hauptgrund für die Fusion, betont Medtronic. Das wäre angesichts des Kaufpreises von 42,9 Milliarden Dollar für Covidien und zahlreiche strategische Beweggründe in der Tat etwas seltsam. Auf den Wechsel des Firmensitzes verzichten möchte man vermutlich dennoch nicht. Angesichts schon bestehender Offshore-Konstrukte des Medizintechnikkonzerns, darf jeder die Aussagen der Firmenleitung für sich selbst beurteilen… (Seite 2)


 

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Ein Kommentar auf "Der neue Schlachtruf: Verrückte aller Länder, vereinigt Euch!"

  1. Michael sagt:

    Schlechte Karten im Standortwettbewerb verheißen keine rosige Zukunft.

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