Weniger Euro, mehr Gold?

28. November 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Negativzinsen und Euro-Geldmengenflut schwächen den Euro-Außenwert. Anleger müssen dem „Euro-Klumpenrisiko“ ausweichen. Der Außenwert des US-Dollar befindet sich wieder im Höhenflug. Vertrauen in die US-Wirtschaft lässt die Nachfrage nach dem Greenback steigen…

Insbesondere der Euro ist zusehends unter Abwertungsdruck gegenüber dem US-Dollar geraten. Ein Grund dafür ist sicherlich der Zinsvorteil, den der US-Dollar gegenüber dem Euro jetzt schon besitzt.

Es könnte allerdings noch schlimmer kommen. Derzeit mehren sich die Hinweise, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Einlagezins – er liegt derzeit bei -0,2 Prozent – wohl noch weiter in den Negativbereich treiben wird (vermutlich schon im Dezember). Das wiederum wird das gesamte Zinsniveau im Euroraum weiter in Richtung Nulllinie zerren – und vielfach vermutlich sogar darunter; schon jetzt sind die Renditen der deutschen Staatsanleihen mit Laufzeit bis zu sechs Jahren negativ.

Verbunden mit den fortgesetzten Anleihekäufen rührt die EZB einen „Abwertungs-Cocktail“ zusammen: Die Kapitalflucht wird nicht nur durch zusehends niedrigere beziehungsweise negative Renditen angeheizt, sondern auch durch eine sie begleitende Euro-Geldmengenschwemme. Die Hoffnung, durch eine Euro-Wechselkursabwertung ließe sich die Euro-Konjunktur anschieben, dürfte sich als illusorisch erweisen.

Was bleibt ist ein negativer Effekt auf die reale Einkommens- und Vermögenslage: Die Kaufkraft im Euroraum wie auch außerhalb schwindet (beziehungsweise fällt geringer aus im Vergleich zu einer Situation, in der die Geldmenge nicht ausgeweitet worden wäre).

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Zusätzlich belastend für die Euro-Währung könnten sich die politischen Folgen des Anti-Terror-Kampfes erweisen. Zum einen durch einen weiteren Verlust bürgerlicher und unternehmerischer Freiheiten. Zum anderen durch einen neuerlichen Verschuldungsdrang der Staaten, finanziert durch eine zusätzliche Geldmengenschaffung der EZB. Was bedeutet das für die Anleger?

Was das Halten von liquiden Mittel betrifft, sollte man das Euro-Klumpenrisiko meiden – und beispielsweise auch US-Dollar, Schweizer Franken und natürlich auch Gold – das ultimative Zahlungsmittel – halten. Denn der Wert des Goldes kann weder durch eine willkürliche Vermehrung der Euro-Geldmenge noch durch Zahlungsausfälle ruiniert werden.



Sind die Anleihekäufe der EZB erst der Anfang?

Folgt die EZB der US-Notenbank FED, wird sie bald noch viel mehr Liquidität in die Wirtschaft pumpen. Das hätte dramatische Konsequenzen.

Viel hilft viel. Nach diesem Motto hat die US-Zentralbank Fed in den vergangenen Jahren die Geschäftsbanken durch Wertpapierkäufe mit frischem Zentralbankgeld in Höhe von 2.600 Milliarden Dollar versorgt. Die Geldbestände auf den Zentralbankkonten der Finanzinstitute sind nun größer als die täglich fälligen Zahlungsverbindlichkeiten der Banken gegenüber ihren Kunden, die sich auf 1700 Milliarden Dollar belaufen. Damit sind die US-Banken jederzeit zahlungsfähig und gegen einen Bank-Run immunisiert.

Riesige Liquiditätslücke

Die Europäische Zentralbank (EZB) scheint der Fed nachzueifern. Im Januar dieses Jahres hat sie angekündigt, von März 2015 bis Herbst 2016 Anleihen im Wert von 1140 Milliarden Euro zu kaufen und diese mit neu geschaffenen Euro zu bezahlen.

Doch das dürfte noch längst nicht das Ende der Fahnenstange sein. Unter der Führung von EZB-Chef Mario Draghi schicken sich die Notenbanker an, bald noch mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen. In den Bilanzen der Banken stehen Verbindlichkeiten gegenüber den Kunden von 5400 Milliarden Euro, die die Kunden jederzeit abrufen können.

Dagegen verfügen die Banken nur über liquide Mittel auf ihren Zentralbankkonten von 680 Milliarden Euro. Die Banken in der Euro-Zone sind daher latent zahlungsunfähig: Im Fall der Fälle können sie die Bargeldauszahlungswünsche der Kunden nicht vollständig erfüllen. Um Bankenpleiten auszuschließen, muss die EZB die Liquiditätslücke von 4720 Milliarden Euro schließen. Dazu muss sie weitere Anleihen kaufen und diese mit neu geschaffenen Euro bezahlen.

Vielen Regierungen im Euro-Raum dürfte das gelegen kommen. Denn auf diese Weise lassen sich die Euro-Staatsschulden in die Bilanz der EZB verschieben, um sie später zu extrem niedrigen Zinsen zu refinanzieren oder ganz zu streichen. Geht die EZB so weit wie die Fed, wird sie auch die Termin- und Spareinlagen zu einem Teil mit neu geschaffenem Zentralbankgeld unterfüttern.

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Das liefe auf Anleihekäufe von 8100 Milliarden Euro hinaus. Die Euro-Hüter finanzierten dann rund 86 Prozent der Euro-Staatsschulden durch die Notenpresse. Das ließe die Euro-Kapitalmarktzinsen weiter in Richtung null Prozent sinken.

