Wenn Brandleger vor Feuer warnen

1. Juni 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

An der Börse klirrten schon mal leise die Champagnergläser in der Hoffnung, gefüllt zu werden, wenn der DAX endlich über 10.000 Punkte schaut. So schön hätte es sein können, wenn die EZB dem DAX nicht an die Tafel gespuckt hätte…

Ausgerechnet die EZB warnte vor einer scharfen und ungeordneten Korrektur. Ein Crash?

Wegen der weltweiten Zinslosigkeit gehen Investoren wie früher wieder für mehr Rendite höhere Risiken ein. Die EZB hat sie förmlich eingeladen, südeuropäischen Schuldenschrott zu kaufen und den Banken dafür das Geld geborgt. Dann gingen diese mit einer Billion von der der EZB auf risikolose Shopping-Tour. Für ein Viertel Prozent borgen, dafür einige Prozente und Kurssteigerungen kassieren. Spekulanten und anderes Grobzeug waren nicht weit weg. Ooops! Eine Blase? Kein Wunder, dass die Renditen der Schuldenstaaten“ Rekordtiefs erreichten und die „Aktuelle Kamera“ berichtete, diese Länder wären plötzlich saniert, obwohl die Höhe der Schulden noch weiter angewachsen ist.

Das weltweite Billiggeld schoss auch den DAX nach oben. In Irland, so war auch zu lesen, wächst die nächste Immobilienblase, während die EZB die nächste Zinssenkung, ach was, die Ausrottung des Zinses ankündigt.

Mehr Zaster für Canasta.

Zugleich aber sorgt sich die EZB vor fallenden Preisen, die ja gar nicht fallen, und schafft sich damit das perfekte Alibi, am 5. Juni noch tiefer in ihre Wundertüte zu greifen. Aber die Experten in den Zaubertürmen der Geldpolitik und ihre weltweiten Kollegen gehen ja nie einkaufen sondern praktizieren dafür Neusprech vom Feinsten. So heißt es, im Laufe des Jahres werden sich die Verbraucherpreise „erholen“. Haste Töne?

Trotzdem, der Dax wird die 10.000 schaffen und die Champagnergläser seufzen. In einer Ökonomie, die zunehmend von steigenden Anlagepreisen ihre Legitimation findet, ist selbst das Undenkbare denkbar. Steigen die Preise, sind die Leute reicher, sagte mir neulich ein Experte.

Und wenn es knallt? Dann wird man wieder völlig überrascht noch mehr Brandbeschleuniger in die Märkte feuern. Doch die EZB kann dann sagen, sie hätte zuvor gewarnt – vor sich selbst und ein weiteres Alibi für noch mehr vom Alten, was die Probleme wachsen ließ. Clever!

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


 

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Ein Kommentar auf "Wenn Brandleger vor Feuer warnen"

  1. dicke.berta sagt:

    Hallo Herr Meyer,

    wie wahr ! Sehr clever !

    Nach diesen Worten , scharfe und ungeordnete Korrektur, von Herrn Draghi überlegt ich mir sehr genau. was will er uns damit sagen !
    Am Freitag überlegte ich nicht länger sondern handelt !
    Wenn es nicht so eintrifft bin ich auch nicht böse, was man hat das hat man 😉
    Vielen Dank für Ihre immer wieder Lesens-/hörenswerte Berichte .

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