Wenn auch Bargeld und Gold keinen Wert haben…

2. August 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Wenn Sie anfangen, darüber nachzudenken, was Geld ist und wie es funktioniert, stehen Sie ziemlich isoliert da. Man meidet sie. Möglicherweise werden Sie deswegen auch eingekerkert. Das Thema ist so rutschig, so schwammig – wie eine Perle aus Quecksilber auf einer Granit-Arbeitsplatte.

Es frustriert sie und sie können dabei „manisch werden“.

Sie beginnen damit, Selbstgespräche zu führen. Niemand wird auf Sie hören. Wenn Sie nicht vorsichtig sind, können Sie wegen kriminellen Wahnsinns eingesperrt werden.

Veräppelt und verfälscht

Wir haben in den letzten paar Monaten über Geld nachgedacht. Es ist unser Lieblingsthema geworden. Das ist der Grund, warum die Menschen auf Partys von uns Abstand nehmen. Unsere Familie findet neue Wege, das Thema zu wechseln.

„Whoa … entschuldige, dass ich Dich unterbrechen muss Dad … aber siehst Du hier nicht auch eine fliegende Untertasse?“

Unerschrocken machen wir dennoch weiter. Wir denken, wir sind da an etwas sehr Wichtigem dran. Wir sind so weit gekommen; folglich können wir auch den ganzen Weg gehen.

Das neue Buch des Ökonomen George Gilder, The Scandal of Money, wirkte für uns wie eine unerwartete Bestärkung. Er hat auch über Geld nachgedacht. Und das schien jüngst in Las Vegas auch ziemlich normal zu sein. Keine verzerrten Gesichter. Kein Lallen oder paranoide Wahnvorstellungen.

Gilder ist aus einer anderen Richtung zu vielen ähnlichen und gleichen Schlussfolgerungen wie wir gekommen.

Es ist kein echtes Geld. Es gibt nur vor, echtes zu sein. Es hat die ganze Welt hinters Licht geführt … und die gesamte Weltwirtschaft verzerrt.

Weder Bargeld noch Gold

Wir haben schon die meisten Punkte verbunden. Heute wollen wir eine neue Linie von diesem neuen Dollar zur Verarmung der Mittelschicht ziehen. Es erklärt, warum auch Donald J. Trump – ein Mann mit keiner der Qualitäten, die man normalerweise bei einem Chef erwarten würde – zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten wurde. Das Phänomen ist für uns auch von einem unserer lieben Leser auf die Agenda gebracht worden. Er schreibt uns folgendes:

„Lieber Herr Bonner, Sie sind brillant. Aber Sie vergessen ein sehr wichtiges Teil des Puzzles.

Als jemand, der die einzigartige Erfahrung machen durfte, wie eine ganze Volkswirtschaft von einer freien Marktwirtschaft zum Kommunismus (gemeint ist das kubanischen Experiment unter Fidel Castro und seinen cronies) verwandelt wurde, kann ich letztlich bezeugen, dass es weder auf Bargeld noch auf Gold ankommt.

Es gibt keinen Mangel an Papiergeld in Kuba. Aber es gibt nichts zu kaufen. Mit dem ganzen Geld in der Welt und allem Gold der Welt kann man nichts kaufen. Nicht einmal eine Tasse Kaffee, wenn niemand bereit ist, diese zu produzieren.“

Ja genau.

Geld ist nicht Reichtum. Es misst nur die Sachen, die Sie mit ihm kaufen können.

Könne Sie damit keine Sachen kaufen?

Dann ist Geld wertlos. Stellen Sie sich einen Mann vor, der am Nordpol ist. Halb verhungert und erfroren. Sie geben ihm eine 100-Dollar-Note.

Was ist diese wert?

Null.

Sie geben ihm eine Goldmünze?

Gleiche Sache.

Gutes Geld bemisst auf ehrliche Weise jede Form von „output“. Letztlich ist nur der „output“ wahrer Reichtum.