Begleitet von einem negativen Einlagezins, den die EZB den Banken schon jetzt auferlegt, dürften die Renditen vieler Staatsschulden sogar in den Negativbereich rutschen. Die Folge wäre eine Kapitalflucht aus dem Euro, die dessen Außenwert in die Tiefe reißt.

Künstlich herabgedrückte Zinsen verzerren zudem die Preise auf den Produkt- und Faktormärkten. Die Volkswirtschaft verliert gewissermaßen ihren Kompass. Sparen, Konsumieren und Investieren werden zum Blindflug. Fehlinvestitionen und Kapitalverzehr stellen sich ein. Man lebt von der Substanz, weil der gegenwärtige Wohlstand auf Kosten künftigen Wohlstandes erkauft wird.

Darüber hinaus ließen weitere Anleihekäufe die Euro-Geldmenge massiv anschwellen. Wann und in welchem Ausmaß dies zu steigenden Preisen führt, hängt davon ab, wem die EZB die Anleihen zu welchem Zeitpunkt abkauft und ob sie die Geldmenge teilweise wieder stilllegt.

Am Ende aber dürften die Preise spürbar anziehen. Denn eine etwas höhere Inflation ist nicht nur politisch gewünscht, sie ist auch unverzichtbar, wenn die Euro-Schuldenpyramide nicht einstürzen soll. Sparer und Investoren sollten sich die Wirkung einer Geldmengenausweitung wie die eines Wasserrohrbruchs im Haus vorstellen. Erst tröpfelt es in der einen Ecke, dann in der anderen, und nach und nach sind alle Wände und Decken durchnässt.

Umverteilung und Inflation

Die Geldentwertung geht mit einer Umverteilung von Einkommen und Vermögen einher. Die Preise werden nach und nach steigen, erst die einen, dann die anderen. Diejenigen, die das neu geschaffene Geld als Erste bekommen, werden besser gestellt. Sie können die Güter zu noch unveränderten Preisen kaufen. Diejenigen, die das neue Geld zu einem späteren Zeitpunkt erhalten oder die gar nichts davon abbekommen, werden ärmer: Sie können die Güter nur zu bereits erhöhten Preisen kaufen.

Um die realen Schuldenlasten zu verringern und den Euro-Raum vor dem Kollaps zu bewahren, werden Politiker und Regierungen das Entwerten des Geldes früher oder später akzeptieren. Es ist ein Menetekel, wenn die EZB die Volkswirtschaften Schritt für Schritt in das Delirium der Euro-Billionen treibt.

© Prof. Dr. Thorsten Polleit – Marktreport Degussa Goldhandel GmbH

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3 Kommentare auf "Weniger Euro, mehr Gold?"

  1. Helmut Josef Weber sagt:

    Und wie soll man fürs Alter vorsorgen?
    Bei langfristiger Planung für die private Altersversorgung gehe ich davon aus, dass die Person etwa 30 Jahre anspart und etwa 15 Jahre verbraucht.
    Also sollte man sich ein Investment suchen, dem man zutraut, dass es innerhalb dieser etwa 45 Jahre zumindest seine Kaufkraft behält.
    Wer heute in Rente geht, der hat dann bei der Ansparung mit Goldunzen über 10% im Jahr Kursteigerungen verbuchen können.
    Genaue Zahlen: Seit 1970, 8,7% pro Jahr.
    Wer 2012/13/14 erstmalig gekauft hat, sollte mal darüber nachdenken, wo die Kurse dann um das Jahr 2042/43 wohl stehen werden, wenn er darüber nachdenken möchte, ob seine Investition richtig war.
    Die Bankster, die Menschen davon abhalten wollen, in Edelmetalle zu investieren, wissen genau, dass weder tiefe oder hohe Edelmetallpreise die Käufer davon abhalten zu kaufen, sondern nur extreme Schwankungen; 400 Prozent rauf und 60% runter, die Blödzeitung und das Regierungsfernsehen erledigen den Rest, damit der Michel bei Allianz, Riester und Co. sein Geld ablädt und dann beim Verbrauch im Alter davon auch noch Steuern zahlt.
    Wer heute 100 TSD in Unzen investieren will, bekommt etwa 100 Unzen, stände der Preis bei 2.000,00 Euro/Unze nur 50 Unzen.
    Dagegen habe ich auch solange nichts, wie mir meine Kursgewinne nicht als Einkommen angerechnet werden.
    Ich bin (heute Rentner) ausgesprochen gut mit den Edelmetallen gefahren und mein Sohn wird etwa 2045 wissen, ob Papa recht hatte, als er zu Edelmetallen für die private Altersversorgung geraten hat; ich denke, er kann genauso ruhig schlafen wie ich.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  2. Hallo,

    Das der Geldhahn noch weiter aufgedreht wird, wird für jubel an den Börsen sorgen.
    Es gibt dann noch weniger alternativen zur Börse, wenn eine ordentliche Rendite erwirtschaftet werden soll.
    Aber das ganze Gerüst der Schulden was die Staatengemeinschaft aufgebaut hat steht auf sehr wackeligen Beinen. Was passiert wenn etwas unvorhergesehenes passiert und das Kartenhaus zusammenbricht? Das weiß niemand so genau, aber ich denke irgenwer muss für die ganzen Schulden aufkommen. Wahrscheinlich werden das wieder die Steuerzahler sein. Ich befürchte es wird dann noch schlimmer als die Krise 2008.
    Wollen wir mal hoffen das es nicht so weit kommt.

    Viele Grüße Klaus-Dieter

  3. JayJay sagt:

    Wer heut zu Tage noch über die Banken (Riester/KV/RV u.s.w.) spart, wird sich später wundern.
    Gold & Silber Ahoi 🙂

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