Wenn Bananen und Republiken miteinander verschmelzen

9. Februar 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Seitdem Frau Schwarzer mit schwarzen Konten erwischt wurde, sehe ich schwarz und schwärzer. Wie schwarz-rot-Gold doch passen, wobei schwarz immer schon die Lieblingsfarbe der Deutschen war, wenn sie rot sehen. Und vom Gold fehlt jede Spur. Was ist los in diesem Land?

Man könnte sich wirklich schwarz ärgern. Breaking News, Rücktritte, Schlagzeilen, Sondersendungen, schwatzende Weintrinker und Wasserprediger zu Schwarzer & Co. Schwarzgeld und schwarze Schätze gibt es selbst bei Schatzmeistern in der Politik. Alle tun erstaunt.

Wie bin ich es leid. Die Putzstücke fallen von der Fassade laut zu Boden. Ja, es geht auch ums Prinzip der Steuer. Dabei ist sie legaler Diebstahl des Staates und moralischer Aspekt. Interessant sind auch die kleinen Machtkämpfe von Machtbesessenen in der Öffentlichkeit. Noch treten die Erwischten von ihren Ämtern zurück. Später tauchen sie anderswo wieder auf, erhalten Ehrenämter und hohe Auszeichnungen. Aber soweit ist es noch nicht. Später erst ist das normal geworden, wenn für die Masse uninteressant und langweilig.

Während Verplemperer von Milliarden ständig aus dem Fernsehen grüßen, erinnere ich mich an Bill Bonners Definition für Bananenrepubliken: „Erst fehlen die Bananen und dann die Republik.“ Eine Frage sei gestattet: Warum nur ist es böse eine Million nicht zu zahlen, aber okay, eine Milliarde zu verballern, die einem nicht gehört? Das fragte Kollege Rott. Wir wussten keine Antwort.

Sie wissen ja, der Sturm des Aufschwungs hat meine Krisenfahne in alle Winde verweht. Seit ein paar Tagen versuche ich eine Banane auf eine Deutschland-Fahne zu zeichnen und diese dann zu hissen. Wasserfest, versteht sich.

Es gibt Aufruhr in der Kaste der Moralin-Verteiler. Wen erwischt es als Nächsten? Unterdessen schwimmen die Reste einige ihrer Feinde flussabwärts. Sie schwimmen im Wasser, was sie gepredigt haben, während sie die Köpfe im Weinfass tauchten – nicht nur in Limburg. Warum soll es hierzulande später anders sein als heute in Nigeria? 

Wie schnell doch die Fassade bröckelt: Die Nervensägen, Pardon, die moralischen Instanzen haben plötzlich schwarzen Dreck am Stecken und Steuer-CD-Aufkäufer Konten auf den Bahamas. Steuergelder verteilende Kultur-Senatoren hinterziehen Steuern. Das hat schon was.

Als nächstes müssen Bundesverdienstkreuze eingesammelt werden. Irrtum. Error. Viele solche Trophäen wurden vergeben an Leute, die sie nicht verdient haben. Seltsamerweise sammeln sich diese Blechstücke immer bei denen, die später die Schlagzeilen bestimmen.

Nein, ich mag das alles nicht mehr sehen – und schon gar nicht wissen. Die aufgeheizte Neiddebatte ist widerlich. Die wirklichen Beträge gigantisch. „Nehmt es ihnen weg“ höre ich 90 Prozent der Leute rufen. Ein für die Masse taugliches Thema.

Inzwischen ist die Prominenz generalverdächtig geworden. Die Heiligenscheine flackern. Ich werde für eine Weile die Talksendungen meiden und notfalls nur noch DVDs und Videokassetten aus einer Zeit anschauen, in der die Welt noch in Ordnung schien. „Vom Winde verweht“ habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Oder den Pumuckl. Ja, das Kinderprogramm wäre passende Unterhaltung. Dort wird den Kleinen gezeigt, wie es sein sollte. Dann erschrecken sie sich, wenn die älter geworden sind.

Frei nach dem Motto „lebe zynisch, habe Spaß!“ melde ich mich am Telefon noch mit Steuerbüro Schwarz und Schwärzer.

Während die öffentliche Empörung dem Siedepunkt entgegen strebt, habe ich Sorge, dass das Fernsehen bald nur noch schwarz sendet. Es fehlen dann die alt bekannten Gäste mit ihrem lauten Geschrei. Wer folgt ihnen? Saubermänner und Sauberfrauen? Sie sind längst in Stellung gegangen mit moralisch weißen Westen.

Es wird Zeit, die politischen Dauerwerbesendungen nicht nur als diese zu kennzeichnen, sondern ihnen aus dem Weg zu gehen – inklusive der der aktuell tobenden Neiddebatte. Ist es Zeit, sich bei Wikipedia das Thema „Biedermeier“ anzuschauen“ und mit geballter Faust spazieren zu gehen und das Leben zu genießen, solange es noch genießbar ist? Es wird Zeit, sich von der verklärten Vergangenheit zu verabschieden, und der Realität in die Augen zu schauen. Die Leute in Nigeria haben sich doch auch daran gewöhnt.


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