Wenn Clowns über Narren spotten

3. März 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Früher zu Hofe haben sich die Mächtigen oft Narren gehalten. Sie hatten Narrenfreiheit und sagten viel Wahres. Heute arbeiten diese im Bereich von Comedy, Satire, als Kolumnist und manche auch in der Politik. Italien ist offenbar die Hochburg der Narren, meint mancher Politiker. Seltsam, wie man Wähler bezeichnet, wenn diese auf das hereinfallen, was man ihnen verspricht…

Dort hat jetzt ein sogenannter „Politclown“ die Wahl gewonnen. Das zog sofort einen heftigen Proteststurm der Clowngewerkschaft nach sich. Auch die Kolumnisten wie meine Wenigkeit sind empört. Dabei ist die Anzahl der Clowns und derer, sie man als solche bezeichnen kann, in schwindelerregende Höhen gestiegen ist. Und in der Tat, es gibt viele Clowns, auch an der Börse. Glauben Sie mir, ich treffe viele davon täglich.

In dieser Woche meinte einer von ihnen, die Konsumstimmung wäre schon wieder gestiegen, in Richtung Kaufrausch. Seit seinem Teif vor vier Jahren hat sich der viel beachtete GfK-Konsumindex nahezu vervierfacht. Sind deshalb auch die Einzelhandelsumsätze entsprechend gestiegen? Sehen Sie! So etwas können sich nur Wirtschafts-Clowns ausdenken. Sie meinen es ernst und gehen damit forsch ans Werk.

Italien hat in dieser Woche die Börse belastet. Politische Börsen haben aber so kurze Beine, dass sie oft über selbige stürzen. Auch der Euro fiel, aus tiefer Sorge, der Euroraten Lieblingsspielzeug könnte Schaden nehmen. War es nicht eine demokratische Wahl? Sicherlich, auch wenn Berlusconi heute etwas verspricht und morgen dann nicht hält, ist das doch normal – und auch hierzulande üblich. Ist der Komiker Grillo mit seinen 25 Prozent ein Polit-Clown? Zumindest trifft seine Protestbewegung den Nerv der Italiener. Offenbar haben die Pläne aus Brüssel in Italien wenig Rückendeckung. Warum wählt man dann in Italien nicht so lange, bis es Brüssel passt? Kann ja noch passieren wie in Irland.

Doch es zeigt sich wie früher, wer Wahrheiten ausspricht, steht schnell als Clown da. Dabei sind es die Narren am Hofe, die diesen regieren oder das planen. Sie nehmen Honorare an, aber kaum Anstand. Politische Satire erlebt gerade einen gigantischen Aufschwung, während die echten Clowns immer weniger werden.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


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4 Kommentare auf "Wenn Clowns über Narren spotten"

  1. willi sagt:

    Die Idee, Berlusconi und Grillo als Clowns abzutun und damit einem Großteil der italienischen Wähler zu unterstellen, sich da wohl verwählt zu haben oder womöglich nicht ganz bei Trost zu sein, zeigt die Ingoranz des europäischen Establishments, dem eigentlich mal wieder mal klar gezeigt wurde, dass ihrem Europa die Leute weglaufen.

    Leider kümmert die das nicht besonders und man lässt im Zweifel -wie schon von dir erwähnt- dann eben so lange Wählen, bis was passendes herauskommt.
    Schade eigentlich, denn es hätte eine Gelegenheit sein können, mal darüber nachzudenken, wie viel Zukunft eine EU hat, in der teilweise die Hälfte oder mehr der jungen Leuten ohne Job und absehbare Perspektive dahinvegetieren, weil auf irgendwelchen „Euro-Rettungsgipfeln“ beschlossen wurde, ihre Volkswirtschaften tot zu sparen. Denkt jemand ernsthaft, dass so etwas auf Dauer gut gehen kann?
    Aber unsere Eurokraten haben natürlich schon längst eine Idee, wie man in Zukunft mit solchen Wahlunfällen zurechtkommt: Schon im Dezember letzten Jahres hat dazu ein gewisser Van Rompuy -nein gewählt hat den keiner, aber das macht in diesem Laden bekanntlich ja nichts- ein Papier vorgelegt, in dem unter anderem vorgeschlagen wird, die nationalen Parlamente weiter zu entmachten. Danach ist es dann ohnehin gleichgültig, welche Eunuchen die Leute da in ihre Parlamente wählen, weil die Budgethoheit nach diesen Plänen ohnehin in Brüssel liegen soll.
    Wir dürfen danach dann wählen was immer wir wollen -auch Clowns- weil es eh belanglos ist.

    • crunchy sagt:

      Die ‚Alternative für Deutschland‘, ehemals ‚Wahlalternative 2013‘
      verspricht , sich kompetent für eine Rettungsiniative einzusetzen.
      Ihr Problem: Sie brauchten genau so Einen, wie den, der von Steinbrück so arrogant beleidigt wurde. Nee, nicht den milliardenschweren Medienpapst. Eine Rampensau, wie Beppe. Ich bete unsere Standups an: Bitte, bitte, helft! Die Komiker, die sich vorher jeden Gag aufschreiben lassen, brauchen wir nicht: Davon gibts zuviele.

      http://www.heise.de/tp/artikel/38/38681/1.html

  2. jean sagt:

    Eigentlich war Steinbrück diplomatisch Berlusconi als Clown und nicht als Verbrecher zu bezeichnen.
    Trotz allem jedes Volk bekommt den Präsidenten, den es verdient hat!

  3. crunchy sagt:

    Jemanden einen Clown zu nennen, ist auch heute noch eine glatte Beleidigung, wenn Personen wie Du und Ich damit gemeint sind.
    Arrogante Politiker stehen darüber. Jetzt will ich mal Soeinen beleidigen:

    „Was ist ein Steinbrück?
    Das ist die Beinfreiheit zwischen zwei Fettnäpfchen.“

    Prosit,SPD!

    @Frank: Ich finde den Spruch ‚börsen’frei. Lass ihn fliegen, wenn Du willst.

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