Und wenn Sie Wohlstand wollen, müssen Sie diesen produzieren. Letztlich ist das auch die Aussage von Says Gesetz: Sie kaufen Sachen mit Sachen, nicht mit Geld.

Schlechtes Geld führt das ganze System in die Irre.

Wie der Dollar die Mittelschicht auslöschte…
von Bill Bonner

In der heutigen Ausgabe des Tagebuchs geht es weiter um die Linie, die den neuen Dollar mit der Verarmung der Mittelschicht verbindet. Wir haben ja versprochen, an dem Thema dran zu bleiben.

Wie schlimm das ganze System in die Irre geführt wurde, war auch der wohl unbeabsichtigte Hintergrund eines kürzlich in der Financial Times erschienenen Artikels.

„Die globalen Eliten müssten überall populistische Wut hinnehmen“, schreibt das Sprachrohr der Elite und der Parasitokratie, Herr Martin Wolf.

Armer Herr Wolf. Er übergeht elegant die wirkliche Ursache für die „Wut“ – das falsche Geldsystem, das von den Eliten etabliert wurde. Aber er zeigt ohnehin kein Interesse an unserem perversen Geldsystem. Derweil schäumt er lieber vor Wut.

Der Kern der Warnung von Herrn Wolf liegt darin, dass die Eliten besser auf folgendes achten sollten: „Die Stagnation der Realeinkommen, und zwar länger als in allen anderen Zeiträumen seit 1945, ist eine grundlegende Tatsache,“ schreibt Herr Wolf weiter.

Er erwähnt, dass von 2005 bis 2014 zum Beispiel fast 100 % der italienischen Haushalte mit fallenden oder bestenfalls stagnierenden Realeinkommen auskommen mussten.

In den USA erlitten 80 % der Haushalte das gleiche Schicksal. Die privaten Haushalte in Großbritannien, Frankreich und der Niederlande sind nur geringfügig besser dran.

Seit 1980 ist die Beschäftigung in der Produktion – der Haupt-Quelle für gute Löhne für die mittleren und unteren Gesellschaftsschichten – in allen wichtigen Industrieländern gefallen. Selbst in Deutschland und Japan.

Globale Ordnung und unsere Zivilisation selbst stehen auf dem Spiel
In den meisten Volkswirtschaften ging die Beschäftigung in der Produktion um die Hälfte zurück.

Wir sind nicht sicher, ob es an diesen Tatsachen liegt … oder an der gefürchteten populistischen Wut … aber im Anschluss daran beginnt selbst der arme Herr Wolf damit, Kreide zu essen.

„Die Kombination aus längerer Stagnation, kultureller Umbrüche und politischer Versäumnisse erschüttern die Balance zwischen der demokratischen Legitimität und der globalen Ordnung.“

„Die Kandidatur von Herrn Trump ist ein Ergebnis dieser Entwicklung. Diejenigen, die die chauvinistische Antwort ablehnen, müssen sich jetzt aus der Deckung wagen. Und zwar mit einfallsreichen und ehrgeizigen Ideen, um das Gleichgewicht wiederherzustellen.“

Und zu guter Letzt merkt er an:

„Unsere Zivilisation selbst steht auf dem Spiel steht.“

Da liegt er völlig richtig…

Quelle: Kapitalschutz Akte
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

3 Kommentare auf "Wenn auch Bargeld und Gold keinen Wert haben…"

  1. Argonautiker sagt:

    So ist es Herr Bonner, die Bewertenden haben die Erschaffenden als Sklaven genommen, und Geld ist ihr Werkzeug dazu.

    Da die Bewertenden in Wirklichkeit aber nichts erschaffen, sondern eben nur bewerten, sind sie eigentlich abhängig von ihnen, also in ihren Diensten. Wenn das Dienstleistende sich jedoch zum Herrn aufschwingt, dann bekommt das niemandem gut, weil dann derjenige der keine Ahnung vom Erschaffen hat, Regeln für das Erschaffen macht, und was soll dabei schon rauskommen?

