Wenn Brandleger vor Feuer warnen…

10. Mai 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Sind Aktien wirklich so billig und alternativlos, wie so oft von Experten behauptet wird? Ihre Bewertung sei „ziemlich hoch“, meint zumindest US-Notenbank-Chefin Janet Yellen…

Sie sieht „mögliche Gefahren“. Vielleicht war es auch nur eine Halluzinationen, denn Tatsache aber ist, dass die US-Zentralbank mit ihrer Nullzins-Politik maßgeblich beim Entstehen und Platzen von Blasen an den Finanzmärkten verantwortlich war und ist.

Dass aber oberste Brandleger dann vor Feuer warnen, erstaunt doch und sorgte für Wirbel beim DAX und Verwunderung unter Börsianern. 600 Punkte Schwankungsbreite beim DAX in dieser Wochen haben es schon sich, abgesehen vom Crash am Anleihemarkt. Doch keine Sorge, die Risiken für die Finanzmarktstabilität seien bislang unter Kontrolle, hieß es auch. Die Betonung liegt auf „bislang“.

Janet Yellen könnte die Zinsen sofort anheben, beispielsweise auf ein normales Niveau, welches historisch bei rund vier Prozent liegt. Dann aber fliegt ihr der Laden um die Ohren. Deshalb bemüht sie zumindest die verbale Zinskeule und wird in den kommenden zehn Jahre die Zinswende verkünden, zumindest in guter Absicht.

Nur zu! Dann ginge dem US-Aufschwung ohne Wohlstandseffekt schnell die Puste aus. Offiziell natürlich nicht, denn die hochmodernen Statistikmodelle machen aus jeder Rezession einen Aufschwung. Ein tieferer Blick in die US- Arbeitsmarktstatistik spricht Bände.

Erinnern Sie sich noch an die Feierlichkeiten im US-Arbeitsmarkt im Februar? Trotz Entlassungen von tausenden Arbeitern in der Ölindustrie tauchten diese erst jetzt bei der üblichen Revision der Zahlen der Vormonate auf. Die Erklärung ist einfach: Erst als sich die ölverschmierten Leute gewaschen hatten, wurde plötzlich klar, dass sie auf jetzt geschlossenen Ölfendern gearbeitet hatten und erst jetzt der Arbeitsmarktstatistik zuzuordnen gewesen sind. Außer sie stehen dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung wie weitere 92 Millionen US-Amerikaner.

Nein, wir sehen eher die nächste Geldschwemme oder das Platzen des Mondes als eine echte Zinswende. Bis dahin aber hört man viel Unsinn von einer Million Experten, die die Nachrichtenflüsse verstopfen.

Ich weiß nicht, ob Janet Yellen Ahnung von Bewertungsmodellen hat. Ihre Vorgänger waren zumindest so weise zu sagen, man könne Blasen erst erkennen, wenn sie geplatzt sind. Dann versuchten sie den von ihnen angerichtetem Schaden mit Benzin zu löschen. Ja, natürlich sind Finanzmärkte, gefährlich – mindestens so gefährlich wie Zentralbankchefs selbst. Und wenn diese die Öffentlichkeit vor sich selbst warnen, hat das schon was.

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)



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Ein Kommentar auf "Wenn Brandleger vor Feuer warnen…"

  1. FDominicus sagt:

    Solange Geld gedruckt wird und die Leute glauben das Geld sei auch morgen noch etwas wert, werden Aktien wohl noch zulegen. Man schaue sich die exorbitanten Kursteigerungen in den divrsen Ländern an in denen die Inflation gerade gallopiert. Ich weiß nicht mehr ob es es sogar hier war. Irgendwo (war es Venezuela) sind die Aktienkurse seit nicht mal einem Jahr um 5000 % gestiegen. Klar ist auch einfach mal eben da 50-fache zu verdienen – vielleicht auch nicht aber mal eben die Geldmenge verzehnfachen oder noch mehrfachen? Wo sollte da das Problem sein?

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