    So entstand die Illusion, daß man mit Geld Geld erschaffen kann, mit der sogenannten Finanzwirtschaft und dem Finanzmarkt, mit der Börse als ihrem Zentrum, mit dem derzeitigen Resultat, daß dieses Geldproduzieren die Realwirtschaft frißt. Warum sollte auch noch irgend jemand was tun, wenn man mit Geld Geld machen kann?

    Ähnliches Prinzip gilt auch für unsere Politik, welche die Gesetze der Wirklichkeit schon lange nicht mehr hüten. Warum sollte man die bestehenden Gesetze der Wirklichkeit auch hüten, wenn man mit Regeln die man mit Strafen belegt, welche eine Justiz umsetzt, eine parallele Wirklichkeit schaffen kann, an die man glauben muß, weil man, wenn man es nicht tut, ganz einfach bestraft wird, und dabei so ganz herrlich und schon fast lässig alles privatisieren kann, und rotzfrech und elitär verlautbaren lassen kann: „we are just doing gods own work.“

    Daß man diese parallele Wirklichkeit dann auch noch Wirklichkeit nennen muß, anstatt Illusion was sie eigentlich ist, macht die Sache doch so richtig rund. Die Frage wird also sein, wie wird das Unbewußte irgendwann agieren, wenn unsere Bewußtheit auf solchen Abwegen ist?

  2. friedrich sagt:

    Hallo Herr Boner,
    da schneiden Sie ein Thema an, das auf einer Party nicht gesellschaftsfähig ist, weil sich da niemand auskennt und denen, die sich evt. interessieren, der Stoff zu schwierig ist. Aber wir wohnen nicht auf dem Nordpol, sondern im Allgemeinen in einer Gesellschaft, die leben und handeln will, also Geld als praktikables Tauschmittel braucht, wobei Geld nicht nur Tauschmittel ist. Unser Geld besteht aus umlaufenden Schuldscheinen, die nicht einlösbar sind. Verliert der Schuldschein an Kaufkraft, kann man den Herausgeber des Schuldscheines, die Bank als Kreditgeber, nicht belangen. Man kann den Schrott bei der Bank nicht gegen einen Vermögenswert einlösen. Das war beim Goldstandard anders, da konnte man jederzeit am Tresen der Bank den Papierschein gegen Gold einlösen. Warum Gold? Weil Gold einen konstanten Grenznutzen besitzt, also nicht wie ein Schnitzel nach dem Vierten uninteressant und damit wertlos wird. Basiert eine Währung nur auf Kredit, also auf Schuldscheinen bzw. Schuldner und nicht auf dem Vermögen des Kreditgebers, wie das in unserem monetären System der Fall ist, dann hat man das Problem eines jeden Kredits. Aus den Mitteln des Kredits kann der Kredit nicht zurückgezahlt werden, weil man zwar die Kreditsumme erhält, aber nicht die Zinsen. Es fehlt also das Geld, um den Kredit zu tilgen. In unserem System können die Schulden, selbst bei größter Sparsamkeit nicht getilgt werden. Im Gegenteil, Sparen ist kontraproduktiv. Es führt zum Zusammenbruch des Systems. Ob sich das Frau Merkel und Herr Schäuble schon mal überlegt haben? Es gibt aus unserer Misere keinen Ausweg, es sei denn ein Systemwechsel. Die Wahrheit ist häufig revolutionär, weil sie den Illusionen der Etablierten nicht entspricht. Eigentlich habe ich schon zuviel gesagt.
    Grüße Sie mit den besten Wünschen

  3. Frank Frei sagt:

    Was Gold in den Köpfen der Leute „wert“ ist – respektive das Verhalten auf der Strasse – zeigt diese schöne Video.
    „Selling 1 Oz Gold Coin for $25 (when it’s worth over $1,500)“ https://www.youtube.com/watch?v=ndshbH3qZ6Y

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